Coupang setzt nach dem dritten operativen Quartalsverlust in Folge auf eine schrittweise Erholung des Kerngeschäfts. CEO Bom Kim erklärte heute, die Profitabilität des Produktgeschäfts solle bis Mitte 2027 nahezu das Niveau vor dem Datensicherheitsvorfall erreichen. Die Zahlen für das dritte Quartal 2026 zeigen allerdings: Nicht nur der Lagerbrand in Incheon belastet die Ergebnisse.
An der Börse überzeugt der Erholungsausblick zunächst nicht. Die Aktie verliert heute vorbörslich -6,1% und notiert bei 12,80 €. Damit steht das Papier trotz der Aussicht auf schnelleres Umsatzwachstum unter Druck.
Brandkosten erklären den Verlust nur teilweise
Der operative Quartalsverlust betrug 450 Mio. US-Dollar. Darin enthalten waren 248 Mio. US-Dollar Kosten im Zusammenhang mit dem Brand des Logistikzentrums in Incheon.
Der Sonderfaktor erklärt damit einen erheblichen Teil der Belastung, aber nicht die gesamte Ergebnisschwäche. Coupang nennt zusätzlich Lieferkettenstörungen, hohe Logistik-Fixkosten und Marketingausgaben zur Rückgewinnung abgewanderter Kunden. Für Anleger ist deshalb entscheidend, wie schnell diese Belastungen zurückgehen.
Auch ohne die Brandkosten hätte Coupang einen operativen Verlust von 202 Mio. US-Dollar ausgewiesen. Der gemeldete Nettoverlust erreichte 501 Mio. US-Dollar.
Auf der Umsatzseite entwickelt sich das Geschäft robuster. Das Wachstum allein reicht derzeit jedoch nicht aus, um die Kostenbelastung aufzufangen.
Der Konzernumsatz erreichte 9,962 Mrd. US-Dollar und stieg nominal um 7 %. Währungsbereinigt betrug das Plus 11 % und lag damit über der eigenen Wachstumsprognose.
Kundenrückkehr soll die Profitabilität stützen
Kim bezeichnet die Belastungen als vorübergehend. Zurückgekehrte Kunden hätten ihr früheres Ausgabenniveau bereits wieder erreicht. Ein Teil der abgewanderten Kundschaft sei allerdings noch nicht zurück. Zugleich erreichte die WOW-Mitgliedschaft in Korea einen Rekordstand.
Die bereinigte EBITDA-Marge des Produktgeschäfts lag bei 4,6 %, nach 8,8 % im Vorjahresquartal. Diese Lücke verdeutlicht, wie weit das Kerngeschäft noch von seiner früheren Profitabilität entfernt ist.
Nach Kims Einschätzung hat die Sparte ihren Margentiefpunkt bereits durchschritten. Coupang habe begonnen, das Rückgewinnungsmarketing zu reduzieren. Damit hängt die Erholung nicht allein von zusätzlichen Bestellungen ab, sondern auch von sinkenden Ausgaben für die Kundenrückkehr.
Für das vierte Quartal 2026 erwartet Coupang ein währungsbereinigtes Konzernumsatzwachstum von 13–14 %. Die bereinigte Konzern-EBITDA-Marge soll gegenüber dem Vorquartal um 0,5–1,5 Prozentpunkte steigen.
Der Ausblick stellt damit eine Verbesserung bei Wachstum und Profitabilität in Aussicht. Die Rückkehr zur früheren Marge im Produktgeschäft bleibt hingegen ein längerfristiges Ziel und ist keine bereits erreichte Normalisierung.
Taiwan erhöht den Finanzierungsbedarf
Zusätzlichen Ergebnisdruck verursachen die Wachstumsgeschäfte. Developing Offerings erzielte einen Umsatz von 1,588 Mrd. US-Dollar und wuchs um 23 %. Zugleich verzeichnete die Sparte einen bereinigten EBITDA-Verlust von 269 Mio. US-Dollar.
Coupang investiert insbesondere in Taiwan stärker. Dort hat sich die Zahl der WOW-Mitglieder gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt. Das stützt die Wachstumsperspektive, verlangt aber zunächst höhere Ausgaben.
Die Jahresverlustprognose für Developing Offerings wurde deshalb um bis zu 100 Mio. US-Dollar ausgeweitet. Für die Aktie kommt es somit auf zwei Entwicklungen an: eine tatsächliche Margenerholung im Produktgeschäft und die Begrenzung der Verluste beim Ausbau der Wachstumsgeschäfte. Steigende Mitgliederzahlen allein lösen diese Ergebnisfrage noch nicht.
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