Der deutsche Leitindex beendete den Handel am Mittwoch bei 26.091,33 Punkten und verzeichnete damit ein Minus von 0,1 Prozent. Während sich die Stimmung unter den Konjunkturexperten spürbar aufhellt, lasten die massiven Bewegungen am Rentenmarkt auf den Aktienkursen. Insbesondere die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen, die zuletzt auf ein 15-Jahres-Hoch von rund 3,25 Prozent kletterten, begrenzen derzeit den Spielraum für weitere Kursgewinne.
Zinsdruck und Rohstoffpreise bremsen Erholung
Dabei liefern die wirtschaftlichen Rahmendaten durchaus positive Signale. Die ZEW-Konjunkturerwartungen stiegen im August zum vierten Mal in Folge auf 34,2 Punkte und übertrafen damit die Markterwartungen deutlich. Parallel dazu verdoppelte der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) seine Wachstumsprognose für das laufende Jahr auf 1,0 Prozent.
Der Verband begründet diesen Optimismus mit einem Rekordexport im Juni und drei aufeinanderfolgenden Quartalen mit Wachstum. Dennoch notiert das Börsenbarometer weiterhin unter seinem 52-Wochen-Hoch von 26.573,50 Punkten, das erst am 12. August markiert worden war.
Neben den Zinsen sorgt die Lage am Energiemarkt für Unsicherheit. Der Preis für die Nordseesorte Brent stieg am Dienstag auf bis zu 92 US-Dollar je Barrel, befeuert durch neue Spannungen im Nahen Osten und Sorgen um die Sicherheit der Schifffahrtswege an der Straße von Hormus.
Diese Gemengelage traf gestern vor allem zinssensitive Sektoren und exportorientierte Titel. Die Aktie des Halbleiterherstellers Infineon geriet mit einem Abschlag von 4,7 Prozent deutlich unter Druck, während Qiagen mit einem Plus von 2,9 Prozent zu den Gewinnern zählte.
Stimmungshoch trifft auf industrielle Strukturkrise
Ein gemischtes Bild zeigt sich in der deutschen Industrie. Laut dem Ifo-Institut sorgt sich jedes vierte Unternehmen um seine Wettbewerbsfähigkeit außerhalb der Europäischen Union, wobei die Automobilbranche mit 43 Prozent besonders pessimistisch ist.
Die Krise im Fahrzeugbau schlägt sich auch in den Beschäftigtenzahlen nieder: Laut dem Statistischen Bundesamt sank die Zahl der Arbeitsplätze in der Branche im Juni auf 691.500, den niedrigsten Stand seit über zwei Jahrzehnten.
Im Gegensatz dazu glänzte SAP zuletzt mit einem Börsenwertzuwachs von 63 Milliarden Euro innerhalb weniger Wochen, getrieben durch die Integration von Künstlicher Intelligenz.
Eine Entlastung für die Konzernbilanzen kommt überraschend von der Zinsseite bei den Pensionsverpflichtungen. Laut WTW German Pension Finance Watch stieg der Ausfinanzierungsgrad der DAX-Pensionswerke im ersten Halbjahr auf 91 Prozent, da der höhere Rechnungszins die Leistungsverpflichtungen auf 292 Milliarden Euro drückte.
Dennoch bleibt die kurzfristige Markttechnik angespannt. Marktbeobachter sehen charttechnische Auffangmarken bei 25.507 und 25.090 Punkten, sollte sich die aktuelle Korrektur angesichts der geopolitischen Risiken und der hohen Kreditkosten ausweiten.
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