Der Rüstungskonzern Czechoslovak Group (CSG) wagt einen überraschenden Ausflug. CEO Michal Strnad greift offenbar nach dem italienischen Reifenhersteller Pirelli. Ein Einstieg würde das Portfolio der Tschechen massiv verändern.

Strnad prüft Berichten zufolge die Übernahme eines 14-Prozent-Pakets. Dieses gehört aktuell dem chinesischen Staatskonzern Sinochem. Strnad schließt sich für diesen Vorstoß mit dem tschechischen Milliardär Pavel Tykač zusammen. Gemeinsam peilen sie eine Beteiligung von bis zu 20 Prozent an.

Sinochem hält bisher gut ein Drittel der Pirelli-Aktien. Der chinesische Einfluss gerät in Europa zunehmend ins Visier der Behörden. Für CSG eröffnet dieser Druck eine lukrative Einstiegschance. Die Folge: ein klarer Bruch mit dem reinen Rüstungsgeschäft.

Aktie trotzt dem Branchentrend

Investoren honorieren diesen Vorstoß. Die CSG-Aktie legte auf Wochensicht um 14,45 Prozent zu. Sie schloss am Freitag bei 14,59 Euro. Damit löst sich der Kurs deutlich von seinem jüngsten Jahrestief bei 12,20 Euro.

Diese Erholung fällt mitten in einen Abschwung der europäischen Verteidigungsbranche. Erst am 2. Juli blies der Panzerbauer KNDS seinen geplanten Börsengang ab. Das Management verwies auf die hohe Marktvolatilität. Auch Rheinmetall verzeichnete zuletzt Verluste. CSG entzieht sich diesem Abwärtssog aktuell komplett.

Expansion in den USA

Neben Italien baut das Unternehmen seine Präsenz in den USA aus. Am 1. Juli startete offiziell eine neue Tochtergesellschaft in Michigan. Sie soll das nordamerikanische Geschäft stärken. Erfahrene Manager aus der globalen Rüstungsindustrie leiten die neue Niederlassung.

Trotz der jüngsten Rallye bleibt der Weg nach oben schwer. Die Aktie notiert rund 60 Prozent unter ihrem Januar-Rekordhoch. Aktuell bremst der 50-Tage-Durchschnitt bei knapp 16 Euro den weiteren Kursanstieg. Immerhin hat das Papier den überverkauften Bereich mittlerweile verlassen.

Den nächsten Beweis für diesen Expansionskurs muss das Management bald antreten. Am 7. August legt CSG die Halbjahreszahlen vor. Diese Bilanz wird belegen, wie stark sich das volle Auftragsbuch bereits in konkreten Gewinnen niederschlägt.