Das schlechteste Quartal seit 2022 endet mit einem Hauch Hoffnung

Der DAX beendet das erste Quartal 2026 mit einem Minus von 7,4 Prozent, während steigende Ölpreise und eine sprunghafte Inflation die Märkte belasten. Zwei Milliarden-Deals in der Pharmabranche sorgen für Bewegung.

Das schlechteste Quartal seit 2022 endet mit einem Hauch Hoffnung
Kurz & knapp:
  • DAX verzeichnet größten Quartalsverlust seit Juni 2022
  • Inflation in der Eurozone springt auf 2,5 Prozent
  • Lilly und Biogen schließen Milliarden-Übernahmen ab
  • Krypto-Märkte unter Druck durch geopolitischen Stress

ein kuwaitischer Öltanker brennt vor Dubai, der Ölpreis notiert über 100 Dollar – und trotzdem steigen die Märkte. Willkommen am letzten Handelstag des ersten Quartals 2026, einem Quartal, das für DAX-Anleger mit einem Minus von gut 7 Prozent in die Geschichte eingeht. Das Paradoxe daran: Ausgerechnet ein WSJ-Bericht über Trumps möglichen Rückzug aus dem Iran-Krieg sorgte heute für Erleichterung, während die eigentliche Lage im Nahen Osten unverändert gefährlich bleibt. Dazu kommen milliardenschwere Übernahmen in der Pharmabranche, ein Abo-Modell für Abnehmmittel und Krypto-Märkte, die mit einer neuen Front kämpfen. Heute gibt es viel einzuordnen.

Quartalsende mit Schönheitsfehler: Der DAX atmet kurz auf

Der letzte Handelstag des Quartals verlief versöhnlicher als die Wochen davor. Der DAX schloss mit einem Plus von 0,52 Prozent bei 22.680 Punkten – und schaffte es damit, die psychologisch wichtige 22.000-Punkte-Marke etwas aus dem Blickfeld zu rücken. Doch die Bilanz bleibt brutal: Seit Ende Februar hat der Index mehr als zehn Prozent verloren. Für das gesamte erste Quartal steht ein Minus von 7,4 Prozent zu Buche – der größte Quartalsverlust seit Juni 2022.

„Der DAX atmet kurz auf, mehr ist es noch nicht“, brachte es Jochen Stanzl von der Consorsbank auf den Punkt. Treiber der heutigen Erholung war ein Bericht des Wall Street Journal: Trump soll seinen Beratern signalisiert haben, bereit zu sein, den Militäreinsatz im Iran zu beenden – selbst wenn die Straße von Hormus weiterhin gesperrt bliebe. Für europäische Anleger ist das eine zwiespältige Nachricht, denn genau diese Meerenge ist der Flaschenhals für Öl- und Gaslieferungen. CMC-Analysten bringen es nüchtern auf den Punkt: Ein Kriegsende ohne offene Hormusstraße würde europäischen Unternehmen nur bedingt helfen.

Die Situation bleibt labil. State-Street-Stratege Elliot Hentov sieht im Basisszenario mit 60-prozentiger Wahrscheinlichkeit einen kurzen Konflikt – aber eben auch ein 40-Prozent-Szenario, in dem der Iran seine Drohnenkapazitäten nutzt, um die Störungen monatelang aufrechtzuerhalten. In diesem Fall könnten die Ölpreise bis Ende April auf 120 bis 150 Dollar klettern. Das Risikoszenario ist also kein Randphänomen.

Inflation auf 2,5 Prozent – die EZB bleibt vorerst ruhig

Der Ölpreisschock hat seine Spuren in den Verbraucherpreisen hinterlassen. Die Eurozone-Inflation sprang im März von 1,9 auf 2,5 Prozent – der stärkste Monatszuwachs seit Jahren. Zum Vergleich: Im Februar lag die Rate noch unter dem EZB-Ziel von zwei Prozent. Damit ist die Zentralbank wieder in ungemütlichem Terrain.

Für Zinserhöhungen spricht das dennoch nicht automatisch. Commerzbank-Volkswirt Vincent Stamer ordnet ein: Die März-Daten entsprächen dem milden EZB-Szenario, in dem die Inflation im zweiten Quartal nur knapp über drei Prozent klettert. Das spreche gegen die mehrfachen Zinserhöhungen, die der Markt derzeit einpreise. Der Euro reagierte trotzdem mit leichten Gewinnen und stieg auf 1,1519 Dollar – gestützt von der allgemein freundlicheren Marktstimmung. Für deutsche Anleger mit US-Positionen bedeutet das: Der Wechselkurspuffer schmilzt leicht.

