Liebe Leserinnen und Leser,
drei Wochen Iran-Krieg, Ölpreise über 100 Dollar, einbrechende Konjunkturerwartungen – und der DAX steigt trotzdem. Wer das Marktgeschehen dieser Tage beobachtet, reibt sich die Augen. Doch hinter der trügerischen Ruhe brodelt es: UniCredit prescht mit einem Übernahmeangebot vor, das Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp schlicht nicht versteht. Bitcoin kämpft um die 74.000-Dollar-Marke. Und Mastercard macht einen Milliardendeal, der zeigt, wohin die Reise im Zahlungsverkehr geht. Heute schauen wir genauer hin.
Der Übernahmekrimi um die Commerzbank
„Ich verstehe es nicht.“ Selten formuliert eine DAX-Vorstandschefin ihre Verwirrung so offen. Bettina Orlopp sagte diesen Satz bei der European Financials Conference von Morgan Stanley – und meinte damit das Vorgehen von UniCredit, das am Montag ein freiwilliges Tauschangebot für alle Commerzbank-Aktien angekündigt hatte, ohne vorher auch nur einmal das Gespräch zu suchen.
Das Angebot: 0,485 neue UniCredit-Aktien je Commerzbank-Papier, was einem Preis von rund 30,80 Euro entspricht – gerade einmal vier Prozent Aufschlag auf den Schlusskurs vom 13. März. Orlopp nannte das ein „taktisches Manöver“, und es fällt schwer, ihr zu widersprechen. Wer eine Bank für knapp 35 Milliarden Euro kaufen will, bietet üblicherweise mehr als ein symbolisches Aufgeld.
UniCredit hält bereits direkt rund 26 Prozent plus knapp 4 Prozent über Derivate – und will nun die 30-Prozent-Schwelle knacken, ab der deutsches Recht ein vollständiges Pflichtangebot erzwingt. Das ist der eigentliche Hebel. Ratingagentur Fitch sieht in einer vollständigen Übernahme langfristig positive Effekte für UniCredits Kreditprofil, warnt aber vor erheblichen Ausführungsrisiken – nicht zuletzt wegen des geopolitischen Umfelds und des Widerstands aus Berlin. Das Tauschangebot soll von Anfang Mai bis Anfang Juni laufen; ein Abschluss ist frühestens im ersten Halbjahr 2027 realistisch.
Für Commerzbank-Aktionäre ist die Lage ungemütlich: Das Angebot liegt unter dem aktuellen Kurs, der heute um rund 0,81 Prozent auf 32,40 Euro zulegte. Die Bank selbst verweist auf ein Rekordergebnis 2025 und einen starken Jahresstart 2026. Die eigentliche Frage ist, ob UniCredit die Geduld hat, auf eine günstigere Gelegenheit zu warten – oder ob der Druck auf Orlopp irgendwann doch zu groß wird.
Der DAX im Erholungsmodus – mit einem Riss
0,71 Prozent Plus, Schlussstand 23.731 Punkte. Auf dem Papier sieht der heutige DAX-Tag ordentlich aus. Doch wer tiefer schaut, erkennt das Muster: Die Umsätze waren erneut dünn. Portfoliomanager Thomas Altmann von QC Partners brachte es treffend auf den Punkt – die meisten Anleger haben sich entschieden, die Krise „ohne große Handelstätigkeit auszusitzen“.
Das Makrobild ist dabei alles andere als beruhigend. Die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland sind im März regelrecht eingestürzt: von plus 58,3 auf minus 0,5 Punkte. Erwartet worden waren 38,5 Punkte. Ein dramatischerer Einbruch war kaum vorstellbar – und die Märkte zuckten mit den Schultern. Der Grund: Viele Anleger setzen darauf, dass sich die Erwartungen rasch erholen, sobald der Iran-Krieg endet.
Brent-Öl notiert bei rund 102 Dollar pro Barrel. Das Hoch lag vor einer Woche bei knapp 120 Dollar – dem höchsten Stand seit 2022. Die Straße von Hormus bleibt faktisch blockiert, und Trumps Appell an Verbündete, die Meerenge mitzusichern, stieß auf wenig Resonanz. Deutschland, Spanien, Italien, Australien und Japan lehnten ab.
