D-Wave Quantum steht plötzlich im Zentrum der US-Industriepolitik für Quantencomputer. Das Unternehmen hat mit dem US-Handelsministerium eine Absichtserklärung über geplante Fördermittel von 100 Millionen Dollar unterzeichnet. Aus einer Technologiestory wird damit auch eine Washington-Story.
Die Aktie legte nach der Nachricht in den USA um mehr als ein Drittel zu. In Deutschland lag der Schlusskurs am Donnerstag bei 22,14 Euro; auf Sieben-Tage-Sicht beträgt das Plus 26,62 Prozent, über einen Monat 22,22 Prozent.
Der Kurs bleibt dennoch 42,46 Prozent unter dem Jahreshoch und notiert 40,12 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt. Die Rally ist also stark, aber sie trifft auf eine Aktie, die bereits extreme Schwankungen gewohnt ist.
Washington setzt auf Quantencomputer
Das US-Handelsministerium plant im Rahmen des CHIPS and Science Act Förderzusagen von insgesamt 2,013 Milliarden Dollar über neun Absichtserklärungen. Das Paket richtet sich an Unternehmen, die zentrale technische Hürden auf dem Weg zu fehlertoleranten Quantencomputern lösen sollen.
Adressaten sind zwei heimische Quantum-Foundry-Firmen und sieben Quantencomputer-Unternehmen. D-Wave soll Mittel für Fortschritte bei supraleitenden Annealing- und Gate-Model-Systemen erhalten, darunter höhere Qubit-Zahlen, geringere Fehlerraten und bessere Kohärenzzeiten.
Die Vereinbarung ist noch keine endgültige Bewilligung. Die finalen Vertragsdokumente müssen erst abgeschlossen werden. Als Gegenleistung soll das Handelsministerium jeweils eine nicht kontrollierende Minderheitsbeteiligung erhalten.
Bei D-Wave würde dies bedeuten: Im Zuge der finalen Fördervereinbarung gibt das Unternehmen Stammaktien im Wert von 100 Millionen Dollar an das Ministerium aus. Für Aktionäre ist das wichtig, weil staatliche Unterstützung hier mit einer Aktienkomponente verknüpft ist.
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Staat wird zum Mitaktionär
Die Mittel sollen D-Wave bei der Entwicklung und Skalierung seiner Systeme helfen. Genannt werden die künftige Forschungs- und Entwicklungsanlage in Boca Raton sowie bestehende Standorte in New Haven und Burnaby.
Technologisch geht es um große Ziele. D-Wave arbeitet an einem Annealing-System mit 100.000 Qubits und einem Gate-Model-System mit 10.000 physischen Qubits, aus denen 100 logische Qubits entstehen sollen. Die Annealing-Systeme sind bereits kommerziell im Einsatz; beim Gate-Model-Ansatz sieht D-Wave den Weg zur Marktreife über diese nächste Skalierungsstufe.
Der politische Hintergrund ist klar. Die USA wollen Schlüsseltechnologien stärker im eigenen Einflussbereich halten und China in fortgeschrittenen Rechensektoren Paroli bieten. Quantencomputer gelten als strategisch relevant für Verteidigung, Materialforschung, Pharmaentwicklung, Finanzmodelle und Energiesysteme.
US-Handelsminister Howard Lutnick sprach von Investitionen, mit denen die Trump-Regierung „die Welt in eine neue Ära amerikanischer Innovation“ führen wolle. Für kleinere Anbieter wie D-Wave, Rigetti und Infleqtion zählt dabei nicht nur Prestige. Staatliche Mittel können Entwicklungszeit kaufen und die Glaubwürdigkeit gegenüber Kunden erhöhen.
Der Sektor zieht mit
Die Marktreaktion blieb nicht auf D-Wave beschränkt. Vor US-Handelsstart legten mehrere börsennotierte Quantenwerte deutlich zu:
- IBM: plus 6 Prozent
- D-Wave Quantum: plus 19 Prozent
- Rigetti Computing: plus 15 Prozent
- IonQ: plus 9 Prozent
Im regulären Handel weitete D-Wave den Anstieg deutlich aus. Der US-Schlusskurs lag bei 25,74 Dollar, ein Tagesplus von 33,37 Prozent.
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Gemischtes Quartal, starke Bestellungen
Operativ bleibt das Bild weniger eindeutig. Im jüngsten Quartal fiel der Umsatz auf 2,9 Millionen Dollar, ein Rückgang um 81 Prozent gegenüber 15,0 Millionen Dollar im Vorjahr. Der Vorjahreswert war allerdings durch den Verkauf eines Annealing-Quantencomputers geprägt.
Die Nachfragekennzahlen wirkten deutlich robuster. Die Buchungen stiegen auf 33,4 Millionen Dollar, ein Plus von 1.994 Prozent gegenüber 1,6 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum.
Getragen wurde der Sprung vor allem durch zwei Abschlüsse: den Verkauf eines Advantage2-Systems an die Florida Atlantic University für 20,0 Millionen Dollar und einen zweijährigen QCaaS-Vertrag mit einem Fortune-100-Unternehmen über 10,0 Millionen Dollar. Das stützt die These, dass D-Wave zwar noch kleine Umsätze meldet, aber größere Kundenprojekte anzieht.
Finanziell hat das Unternehmen Spielraum. Ende März lagen liquide Mittel und marktgängige Wertpapiere bei 588,4 Millionen Dollar, 93 Prozent mehr als im Vorjahresvergleich.
Die Wall Street bleibt entsprechend optimistisch. Das durchschnittliche Kursziel für die kommenden zwölf Monate liegt bei 35,17 Dollar, die höchste Schätzung bei 45 Dollar; 13 Analysten empfehlen den Kauf.
Das Management erwartet für das laufende Quartal nur einen moderaten Anstieg gegenüber dem Vorquartal. Ein erheblicher Teil des Jahresumsatzes soll erst in der zweiten Jahreshälfte erfasst werden.
Die nächsten Fixpunkte stehen bereits fest: Am 1. Juni 2026 richtet D-Wave seinen ersten Investor Day an der New York Stock Exchange und online aus, am 18. Juni folgt die Nutzerkonferenz Qubits Europe in London. Dort muss das Unternehmen zeigen, wie viel der staatliche Rückenwind in konkrete Technologie- und Kundenfortschritte übersetzt.
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