Gold kletterte unterdessen auf über 4.600 Dollar je Feinunze. Silber legte sogar um mehr als vier Prozent zu. Die Märkte verschieben ihre Sorgen offenbar: weg vom reinen Inflationsschock, hin zu einem breiteren Wachstumsschock – und das nützt Edelmetallen und Anleihen gleichermaßen.

Lufthansa plant Flottenpause – der Kerosinpreis zwingt zum Umdenken

Konzernchef Carsten Spohr lässt intern durchrechnen, was passiert, wenn 20 oder gar 40 Flugzeuge dauerhaft am Boden bleiben. Das entspräche bis zu fünf Prozent der angebotenen Sitzplatzkapazität. Laut einem Bericht des Handelsblatts sollen dabei vor allem ältere, treibstoffhungrige Jets ausgemustert und ertragsschwache Europastrecken auf den Prüfstand gestellt werden.

Die Zahlen dahinter sind ernüchternd: Zwar hat Lufthansa 80 Prozent des Treibstoffbedarfs gegen Preisschwankungen abgesichert – aber allein für die verbleibende offene Position entstehen durch die gestiegenen Kerosinpreise Mehrkosten von 1,5 Milliarden Euro. „Das wird sich auf die Nachfrage auswirken, es werden weniger Menschen reisen“, wird Spohr zitiert. Auf den ersten Blick klingt das nach schlechten Nachrichten. Die Aktie reagierte dennoch mit einem kleinen Plus von 0,19 Prozent – der Markt honoriert offenbar, dass Lufthansa früh gegensteuert. Als Ausgleich plant der Konzern zusätzliche Verbindungen nach Indien sowie auf die iberische Halbinsel, nach Italien und Griechenland – rund 1.600 zusätzliche Abflüge über den Sommer.

Pharma-Übernahmen im Doppelpack: Lilly kauft Schlaf, Biogen kauft Immunologie

Zwei Milliarden-Deals beherrschten heute die Pharmaschlagzeilen. Eli Lilly übernimmt das Biotechunternehmen Centessa Pharmaceuticals für 38 Dollar je Aktie in bar – plus erfolgsabhängige Zahlungen von bis zu neun Dollar, wenn Zulassungsmeilensteine erreicht werden. Der Gesamtwert liegt bei rund 6,3 Milliarden Dollar. Im Zentrum steht Centessas Orexin-Pipeline: Der Wirkstoff Cleminorexton zielt auf Schlaf-Wach-Störungen wie Narkolepsie ab und zeigte in frühen Studienphasen ein vielversprechendes Profil. Lilly erweitert damit sein Neurowissenschafts-Portfolio in ein bislang wenig besetztes Feld.

Parallel dazu greift Biogen nach Apellis Pharmaceuticals – für 41 Dollar je Aktie, rund 5,6 Milliarden Dollar Gesamtwert. Apellis entwickelt komplementbasierte Therapien; die bereits zugelassenen Medikamente EMPAVELI und SYFOVRE erzielten 2025 zusammen 689 Millionen Dollar Umsatz. Biogen-Chef Christopher Viehbacher sieht den Deal als direkten Schub für die laufende Transformation des Unternehmens in Richtung Immunologie und seltene Erkrankungen.

Für Anleger zeigt sich hier ein klares Muster: Große Pharmakonzerne kaufen sich in spezialisierte Pipelines ein, statt selbst zu forschen. Wer kleinere Biotech-Titel im Depot hat, sollte das als Erinnerung verstehen, dass Übernahmephantasie real ist – aber eben auch unvorhersehbar.

Redcare und Novo Nordisk: Gesundheitsreform trifft Abo-Modell

Zwei Gesundheitsthemen sorgten heute für Bewegung, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Redcare Pharmacy setzte seine beeindruckende Erholung fort und legte im MDAX um weitere 12 Prozent zu – nach fast acht Prozent am Vortag. Der Auslöser: Eine Expertenkommission hat 66 Reformvorschläge für das deutsche Krankenkassensystem vorgelegt, darunter höhere Zuzahlungen für verschreibungspflichtige Medikamente. Metzler-Analyst Felix Dennl argumentiert, dass höhere Eigenanteile Patienten in Richtung günstigerer Versandapotheken treiben – und damit direkt in die Hände von Redcare spielen. Auch DocMorris in Zürich zog mit einem Plus von fast zehn Prozent mit.

