Die Übernahme-Saga um Covestro spitzt sich zu. Während der Chemiekonzern im Klammergriff von Behörden und Branchenkrise zappelt, positionieren sich die großen Player neu – allen voran Goldman Sachs. Doch kann der Deal noch gelingen?

Goldman Sachs greift ein

Der US-Finanzriese The Goldman Sachs Group hat die Fünft-Prozent-Hürde übersprungen und hält nun 5,38 Prozent an Covestro. Diese strategische Bewegung zeigt: Die großen Investoren bereiten sich auf die entscheidende Phase vor.

Die Neupositionierung unterstreicht die hohe strategische Bedeutung, die Covestro im laufenden Übernahmepoker zugemessen wird. Institutionelle Anleger sortieren sich neu – ein klares Signal, dass die Spannung am Markt steigt.

Behörden als Bremsklotz

Der zentrale Kurstreiber bleibt die Übernahme durch die Abu Dhabi National Oil Company (ADNOC). Doch der Genehmigungsprozess bei den EU-Behörden entwickelt sich zum Albtraum. ADNOC selbst kritisiert die Informationsanforderungen als „unverhältnismäßig und invasiv“.

Für Anleger bedeutet das konkrete Risiken:

  • Jede Verzögerung in Brüssel gefährdet den gesamten Deal
  • Die Aktie verharrt in einer engen Nachrichten-getriebenen Handelsspanne
  • Der Genehmigungsprozess ist der einzige echte Impulsgeber

Branchensturm trifft operatives Geschäft

Parallel zum Übernahmekrimi kämpft Covestro mit massiven operativen Problemen. Die europäische Chemieindustrie wird von chinesischen Billigimporten überschwemmt. Massive Überkapazitäten in Asien und schwache Nachfrage dort führen zu enormem Preisdruck.

Die nächste Bewährungsprobe steht bereits Ende Oktober an: Die Q3-Zahlen werden zeigen, wie stark die Branchenkrise die Margen des Kunststoffherstellers tatsächlich belastet. Steht Covestro zwischen zwei Fronten – gescheiterter Übernahme und einbrechendem Kerngeschäft?

Die Aktie notiert aktuell bei 59,32 Euro, nur knapp unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 60,74 Euro. Doch diese scheinbare Stärke trügt: Sie speist sich ausschließlich aus Übernahmehoffnungen, während das operative Geschäft unter die Räder kommt. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Aktie ihren aktuellen Level halten kann – oder ob die Luft raus ist.