Liebe Traderinnen und Trader,
ein Bankvorstand, der Aktien im Wert von 1,2 Milliarden Euro zurückkauft, während im Hintergrund ein ausländischer Großaktionär fast die Hälfte des Unternehmens hält – das ist keine gewöhnliche Gemengelage. Genau das aber ist die Ausgangslage bei der Commerzbank, und sie steht diese Woche stellvertretend für ein größeres Muster: Der DAX selbst tut wenig, knapp über 26.000 Punkte, rund zwei Prozent unter dem Allzeithoch vom 28. August. Die eigentliche Bewegung findet in den Einzelwerten statt – bei der Commerzbank, bei SAP und Infineon, bei Bitcoin. Wer nur auf den Index schaut, verpasst die Woche.
Commerzbank: Der Kurs ist Nebensache, das Machtwort aus Berlin zählt
Die Commerzbank-Aktie markierte am Freitag mit 42,11 Euro ein neues 52-Wochen-Hoch, bevor sie bei 41,86 Euro aus dem Handel ging – ein Plus von 0,6 Prozent zum Vortag und von 28 Prozent auf Zwölfmonatssicht. Untermauert wird die Stärke von einem laufenden Aktienrückkauf über bis zu 1,2 Milliarden Euro, der bis zum 10. Februar 2027 läuft. Zusammen mit der geplanten Dividende soll die Gesamtausschüttung für 2026 auf rund 3,2 Milliarden Euro steigen, gedeckt durch ein Nettogewinnziel von mindestens 3,4 Milliarden Euro.
Das ist die Oberfläche. Der eigentliche Kurstreiber ist die Machtfrage: UniCredit hält inzwischen fast 50 Prozent der Commerzbank-Anteile, der Bund noch knapp 12 Prozent. Hessen pocht darauf, dass Sitz und Vorstand in Frankfurt bleiben, und am 14. September treffen sich Finanzminister Klingbeil und UniCredit-Chef Andrea Orcel zum Gespräch. Für Trader bedeutet das: Die Aktie notiert auf Rekordniveau, der Rückkauf stützt technisch von unten – aber jede Zeile aus Berlin oder Mailand kann den Kurs kurzfristig bewegen. Bis zum 14. September bleibt das Papier ein Nachrichtenwert, kein reiner Chart-Trade.
Während sich die Commerzbank in einem Machtpoker zwischen Berlin und Mailand behauptet, suchen viele Anleger nach Titeln abseits der Bankenbranche mit echtem Wachstumspotenzial. Ein aktueller Spezial-Report von Analyst Mike Rückert stellt fünf Aktien aus Energie, Gesundheit und Hightech vor, die 2026 zu den großen Gewinnern zählen könnten. Jetzt den Report sichern
SAP gegen Infineon: Warum Langeweile gerade die bessere Rendite bringt
Während der Halbleitersektor zwischen Euphorie und Korrektur pendelt, zeigt sich bei den beiden großen deutschen Tech-Werten ein Kontrast, der etwas über die aktuelle Marktverfassung verrät. SAP schloss am Freitag bei 185,10 Euro, leicht schwächer als am Vortag, hat aber auf Monatssicht rund 8,9 Prozent zugelegt – ein stetiger, wenig aufgeregter Aufwärtstrend, der die zwölfmonatige Schwäche von gut 21 Prozent allmählich abträgt.
Infineon dagegen sprang am Freitag um 2,2 Prozent auf 56,90 Euro, steht aber auf Monatssicht noch mit 5,8 Prozent im Minus. Charttechnisch verteidigt die Aktie einen Dreifachboden bei 56 Euro; darunter wartet die 200-Tage-Linie bei 53,40 Euro als nächste Auffanglinie. Günstig ist das Papier mit einem KGV von rund 43,6 für 2026 nicht – auf Basis der 2027er-Schätzung fällt die Bewertung aber auf etwa 23,1, deutlich unter dem eigenen Zehnjahresschnitt von 33,4. Wer im DAX auf Stabilität setzt, findet in SAP aktuell den ruhigeren Trade. Wer auf eine Chip-Erholung spekuliert, beobachtet die 56-Euro-Marke bei Infineon als Nagelprobe für die kommende Woche.
EZB am Donnerstag: Der Markt rechnet mit mehr, als die Ökonomen erwarten
Am Donnerstag entscheidet die EZB über den Leitzins, und selten war die Erwartungshaltung so gespalten. Die meisten Volkswirte rechnen mit einer Anhebung des Einlagensatzes um 25 Basispunkte auf 2,50 Prozent, gefolgt von einer Zinspause bis ins kommende Jahr. Der Markt selbst preist deutlich aggressivere Schritte ein – bis zu drei weitere Erhöhungen in Richtung 3,0 Prozent. Grund ist die hartnäckige Euroraum-Inflation von 3,3 Prozent im August.
