Der Spatenstich markiert einen weiteren Schritt in der Expansionsstrategie des tschechischen Rüstungskonzerns auf dem amerikanischen Markt – während die Aktie an der Börse weiter unter Druck steht.
Spatenstich in Middletown: Neue Kapazität für 155-Millimeter-Granaten
Am 15. Juli 2026 begann CSG über seine US-Tochter MSM North America mit dem Bau des sogenannten Future Artillery Complex auf dem Gelände der Iowa Army Ammunition Plant in Middletown. Die neue Anlage soll künftig bis zu 36.000 155-Millimeter-Granaten pro Monat produzieren und eine rund 50 Jahre alte Fertigungslinie ersetzen. Grundlage ist ein 2025 vergebener Vertrag mit der US-Armee, dessen Volumen mit bis zu 635 Millionen US-Dollar beziffert wird. Der Bau soll etwa 40 Monate dauern, die Inbetriebnahme innerhalb von 48 Monaten erfolgen – der reguläre Betrieb ist für 2029 vorgesehen.
CSG-Vorstandschef Michal Strnad sprach im Zusammenhang mit dem Projekt von einer Stärkung der Verteidigungsfähigkeiten der Verbündeten. Für das Unternehmen ist es der jüngste Baustein einer langfristig angelegten US-Expansion: CSG beschäftigt in den Vereinigten Staaten bereits mehr als 4.000 Mitarbeiter, durch die neue Fabrik sollen 70 weitere Arbeitsplätze entstehen. Die annualisierte Großkaliber-Kapazität des Konzerns lag im ersten Quartal 2026 bei über 800.000 Schuss und soll im laufenden Jahr auf rund 850.000 steigen.
Der neue Komplex reiht sich in die Bemühungen der US-Armee ein, die Produktion von 155-Millimeter-Munition auf 100.000 Schuss pro Monat zu heben. CSG, 1995 gegründet und mit Sitz in Prag, ist in den Segmenten Defence Systems und Ammo+ aktiv und erzielte auf Zwölfmonatsbasis einen Umsatz von 6,93 Milliarden Euro sowie einen Nettogewinn von 822,29 Millionen Euro.
Kurs bleibt trotz Wachstumsprojekt unter Druck
An der Börse konnte der Spatenstich der Aktie zunächst keinen nachhaltigen Auftrieb verschaffen. Zum Mittwochsschluss notierte das Papier bei 13,65 Euro. Auf Wochensicht steht damit ein Plus von 1,01 Prozent zu Buche, auf Monatssicht dagegen ein Minus von 4,32 Prozent. Damit liegt der Kurs rund 62 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 36,05 Euro vom 26. Januar 2026, während der Abstand zum Jahrestief von 12,20 Euro vom 26. Juni 2026 knapp 12 Prozent beträgt. Der Titel notiert zudem etwa 11 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 15,29 Euro und deutlich unter dem 100-Tage-Durchschnitt von 20,23 Euro. Der RSI von 43,4 signalisiert eine neutrale Verfassung, die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei hohen 52,07 Prozent. Die Marktkapitalisierung beläuft sich aktuell auf 13,54 Milliarden Euro.
Ein im Mai veröffentlichter Bericht eines Shortsellers hatte die Aktie bereits deutlich belastet und dürfte auch das aktuelle Kursniveau mitprägen. Anleger richten den Blick nun auf die für den 7. August erwarteten Halbjahreszahlen, die erste Hinweise darauf liefern könnten, wie sich die operative Entwicklung neben den zahlreichen Auftragsmeldungen tatsächlich niederschlägt.
Kontrastprogramm: US-Armee kämpft an anderer Front
Der Fortschritt in Iowa steht in auffälligem Kontrast zu den Problemen, mit denen die US-Armee an anderer Stelle zu kämpfen hat. Eine für 469 Millionen US-Dollar von General Dynamics errichtete Anlage im texanischen Mesquite hatte bis März 2026 keine einzige vertragskonforme 155-Millimeter-Granatenhülle geliefert – geplant waren 30.000 Stück pro Monat. Die US-Armee kommt derzeit branchenweit auf eine Produktion von 36.000 Granaten monatlich, weit entfernt vom Ziel von 100.000 Schuss. Vor diesem Hintergrund gewinnt der reibungslose Baubeginn von CSG in Iowa zusätzliches Gewicht: Während ein US-Wettbewerber mit technischen Rückschlägen zu kämpfen hat, treibt der tschechische Konzern seinen amerikanischen Kapazitätsausbau nach Plan voran.
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