Morgen folgt die Fed-Zinsentscheidung, am Donnerstag die EZB. Eine Änderung erwartet niemand. Was die Märkte wirklich bewegt, sind die Signale dahinter: Werden die Notenbanker Zinssenkungen noch weiter in die Ferne schieben? Laut LSEG-Daten preist der Markt derzeit nur noch eine einzige Senkung um 25 Basispunkte ein – und das erst zum Jahresende. Vor dem Krieg waren es zwei.
Rüstung: Rheinmetall, HENSOLDT & Co. zwischen Gewinnmitnahmen und Langfristperspektive
Wer seit Jahresbeginn in deutschen Rüstungsaktien investiert ist, kennt das Muster: Starke Bewegungen nach oben, dann Konsolidierung, dann wieder Bewegung. Heute war ein solcher Konsolidierungstag. HENSOLDT gab leicht um 0,18 Prozent nach, TKMS verlor 1,02 Prozent. Rheinmetall und RENK legten moderat zu.
Das ändert nichts am strukturellen Bild. Rheinmetall präsentierte heute beim Nordic Mortar Day 2026 in Norwegen seine aktuelle Generation europäischer Mörsersysteme – darunter das 120-mm-Ragnarok-Mortar. Live-Demonstrationen unter schwierigen Wetterbedingungen zeigten Zielgenauigkeit und schnelle Reaktionszeiten. Das klingt nach Werbeveranstaltung, ist aber strategisch bedeutsam: Europa baut Kapazitäten auf, und Rheinmetall positioniert sich als zentraler Lieferant.
Gleichzeitig wächst der politische Druck. Der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag, Thomas Röwekamp, schlug vor, die EU-Mission „Aspides“ auf die Straße von Hormus auszuweiten. Deutschland würde sich wie bisher defensiv beteiligen – Stabspersonal, Lagebilder. Kein Kampfeinsatz. Aber das Signal an den Markt ist klar: Europäische Verteidigungsausgaben bleiben auf hohem Niveau.
Für Anleger mit längeren Zeithorizonten bleibt der Sektor strukturell interessant. Kurzfristig sind Gewinnmitnahmen nach den starken Kursanstiegen der vergangenen Wochen normal.
Anzeige: Die Frage, die sich dabei für viele Anleger stellt, ist die nach der richtigen Positionierung – denn wer ausschließlich auf die bekannten Namen wie Rheinmetall oder HENSOLDT setzt, greift möglicherweise zu kurz. In dem kostenlosen Webinar „Die Depot-Architekten“ zeigen Jörg Mahnert und Dr. Bernd Heim, wie man gezielt die hochspezialisierten Zulieferer und Profiteure hinter den großen Rüstungs- und KI-Konzernen identifiziert – also jene Unternehmen der zweiten Reihe, die von jedem Milliardenauftrag der Branchenriesen überproportional profitieren. Das vorgestellte Zwei-Depot-System kombiniert ein solides Value-Fundament aus bis zu zehn handverlesenen Werten mit einer Hebel-Strategie, die normale Marktbewegungen gezielt multipliziert. Der Dienst kann 30 Tage lang kostenlos getestet werden – inklusive konkreter Einstiegssignale zum Sofortstart. Zum kostenlosen Webinar: Die Depot-Architekten – Rüstungs- und KI-Zulieferer im Fokus
Lufthansa: Zwischen Streikwellen und Steuererleichterungen
Bei Lufthansa stapeln sich die Probleme. Nachdem die Piloten bereits zweimal gestreikt haben und die Eurowings-Piloten grünes Licht für einen weiteren Arbeitskampf gegeben haben, zieht nun auch die Kabinengewerkschaft Ufo nach. Eine Urabstimmung über Streikmaßnahmen läuft bis zum 27. März – und Ufo-Chef Joachim Vázquez Bürger erwartet ein „sehr eindeutiges“ Ergebnis.