Für den DAX ist das ein Belastungstest: Fällt die EZB-Kommunikation restriktiver aus als die Konsens-Erwartung von 2,5 Prozent, dürfte das insbesondere zinssensible Sektoren wie Immobilien- und Versorgerwerte treffen. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen lag zuletzt bei rund 3,35 Prozent – ein Niveau, das die Bewertungsdiskussion am Aktienmarkt weiter befeuert.
Bitcoin unter 80.000 Dollar: Wie ein guter Jobbericht zum schlechten Krypto-Tag wird
Der überraschend starke US-Arbeitsmarktbericht vom Freitag – 162.000 neue Stellen gegenüber einer Erwartung von rund 56.000 – hat die Zinserhöhungswahrscheinlichkeit der Fed für September auf bis zu 65 Prozent getrieben und Bitcoin unter die Marke von 80.000 Dollar gedrückt, mit einem Tagestief bei rund 78.700 Dollar. Aktuell pendelt die Kryptowährung um 79.700 Dollar – meilenweit entfernt vom 52-Wochen-Hoch bei 126.198 Dollar, aber auch klar über dem Juli-Tief von 57.721 Dollar. Auf Monatssicht steht dennoch ein Plus von rund 24 Prozent zu Buche.
Ether und Solana gaben im Zuge der Jobdaten ebenfalls nach, notieren aktuell aber bei rund 2.480 beziehungsweise 106 Dollar. Der nächste echte Belastungstest folgt mit der Fed-Zinsentscheidung am 16. September, gefolgt von der PCE-Inflationsrevision am 30. September. Bis dahin dürfte der Krypto-Markt jede US-Konjunkturzahl überdurchschnittlich stark handeln – gute Nachrichten für die Wirtschaft sind für Bitcoin derzeit schlechte Nachrichten für den Kurs.
VW und Porsche SE: Der Markt honoriert einen Plan, nicht nur eine Ankündigung
Vor der Aufsichtsratssitzung sorgte der neue VW-Sanierungskurs für Bewegung: Ein Renditeziel von 9 Prozent bis 2030, verbunden mit dem Abbau von 50.000 Stellen, trieb die VW-Aktie zeitweise um rund 7 Prozent nach oben. Auch die Muttergesellschaft Porsche SE profitierte und schloss den Freitag bei 28,86 Euro mit einem moderaten Plus von 0,5 Prozent, nach einem deutlicheren Sprung bereits zur Wochenmitte. Bemerkenswert ist weniger der Tagesausschlag als das Signal dahinter: Der Markt goutiert erstmals seit Längerem einen konkreten Restrukturierungsfahrplan im Autosektor – auch wenn Porsche SE auf Zwölfmonatssicht noch mit rund 19 Prozent im Minus liegt. Ob der Schwung trägt, entscheidet sich daran, wie belastbar das 9-Prozent-Ziel angesichts der schwierigen Branchenlage tatsächlich ist.
Konkrete Sanierungspläne wie bei VW zeigen: Der Markt honoriert Substanz statt bloßer Ankündigungen – ein Prinzip, das sich auch bei der Aktienauswahl bewährt. Der kostenlose Report „Rekord Aktien 2026″ bündelt fünf Unternehmen, die auf Qualität, Wachstum und intelligente Trendfaktoren statt auf Spekulation setzen. Report herunterladen
Marschroute
Die kommende Woche wird von zwei Terminen dominiert: der EZB-Entscheidung am Donnerstag und der US-Verbraucherpreisstatistik am Freitag. Der DAX dürfte in seiner Konsolidierungszone zwischen rund 25.300 und 26.250 Punkten verharren – die eigentlichen Impulse kommen von den Einzelwerten. Bei der Commerzbank ist der 14. September der Termin, der zählt: Klingbeils Gespräch mit Orcel kann die Machtfrage neu justieren, unabhängig vom Rückkauf. Bei Infineon bleibt die 56-Euro-Marke die Nagelprobe für eine mögliche Chip-Erholung, während SAP der ruhigere Wert bleibt, solange der Aufwärtstrend intakt ist. Und bei Bitcoin gilt: Bis zur Fed-Entscheidung am 16. September reagiert der Kurs auf jede US-Konjunkturzahl überproportional – die 80.000-Dollar-Marke bleibt die Linie, an der sich zeigt, ob die Erholung seit dem Juli-Tief hält.
Das Wochenende geht zu Ende, die Terminlage der neuen Woche ist dicht. Nutzen Sie die verbleibende Zeit, um Ihre Watchlist auf diese fünf Marken zu justieren.
Gute Trades, Ihr Andreas Sommer
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