Die Stimmung im europäischen Rüstungssektor kippt. Das deutsch-französische Konsortium KNDS bläst seinen milliardenschweren Börsengang ab, was die Nervosität der Anleger spürbar erhöht. Diese Unsicherheit trifft auch die Aktie der Czechoslovak Group (CSG) mit voller Wucht.

Bewertungsfalle auf dem Parkett

KNDS peilte ursprünglich eine Spitzenbewertung von 15 Milliarden Euro an, aber die Eigentümer verweigerten einen Preisabschlag. Berater bewerten das Marktumfeld für große Rüstungsemissionen aktuell als extrem schwierig. Als Warnsignal diente den Bankern ausgerechnet der massive Kursverfall von CSG. Das Papier büßte seit Jahresbeginn rund 57 Prozent ein. Kein Wunder. Der geplante KNDS-Börsengang ruht nun bis mindestens Ende 2026.

Am Freitag notierte die CSG-Aktie leicht schwächer bei 14,50 Euro. Der Kurs erholte sich zwar etwas von seinem jüngsten Jahrestief, schwankt aber extrem stark. Mit einer Volatilität von fast 56 Prozent zeigt der Handel, wie nervös Anleger derzeit agieren.

Flucht nach vorn in den USA

Während der europäische Heimatmarkt strauchelt, baut CSG das Geschäft in Nordamerika gezielt aus. Das Unternehmen gründete in Michigan eine neue Tochtergesellschaft, um künftig direkt vor Ort für NATO-Kräfte zu produzieren. Im Mittelpunkt steht das Artilleriesystem Morana. Dieses nutzt ein Tatra-Fahrgestell und verschießt westliche Standardmunition. Kürzlich präsentierte der Konzern die moderne Technik bereits erfolgreich im US Army Detroit Arsenal.

Ein Auge auf Pirelli

Parallel dazu sucht das Management nach neuen Einnahmequellen außerhalb der Rüstungsindustrie. CSG-Mehrheitseigner Michal Strnad fasst Berichten zufolge den Automobilsektor ins Auge und strebt einen Einstieg beim italienischen Reifenhersteller Pirelli an. Das Ziel: Er will bis zu 20 Prozent der Anteile übernehmen. Diese hält derzeit das chinesische Unternehmen Sinochem, welches in Italien mit starken staatlichen Auflagen kämpft.

Lieferketten als Nadelöhr

Der gesamte Rüstungssektor leidet derzeit unter einem paradoxen Problem. Gewaltigen staatlichen Ausgaben stehen knappe industrielle Fertigungskapazitäten gegenüber. Deutschland plant beispielsweise Aufträge über 25 Milliarden Euro für neue Panzer, aber die Lieferzeiten betragen rund zwei Jahre.

Für CSG zählt jetzt nur eins. Der Konzern muss seine vollen Auftragsbücher schnell in echtes Umsatzwachstum verwandeln. Neue Impulse für die gesamte Branche könnte der NATO-Gipfel in Ankara in der nächsten Woche liefern. Investoren erwarten dort verbindliche Finanzierungsrahmen für künftige Beschaffungsprogramme.