Die Commerzbank meldet sich diese Woche gleich zweifach zu Wort — einmal als Marktteilnehmer mit eigenem Rückkaufprogramm, einmal als Frühwarnsystem für die deutsche Wirtschaft. Die hauseigenen Volkswirte zeichnen ein skeptisches Bild für das dritte Quartal, während das Institut selbst am Kapitalmarkt kräftig investiert.

Schwache Industriedaten belasten Ausblick

Auslöser der Debatte ist ein überraschender Rückgang der deutschen Industrieproduktion im Juli. Das Verarbeitende Gewerbe schrumpfte um 1,1 Prozent, während Volkswirte im Schnitt mit einem leichten Plus gerechnet hatten. Verantwortlich dafür ist vor allem die Automobilindustrie, die mit einer mehrwöchigen Produktionspause zu kämpfen hatte.

Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen sieht darin mehr als einen einmaligen Ausrutscher. Zwar erkennt er den Sondereffekt in der Autoproduktion an, verweist aber auf die weiterhin stagnierenden Auftragseingänge als Kerngröße. Hinzu kommt der niedrige Wasserstand auf vielen Flüssen im August, der die Produktion zusätzlich gehemmt haben dürfte.

Solveens Fazit: Die deutsche Wirtschaft dürfte im dritten Quartal schwächer expandieren als in den Quartalen zuvor — eine vorsichtigere Einschätzung als jene der VP Bank, die die Juli-Zahlen eher als statistischen Ausreißer wertet.

Auch bei der Bewertung der politischen Lage meldet sich die Commerzbank zu Wort. Nach dem AfD-Wahlsieg in Sachsen-Anhalt sieht Analyst Rainer Guntermann für Bundesanleihen kaum direkte Auswirkungen, warnt aber vor indirekten Folgen: Interne Streitigkeiten innerhalb der Bundesregierung nach dem schwachen Abschneiden von CDU und SPD könnten die Umsetzung geplanter Reformen im Rest des Jahres erschweren.

Rückkauf läuft parallel zu düsteren Prognosen

Während die Volkswirte des Hauses eher gedämpfte Töne anschlagen, verfolgt die Commerzbank am Kapitalmarkt einen offensiven Kurs. Das jüngste Aktienrückkaufprogramm über bis zu 1,2 Milliarden Euro läuft bis zum 10. Februar 2027, die zurückgekauften Aktien sollen anschließend eingezogen werden. Der Rückkauf ist Teil der langfristigen Strategie, den Unternehmenswert zu steigern und Aktionäre an den Gewinnen zu beteiligen.

Diese Doppelrolle — kritischer Konjunkturbeobachter einerseits, aktiver Kapitalmarktakteur andererseits — dürfte auch in den kommenden Wochen Thema bleiben. Entscheidend wird sein, ob sich die von Solveen erwarteten Nachholeffekte in der Automobilproduktion tatsächlich in den August- und September-Daten zeigen.