Der Kern des Konflikts: Festgefahrene Verhandlungen zum Manteltarif und das Scheitern eines Sozialtarifvertrags für die Cityline-Beschäftigten, deren Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen. Lufthansa hat den Piloten inzwischen ein verbessertes Vorsorgeangebot gemacht – eine Überführung der Übergangsversorgung in die betriebliche Altersvorsorge mit bis zu 50 Prozent Verbesserung. Ob das reicht, bleibt offen.
Gleichzeitig plant die Bundesregierung eine Senkung der Luftverkehrssteuer zum 1. Juli 2026. Kurzstreckenflüge würden von 15,53 auf 13,03 Euro je Passagier günstiger, Langstrecken von 70,83 auf 59,43 Euro. Ob die Airlines die Einsparungen weitergeben, ist eine andere Frage – zumal der steigende Ölpreis die Kosten gleichzeitig in die Höhe treibt. Die Lufthansa-Aktie legte heute trotz allem um rund 1,89 Prozent zu. Der Markt scheint die Streikrisiken vorerst einzupreisen, ohne in Panik zu verfallen.
Bitcoin: 74.000 Dollar und ein Mastercard-Deal, der alles verändert
Bitcoin hält sich stabil um die 74.000 Dollar – nach einem kurzen Ausflug bis auf knapp 76.000 Dollar. Die Bewegung lässt sich gut erklären: Short-Covering nach den Verlusten aus dem Februar-Einbruch, stabile ETF-Zuflüsse, und ein Markt, der Bitcoin zunehmend als defensiven Wert wahrnimmt, wenn geopolitische Spannungen steigen. „Während erhöhte globale Spannungen zunächst Risk-off-Verkäufe auslösten, begann die Kryptowährung später, mehr wie ein defensiver Wert zu handeln“, schreibt Analyst Axel Rudolph von IG.
Die eigentlich bedeutsamere Nachricht des Tages kam jedoch von Mastercard: Der Zahlungsriese übernimmt die Stablecoin-Infrastrukturplattform BVNK für bis zu 1,8 Milliarden Dollar. BVNK verbindet Fiat-Währungen mit Stablecoins und ermöglicht Zahlungen über mehr als 130 Länder hinweg. Bis zu 300 Millionen Dollar davon sind an zukünftige Ziele geknüpft; der Abschluss wird noch vor Ende 2026 erwartet.
Das ist kein Experiment mehr. Mastercard und Visa positionieren sich aktiv im Stablecoin-Segment, weil sie die Richtung des Zahlungsverkehrs kennen. Für Krypto-Anleger ist das ein starkes Signal: Wenn die etablierten Netzwerke Milliarden in die Infrastruktur investieren, wird das Ökosystem stabiler und zugänglicher. Ethereum legte heute 2,4 Prozent zu, XRP blieb mit 1,51 Dollar weitgehend unverändert.
Was morgen zählt
Drei Termine dominieren den Rest der Woche: Mittwoch die Fed, Donnerstag die EZB und die Bank of Japan. Zinsänderungen sind unwahrscheinlich – aber die Worte der Notenbanker werden unter dem Brennglas stehen. Wie stark gewichten sie die Inflationsrisiken durch den Ölpreisanstieg? Wie reagieren sie auf die schwachen Konjunkturdaten? Die Antworten darauf werden bestimmen, ob die aktuelle Erholung an den Märkten trägt oder nur eine Atempause ist.
Mein Eindruck: Die Märkte haben sich in eine Art Wartemodus begeben. Der Iran-Krieg wird ausgesessen, die Zinsentscheidungen abgewartet. Das kann sich schnell ändern – in beide Richtungen. Wer jetzt in Deckung geht, verpasst möglicherweise die nächste Bewegung nach oben. Wer zu früh Gas gibt, läuft in die nächste Eskalationswelle hinein.
Manchmal ist Abwarten die klügste Strategie – solange man weiß, worauf man wartet.
Bis morgen,
Andreas Sommer


