Commerzbank: Schaufler mit „zehn von zehn“ für Unabhängigkeit

Commerzbank-Chef Schaufler bekräftigt die Eigenständigkeit der Bank, während UniCredit-CEO Orcel sein Übernahmeangebot vorbereitet. Die kommenden Mai-Termine werden den Konflikt entscheiden.

Commerzbank Aktie
Kurz & knapp:
  • Commerzbank-Chef bekräftigt Unabhängigkeit mit "Zehn von zehn"
  • UniCredit will freiwilliges Übernahmeangebot Anfang Mai vorlegen
  • Drei entscheidende Termine im Mai prägen den Übernahmestreit
  • Aktienkurs der Commerzbank legte in zwölf Monaten 45% zu

Commerzbank-Vorstand Thomas Schaufler lässt keinen Zweifel: „Zehn von zehn“ — so beziffert er seine Überzeugung, dass die Bank ihre Unabhängigkeit wahren wird. Das Interview mit der Stuttgarter Zeitung vom 22. April ist mehr als ein Stimmungsbild. Es ist ein gezieltes Signal kurz vor den entscheidenden Wochen im Übernahmestreit mit UniCredit.

Operative Stärke als Schutzschild

Schauflers Argument fußt auf Zahlen. Die Bank habe die Ziele für 2025 erreicht oder übertroffen und den Ausblick für 2026 angehoben. Den Kursanstieg seit seinem Amtsantritt Ende 2021 — damals sechs bis sieben Euro, heute liegt der durchschnittliche Analystenzielpreis bei 38 Euro — nennt er als Beleg für die operative Stärke. Die Aktie notiert aktuell bei rund 34,80 Euro und hat in den vergangenen zwölf Monaten gut 45 Prozent zugelegt.

Schaufler warnt außerdem vor Integrationsrisiken für Mitarbeitende und Kunden und betont die besondere Rolle der Bank für den deutschen Mittelstand. Die Bundesregierung stehe hinter der Eigenständigkeitsstrategie und halte das feindliche Vorgehen UniCredits für falsch, so Schaufler.

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Orcel kalkuliert nüchtern

UniCredit-Chef Andrea Orcel hat die Lage bereits am 21. April öffentlich neu bewertet. Sollte ihm das freiwillige Übernahmeangebot — das er Anfang Mai mit einem Volumen von rund 35 Milliarden Euro vorlegen will — keine Kontrollmehrheit bringen, werde er eine Pause einlegen und sich auf andere interne Themen konzentrieren. Weil das Angebot voraussichtlich unter dem aktuellen Kurs liegen dürfte, rechnen Analysten und Orcel selbst kaum damit, dass viele Aktionäre ihre Anteile andienen.

Parallel hält UniCredit den Druck mit einer eigenen Präsentation aufrecht. Darin wirft das Mailänder Institut der Commerzbank eine „Geschichte operativer Underperformance“ vor und stellt für den Übernahmefall einen Nettogewinn von rund 5,1 Milliarden Euro bis 2028 in Aussicht — unter dem Strategieplan „Commerzbank Unlocked“. Frankfurt kontert scharf: Das sei kein glaubwürdiger Plan zur Wertsteigerung, sondern ein Versuch, das Geschäftsmodell aufzubrechen.

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Drei Termine im Mai

Der Konflikt läuft auf einen dichten Terminkalender zu:

  • 4. Mai: Außerordentliche UniCredit-Hauptversammlung zur Abstimmung über die notwendige Kapitalerhöhung
  • 8. Mai: Commerzbank präsentiert Q1-Zahlen, aktualisierte Finanzziele und die 2030-Strategie
  • 20. Mai: Ordentliche Commerzbank-Hauptversammlung in Wiesbaden — auf der Tagesordnung steht unter anderem eine vorgeschlagene Dividende von 1,10 Euro je Aktie für 2025

Der 8. Mai dürfte zum eigentlichen Prüfstein werden. Mit der 2030-Strategie muss die Commerzbank zeigen, dass sie als eigenständiges Institut mehr Wert schaffen kann als unter dem Dach von UniCredit — ein Argument, das letztlich die Aktionäre überzeugen muss.

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Mit über fünfzehn Jahren Erfahrung als Wirtschaftsjournalist hat sich Felix Baarz als Experte für internationale Finanzmärkte etabliert. Seine Leidenschaft gilt den Mechanismen globaler Finanzmärkte und komplexen wirtschaftspolitischen Zusammenhängen, die er für seine Leserschaft verständlich aufbereitet.In Köln geboren und aufgewachsen, entdeckte er früh sein Interesse für Wirtschaftsthemen und internationale Entwicklungen. Nach seinem Studium startete er als Wirtschaftsredakteur bei einer renommierten deutschen Fachpublikation, bevor ihn sein Weg ins Ausland führte.Ein prägendes Kapitel seiner Karriere waren die sechs Jahre in New York, wo er direkten Einblick in die globale Finanzwelt erhielt. Die Berichterstattung von der Wall Street und über weltweite wirtschaftspolitische Entscheidungen schärfte seinen Blick für globale Zusammenhänge.Heute ist Felix Baarz als freier Journalist für führende Wirtschafts- und Finanzmedien im deutschsprachigen Raum tätig. Seine Arbeit zeichnet sich durch fundierte Recherchen und präzise Analysen aus. Er möchte nicht nur Fakten präsentieren, sondern auch deren Bedeutung erklären und seinen Lesern Orientierung bieten – sei es zu wirtschaftlichen Trends, politischen Entscheidungen oder langfristigen Veränderungen in der Finanzwelt.Zusätzlich moderiert er Diskussionen und nimmt an Expertenrunden teil, um sein Wissen einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Dabei liegt sein Fokus darauf, komplexe Themen informativ und inspirierend zu vermitteln. Felix Baarz versteht seine journalistische Aufgabe darin, in einer sich schnell wandelnden Welt einen klaren Blick auf wirtschaftliche Zusammenhänge zu ermöglichen und seine Leser bei fundierten Entscheidungen zu unterstützen – beruflich wie privat.