Die Marke von 100 US-Dollar für ein Fass Brent-Rohöl ist gefallen — und mit ihr die Kauflaune am deutschen Aktienmarkt. Der DAX startete zur Wochenmitte rund ein halbes Prozent schwächer und pendelte sich bei knapp 25.880 Punkten ein. Die runde 26.000-Punkte-Marke, die der Index erst vor gut einer Woche mit einem Allzeithoch von 26.618 Punkten deutlich überflogen hatte, bleibt damit vorerst außer Reichweite.

Iran-Konflikt treibt Energiepreise

Auslöser der Nervosität ist die Eskalation zwischen den USA und dem Iran rund um die Straße von Hormus. Das US-Militär meldete Angriffe auf fünf iranische Rohöltanker, die nach eigenen Angaben Teil eines Finanzierungsnetzwerks der Revolutionsgarden waren. Zusätzlich befeuern Spannungen im Roten Meer die Sorge um wichtige Öltransportrouten — neben Rohöl verteuern sich auch Diesel und europäisches Erdgas.

Für die Märkte ist das mehr als eine Randnotiz. Steigende Energiekosten drohen die zuletzt erzielten Fortschritte bei der Inflation zunichtezumachen und die Gewinnmargen zahlreicher Unternehmen zu belasten. Genau das treibt die Zurückhaltung der Anleger vor der EZB-Zinsentscheidung an diesem Donnerstag, bei der eine Anhebung um 0,25 Prozentpunkte auf 2,5 Prozent bereits als eingepreist gilt.

Einzelwerte unter Druck

Auf Unternehmensebene sorgt vor allem eine Abstufung für Bewegung: Die Deutsche Bank stufte Beiersdorf von „Hold“ auf „Sell“ zurück und verwies auf die anhaltende Schwäche des europäischen Konsumgütersektors sowie steigende Kosten durch den höheren Ölpreis. Die Aktie zählte damit zu den schwächsten Werten im Index.

Auch Heidelberg Materials geriet ins Visier der Analysten. JPMorgan bestätigte zwar „Overweight“, warnte aber, die jüngste Branchenrotation im europäischen Baustoffsektor sei zunehmend ausgereizt — Investoren würden den Blick bereits auf 2027 richten.

Rüstungswerte wie Rheinmetall, RENK und Hensoldt gaben ebenfalls nach, nachdem Rheinmetall einen wichtigen Auftrag aus Schweden verpasst hatte. Gegen den Trend legte SAP zu, nachdem die Aktie tags zuvor unter KI-Konkurrenzsorgen gelitten hatte.

Der Blick der Anleger richtet sich nun auf zwei Termine: die EZB-Sitzung am Donnerstag und die US-Inflationsdaten am Freitag. Beide dürften zeigen, wie stark der Ölpreisschock bereits auf die Teuerung durchschlägt — und ob der DAX von seinem Rekordniveau aus Ende August weiter abrücken muss.