Kriminelle haben erneut vernetzte Kühlanlagen im europäischen Lebensmitteleinzelhandel attackiert und in mehreren Ländern für steigende Temperaturen in Frischeabteilungen gesorgt. Der koordinierte Fernzugriff auf Kühlschränke und Gefriertruhen legt die Verwundbarkeit moderner Filialnetze offen, deren Haustechnik zunehmend zentral gesteuert wird. Betroffen sind Händler in mindestens sechs Ländern, darunter Belgien, Schweden, Irland und die Niederlande.
Ausfälle in mehreren Ländern
In Belgien gerieten Filialen großer Ketten wie Carrefour, Delhaize und Spar ins Visier. Der dortige Kühltechnik-Dienstleister Sabcobel meldete rund zwanzig betroffene Anlagen. Mitte vergangenen Monats hatte eine ähnliche Angriffswelle in Frankreich noch rund 150 Geschäfte getroffen.
In Schweden verzeichneten Händler ebenfalls Störungen. Sechs Filialen der Kette Coop meldeten Ausfälle ihrer Systeme, während bei der Supermarkt-Gruppe ICA eine begrenzte Zahl an Märkten mit Temperaturproblemen kämpfte. Einzelne Standorte berichteten von Spitzenwerten von bis zu 50 Grad in den Kühlsystemen.
Fernzugriff über veraltete Software
Das Vorgehen der Täter zielte direkt auf die Steuerungssysteme ab. Die Angreifer versetzten die betroffenen Kühlaggregate aus der Ferne in den Abtaumodus. Dienstleister mussten in der Nacht Techniker mobilisieren, um die Systeme manuell zurückzusetzen.
Als Einfallstor diente unter anderem ältere Steuersoftware. In Estland verschafften sich Angreifer Zugang über den Steuercomputer eines älteren Systems des Herstellers Danfoss, dessen Software nicht aktualisiert worden war. Auch in den Niederlanden registrierte das Unternehmen Vorfälle in mindestens 17 kleineren Geschäften.
Die finanziellen Folgen beschränken sich nicht nur auf Reparaturkosten und Techniker-Einsätze. In Irland nahmen 13 betroffene Supermärkte vorsorglich sämtliche gekühlten und gefrorenen Lebensmittel aus den Regalen, um Risiken für Verbraucher auszuschließen. An den Börsen reagierten die Aktien großer Betreiber verhalten: Die Titel von Carrefour notierten am Handelstag zeitweise mit einem Abschlag von 1,03 Prozent bei 12,99 Euro, während Ahold Delhaize um knapp zwei Prozent nachgab.
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