Die Regierungen in Europa versprechen Milliarden für die Aufrüstung. An der Börse ergreifen Investoren hingegen die Flucht. Der abgesagte Börsengang des Panzerbauers KNDS sendet nun eine Schockwelle durch die gesamte Branche. Auch die Papiere der Czechoslovak Group (CSG) geraten massiv unter die Räder.

KNDS zieht die Reißleine. Das deutsch-französische Unternehmen verschiebt sein für Juli geplantes Börsendebüt auf unbestimmte Zeit. Im Vorfeld prallten die Preisvorstellungen hart aufeinander. Investoren bewerteten den Konzern mit weniger als 12 Milliarden Euro. Die deutsche Eigentümerfamilie forderte laut Insidern eine deutlich höhere Bewertung. Ohne Einigung bleibt das Debüt vorerst aus.

Für die Czechoslovak Group kommt dieser Stimmungskiller zur Unzeit. Die Aktie rutschte am Dienstag auf 14,53 Euro ab. Damit setzt sich eine bittere Talfahrt fort. Seit dem Rekordhoch im Januar hat der Titel fast 60 Prozent an Wert verloren. Ein anfänglicher Hype ist purer Skepsis gewichen.

Milliarden-Aufträge platzen

Der KNDS-Rückzieher ist nur ein Symptom. Zuvor geriet bereits das deutsche Branchenschwergewicht Rheinmetall massiv unter Druck. Die Bundesregierung strich überraschend ein milliardenschweres Fregatten-Programm. Mehrere geplante Kriegsschiffe werden vorerst nicht gebaut. Die Folge: Rheinmetall brach allein Anfang der Woche um fast 19 Prozent ein. Seit Jahresbeginn summiert sich das Minus beim Düsseldorfer Konzern auf 32 Prozent.

Analysten sehen ein tieferliegendes Problem. Die enormen politischen Rüstungsversprechen schlagen sich nicht schnell genug in den Bilanzen nieder. Morningstar-Stratege Michael Field fasst die Lage nüchtern zusammen. KNDS sei fundamental zwar gut aufgestellt. Ein Börsengang wäre bei dieser miesen Stimmung aber extrem kontraproduktiv. Investoren wollen erst handfeste Gewinne sehen. Vorher fassen sie den Sektor nicht wieder an.

Für CSG-Aktionäre bedeutet das weiterhin extreme Nervenanspannung. Die annualisierte Schwankungsbreite der Aktie liegt bei über 54 Prozent. Der Wert notiert aktuell weit unter der wichtigen 100-Tage-Linie. Ohne frische operative Erfolgsmeldungen fehlt dem Papier jeglicher Katalysator für eine schnelle Erholung. Bis die Unternehmen echte Gewinnsprünge liefern, bleibt der Rüstungssektor ein hochriskantes Pflaster.