Der deutsche Leitindex hat am gestrigen Donnerstag seine jüngste Aufwärtsbewegung fortgesetzt. Trotz eines massiven Kurssturzes beim Sportartikelhersteller Adidas schloss der DAX mit einem Plus von 0,60 Prozent bei 25.612,03 Punkten. Damit rückt das bisherige Allzeithoch wieder in greifbare Nähe: Dem Index fehlt lediglich ein Abstand von 1,11 Prozent bis zu seinem 52-Wochen-Hoch.

Chipwerte und positive US-Vorgaben stützen den Leitindex

Getragen wurde der Markt vor allem von einer starken Nachfrage im Technologiesektor. Infineon legte um 9,2 Prozent zu und setzte sich damit an die Spitze des DAX. Die Halbleiterbranche profitierte von positiven Impulsen aus den USA, wo Microsoft mit seinen jüngsten Geschäftszahlen für Zuversicht sorgte. Auch Symrise verzeichnete einen Zuwachs von 3,1 Prozent, nachdem das Unternehmen ein organisches Wachstum von 4,5 Prozent gemeldet hatte.

Ein völlig anderes Bild zeigte sich bei Adidas. Die Aktie des Sportartikelherstellers brach gestern um 11,5 Prozent ein, im Tagesverlauf verlor das Papier zeitweise fast ein Fünftel seines Wertes. Zwar konnte das Unternehmen für das zweite Quartal einen Rekordumsatz von 6,7 Milliarden Euro und ein währungsbereinigtes Plus von 14 Prozent vorweisen, doch die Profitabilität enttäuschte die Anleger. Die operative Marge sank von 9,2 auf 8,5 Prozent. Medienberichten zufolge belasteten insbesondere die um 212 Millionen Euro gestiegenen Marketingkosten das Ergebnis.

Adidas enttäuscht bei der Profitabilität

Zusätzliche Unruhe löste eine personelle Veränderung an der Konzernspitze aus. Finanzvorstand Harm Ohlmeyer wird das Unternehmen verlassen; als Nachfolgerin wurde Birgit Kretschmer benannt. Analysten von Jefferies wiesen darauf hin, dass vor allem die unerwartet hohen operativen Aufwendungen die Stimmung belasteten. Während die Umsatzprognose für das Gesamtjahr leicht auf ein Plus von 9 bis 10 Prozent angehoben wurde, blieb die Erwartung für das Betriebsergebnis bei rund 2,3 Milliarden Euro unverändert.

Auf der makroökonomischen Ebene standen neue Inflationsdaten im Fokus. Das Statistische Bundesamt teilte in einer vorläufigen Schätzung mit, dass die Verbraucherpreise im Juli um 2,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen sind. Im Juni hatte die Teuerungsrate noch bei 2,3 Prozent gelegen. Als wesentliche Treiber gelten das Ende des Tankrabatts sowie gestiegene Energiepreise infolge der militärischen Spannungen im Iran. Die Kerninflation, die Energie- und Nahrungsmittelpreise ausschließt, sank hingegen leicht auf 2,4 Prozent.

Inflationsdruck in Deutschland nimmt wieder zu

Parallel dazu hielt die US-Notenbank Federal Reserve den Leitzins wie erwartet in der Spanne von 3,5 bis 3,75 Prozent stabil. Fed-Chef Warsh betonte, dass man weiterhin ein striktes Inflationsziel von 2 Prozent verfolge. An den Märkten wird nun spekuliert, ob die Europäische Zentralbank im September mit einer weiteren Zinserhöhung auf den gestiegenen Preisdruck reagieren wird. Laut Medienberichten wird eine Anhebung des Einlagensatzes auf 2,5 Prozent für möglich gehalten.

Abseits der Schwergewichte sorgten weitere Einzelwerte für Bewegung. Die Aktie von Siltronic stieg um 8,8 Prozent, was Marktteilnehmer auf Erholungssignale im Geschäft mit Wafern zurückführten. MTU Aero Engines konnte ein leichtes Plus von 0,5 Prozent verbuchen, nachdem der freie Cashflow die Erwartungen deutlich übertroffen hatte. Im Gegensatz dazu mussten Kion mit einem Verlust von 4,9 Prozent und Knorr-Bremse mit einem Minus von 4,4 Prozent deutliche Abschläge hinnehmen.