Czechoslovak Group treibt seine Wette auf die Zukunft der Luftverteidigung voran. Der Partner North Vector Dynamics hat diese Woche die Anti-Drohnen-Rakete CM-70 offiziell auf den Markt gebracht. Für CSG ist das mehr als eine Randnotiz — es ist der erste sichtbare Erfolg einer Wagniskapital-Strategie, die den Rüstungskonzern technologisch neu positionieren soll.
Die Aktie reagierte am Mittwoch verhalten und gab um 1,26 Prozent auf 16,74 Euro nach. Der Rücksetzer relativiert sich allerdings im größeren Bild: Auf Monatssicht steht CSG mit einem Plus von 27,63 Prozent da. Vom Rekordhoch aus dem Januar bei 36,05 Euro trennen das Papier trotzdem noch mehr als 53 Prozent.
Neuer Zweig: Venture Capital trifft Drohnenabwehr
Die CM-70 ist das Ergebnis einer Investition, die CSG im Mai 2026 über ihre Venture-Einheit „CSG Tech Horizons“ getätigt hat. Das kanadische Startup North Vector Dynamics aus Calgary hat mit der Rakete einen präzisionsgelenkten Abfangflugkörper entwickelt. Er wiegt nur drei Kilogramm und erreicht eine Reichweite von 3,5 Kilometern.
Das Ziel dahinter: eine günstige Alternative zu klassischen, teuren Flugabwehrraketen schaffen. Drohnenschwärme gelten mittlerweile als eine der größten Bedrohungen im modernen Gefecht. CSG reagiert darauf, indem der Konzern sein Portfolio aus schwerem Kriegsgerät und Munition um Elektronik und unbemannte Systeme erweitert.
Munitionsproduktion wächst weiter
Parallel zum Technologie-Vorstoß fährt CSG seine Kernproduktion hoch. 2025 erreichte die Fertigungskapazität für Großkalibermunition rund 630.000 Schuss. Für das laufende Jahr peilt der Konzern etwa 850.000 Schuss an.
Zwei Projekte treiben dieses Wachstum: der kürzlich begonnene Bau des „Future Artillery Complex“ in Iowa und der Ausbau automatisierter Abfülllinien in der Slowakei. Bis Ende 2026 sollen margenstarke Langstreckenartillerie-Lösungen mehr als die Hälfte des munitionsbezogenen Umsatzes ausmachen.
Refinanzierung schafft Luft, Aerospace-Sparte wächst
Ende Juli hat CSG eine Refinanzierung über 3,062 Milliarden Euro abgeschlossen. Ein internationales Bankenkonsortium steht hinter der neuen Struktur, die mehrere bestehende Kreditlinien durch eine einzige syndizierte Finanzierung ersetzt. Die Laufzeit der vorrangigen Schulden verlängert sich dadurch auf sechs Jahre, die jährlichen Zinskosten sollen um rund 20 Millionen Euro sinken.
Fast zeitgleich baut CSG seine Sparte „Aerospace & Defence Electronics“ aus. Am 28. Juli brachte die Tochter UpVision die digitale Plattform MAIA auf den Markt. Sie fungiert als Vernetzungsschicht für das Luftraummanagement, koordiniert Drohnenverkehr und bindet Radarsysteme der Konzerntöchter Retia und Eldis ein.
Blick auf die Zahlen im August
Der 14-Tage-RSI von 63,3 deutet darauf hin, dass sich die jüngste Erholung der Aktie stabilisiert, ohne bereits überkauft zu sein. Anleger warten nun auf den Halbjahresbericht im August 2026. Er liefert die erste konsolidierte Sicht auf das gewachsene Nordamerika-Geschäft und zeigt, wie sich die neue Schuldenstruktur auf die Nettomargen auswirkt.
Das Management hält an seinem Ziel fest: eine Netto-Verschuldung von unter dem 1,3-Fachen des EBITDA bis Jahresende. Ob die Kombination aus Munitions-Hochlauf, Elektronik-Expansion und günstigeren Finanzierungskosten reicht, um das Vertrauen der Anleger auf das Niveau von Januar zurückzuführen, entscheidet sich in den kommenden Wochen.
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