Novo Nordisk wiederum versucht, seinen Wegovy-Absatz mit einem neuen Abo-Modell zu stabilisieren. Patienten in den USA können künftig zwischen drei-, sechs- und zwölfmonatigen Abonnements für die Abnehmspritze oder -tablette wählen und dabei bis zu 1.200 Dollar jährlich sparen. Die Idee: Wer sich langfristig bindet, bleibt auch dabei. Die Aktie reagierte mit einem leichten Minus von rund einem Prozent – der Markt ist offenbar noch unentschlossen, ob das Abo-Modell ein echter Wachstumstreiber ist oder nur ein Zugeständnis an den Preisdruck.

Krypto unter doppeltem Beschuss

Bitcoin notierte heute bei rund 66.900 Dollar – ein Minus von etwa 1,3 Prozent. Für das laufende Jahr bedeutet das ein Minus von fast 24 Prozent. Zwei Faktoren drückten auf die Stimmung. Erstens: Strategy Inc. – der größte Bitcoin-Treasury-Halter der Welt mit über 762.000 BTC – hat in dieser Woche erstmals seit 13 Wochen keinen Bitcoin gekauft. Für einen Markt, der an regelmäßige Käufe dieser Größenordnung gewöhnt war, ist das ein spürbares Signal. Zweitens kursierten Berichte über mögliche Fortschritte beim Knacken der Verschlüsselungsstandards, die Bitcoin und Ethereum absichern. Ob diese Berichte substanziell sind, bleibt offen – aber sie reichten, um den Fear-and-Greed-Index tief im „Fear“-Bereich zu halten.

Ethereum verlor moderat auf rund 2.063 Dollar, Solana gab 4,1 Prozent nach. Der Krypto-Markt bleibt damit das, was er in diesem Quartal war: ein Spiegel der geopolitischen Verunsicherung, ohne die stabilisierenden Käufer, die früher automatisch als Puffer fungierten.

Ausblick: Was die nächsten Tage bringen

Zum Wochenausklang sind die Märkte zunächst ruhiger – die Frankfurter Börse bleibt am Karfreitag und Ostermontag geschlossen. Das gibt Anlegern Zeit zum Durchatmen, aber auch zum Nachdenken. Die entscheidenden Fragen bleiben dieselben: Endet der Iran-Krieg schnell genug, um den Ölpreisdruck zu brechen? Und wenn ja, bleibt die Hormusstraße trotzdem blockiert?

Auf Unternehmensseite lohnt ein Blick auf Nike – der Sportartikelhersteller hat heute nach Börsenschluss in New York seine Quartalszahlen vorgelegt. Und im Hintergrund könnten die laufenden Verhandlungen zwischen Micron und seinen Großkunden über langfristige Lieferverträge zeigen, ob der Speicherchip-Sektor seinen Boden gefunden hat.

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Die Frage, ob der Halbleiter-Sektor seinen Boden gefunden hat, beschäftigt derzeit viele Anleger – und geht weit über Micron hinaus. Börsenexperte Bernd Wünsche analysiert in seiner aktuellen Sondersendung den globalen Chip-Krieg zwischen den USA und China und stellt dabei eine weitgehend unbekannte Halbleiter-Aktie vor, die er als möglichen Hauptprofiteur des laufenden Technologie-Wettrüstens identifiziert hat. Konkret geht es darum, wie staatliche Investitionsprogramme in Höhe von mehreren hundert Milliarden Dollar – von den USA über Europa bis China – den gesamten Sektor strukturell verändern und welche Unternehmen davon überproportional profitieren könnten. Wünsche führt seit über 25 Jahren zwei Musterdepots, in denen Halbleiter-Titel wie Nvidia historisch dreistellige Renditen erzielt haben. Wer verstehen möchte, welche Aktie er aktuell als nächsten großen Chip-Kandidaten einschätzt, findet die Details hier: Bernd Wünsches Halbleiter-Analyse: Die neue Nvidia-Aktie für 2026

Genießen Sie die Osterfeiertage – und kommen Sie erholt zurück.

Ihr Andreas Sommer

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