Über 50 Milliarden Euro an neuen Beschaffungsverträgen, dazu ein Rüstungspaket für Drohnenabwehr von mehr als 40 Milliarden Dollar. Der NATO-Gipfel in Ankara hätte für Rüstungsaktien wie ein Kursfeuerwerk wirken müssen. Bei Czechoslovak Group blieb davon bislang nur ein zaghaftes Kursplus.
Die Aktie notiert bei 13,65 Euro, ein Plus von 1,07 Prozent gegenüber dem Donnerstagsschluss von 13,51 Euro. Nach den massiven Verlusten der vergangenen Monate wirkt das eher wie ein Aufatmen als wie eine echte Trendwende.
Ankara liefert Zahlen, keine Unterschriften
Der zweitägige Gipfel in der Türkei endete am Mittwoch mit einigen der konkretesten Rüstungszusagen, die die NATO seit Jahren gemacht hat. Die Bündnispartner kündigten Beschaffungsdeals im Wert von über 50 Milliarden Euro an. Im Fokus: Präzisionswaffen, integrierte Luft- und Raketenabwehr sowie unbemannte Systeme.
NATO-Generalsekretär Mark Rutte präsentierte den Gipfel als Beweis dafür, dass aus Ankündigungen echte Aufträge werden. Ein Jahr nach dem Gipfel von Den Haag würden die Mitgliedstaaten „bereits Ergebnisse liefern“, so Rutte. Zusätzlich vereinbarten die Alliierten, in den kommenden fünf Jahren mehr als 40 Milliarden Dollar in Drohnenabwehr zu investieren – Teil des Programms NATO Drone Edge.
Auch die Ukraine-Unterstützung stand im Zentrum des Treffens. Für 2026 sagten die Bündnispartner Militärhilfe, Ausrüstung und Ausbildung im Wert von 70 Milliarden Euro zu. Für 2027 soll mindestens das gleiche Niveau folgen.
Der Rüstungssektor bleibt skeptisch
Trotz der beeindruckenden Summen zogen europäische Rüstungsaktien nicht geschlossen an. Schon vor dem Gipfel belastete die Verschiebung des geplanten Börsengangs von KNDS die Stimmung im Sektor. Der Panzerbauer sollte dabei mit mehr als 12 Milliarden Euro bewertet werden.
Die Aktionäre des Amsterdamer Unternehmens entschieden, den Börsengang erst bei „günstigeren Marktbedingungen“ fortzusetzen. Investoren zweifeln zunehmend daran, ob der europäische Rüstungsboom die hohen Erwartungen tatsächlich erfüllen kann. Diese Verunsicherung trifft auch CSG, das mit KNDS in den Bereichen Landsysteme und Munition konkurriert.
Die entscheidende Frage für Anleger lautet: Werden aus den NATO-Schlagzeilen tatsächlich unterschriebene Verträge für einzelne Zulieferer? Analysten, die den Gipfel begleiteten, weisen darauf hin, dass die Umsetzung von Budgeterhöhungen in echte Kampffähigkeiten Zeit braucht. Systeme lassen sich nicht sofort mit neuen Mitteln ausstatten. Dieses Argument nutzt sich allerdings mit der Zeit ab.
Kurs bleibt weit unter IPO-Niveau
Trotz des Freitagsplus bleibt die CSG-Aktie für das laufende Jahr tief im Minus. Vom 52-Wochen-Hoch bei 36,05 Euro, erreicht am 26. Januar, trennen die Aktie noch immer 62,14 Prozent. Zum 52-Wochen-Tief von 12,20 Euro vom 26. Juni beträgt der Abstand dagegen nur 11,88 Prozent.
In den vergangenen sieben Handelstagen verlor die Aktie 6,44 Prozent, auf Monatssicht 4,84 Prozent. Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 15,46 Euro – deutlich über dem aktuellen Kurs. Das zeigt, wie tief die Korrektur seit dem Börsengang im Januar reicht. Mit einer annualisierten Volatilität von 51,68 Prozent bleibt der Handel in der Aktie turbulent.
Der RSI von 42,2 signalisiert derzeit weder eine überkaufte noch eine überverkaufte Lage. Für die Aktie bedeutet das: Der Kurs kann sich in beide Richtungen bewegen, solange konkrete Beweise für Aufträge aus Ankara fehlen.
Ausblick
Der Gipfel in Ankara bestätigt die langfristige Nachfragegeschichte, auf die CSG mit seinem Ausbau in Munition, Landsystemen und Chemie-Lieferketten setzt. Mit dem verschobenen KNDS-Börsengang und der weiterhin fragilen Stimmung gegenüber europäischen Rüstungswerten hält sich der Markt aber mit einem Urteil zurück, bis harte Auftragsdaten vorliegen. In den kommenden Wochen dürfte sich zeigen, ob die Beschaffungsankündigungen aus Ankara auch bei den Tochtergesellschaften von CSG als offengelegte Verträge ankommen.
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