Kurz nach 7 Uhr morgens schoss der DAX-Future im Frühhandel über die 26.000-Punkte-Marke – und rückte damit greifbar nah an ein neues Kapitel der Rekordjagd heran. Der bisherige Verlaufsrekord von 25.900 Zählern aus dem Juli galt am Freitag noch als kaum erreichbar, nachdem der Index kurz vor dem Ziel abgedreht hatte. Am Montagmorgen sieht die Lage plötzlich anders aus.

Rund eine Stunde vor Handelsbeginn taxierten Broker den Leitindex etwa ein Prozent höher auf einen Wert knapp unter der alten Bestmarke. Der September-Kontrakt des DAX-Futures kletterte im Frühhandel um über 260 Punkte und markierte dabei ein Tageshoch von 26.001 Zählern, bei einem Tagestief von 25.895 Punkten. Die Botschaft ist eindeutig: Die Bullen wagen einen neuen Anlauf.

Ölpreis-Rutsch nimmt Inflationsängsten die Schärfe

Auslöser der Kauflaune ist ein kräftiger Rückgang der Rohölpreise. Nachdem US-Präsident Donald Trump übers Wochenende eine geplante Militäroffensive gegen den Iran abgesagt und stattdessen neue diplomatische Gespräche angekündigt hatte, brachen die Notierungen ein. Hinzu kommt eine offiziell bestätigte Förderausweitung der OPEC+ um 188.000 Barrel pro Tag ab September, mit der die Gruppe den Rückbau ihrer freiwilligen Kürzungen aus dem Jahr 2023 endgültig abschließt.

Die Kombination aus Deeskalation und mehr Angebot nimmt dem Markt spürbar die Sorge vor einem Inflationsschub und damit vor steigenden Zinsen. Die Internationale Energie-Agentur mahnte zwar zur Vorsicht und verwies auf anhaltende Spannungen rund um die Straße von Hormus – am Aktienmarkt überwiegt an diesem Morgen jedoch die Erleichterung.

Einzelwerte liefern zusätzliche Impulse

Auch auf Unternehmensseite gibt es Bewegung, wenn auch mit überschaubarer Marktbreite vor dem eigentlichen Start der Berichtssaison am Dienstag. Eon legte vorbörslich zu, nachdem Jefferies die Aktie von „Hold“ auf „Buy“ hochgestuft und das Kursziel von 17,40 auf 22,70 Euro angehoben hatte – Begründung sind die deutschen Strom-Ausbaupläne und regulatorische Vorgaben zu den Kapitalkosten der Erzeuger. Der Autozulieferer Stabilus bestätigte mit detaillierten Zahlen die bereits bekannten Eckdaten und gewann ebenfalls an der Börse.

Charttechnisch bleibt die 50-Tage-Linie bei rund 24.980 Punkten die wichtige Absicherung nach unten. Ein nachhaltiger Ausbruch über die alte Rekordmarke würde dagegen ein Kaufsignal mit Zielzone deutlich oberhalb von 26.000 Punkten liefern.

Der eigentliche Prüfstein folgt aber erst am Dienstag: Dann nimmt die Quartalsberichtssaison in Deutschland wieder Fahrt auf, während in den USA mit Palantir und dem frisch gelisteten SpaceX zwei stark beachtete Zahlenvorlagen anstehen. Ob der DAX seinen Rekordversuch bis dahin durchhält oder – wie schon am vergangenen Freitag – kurz vor der Ziellinie erneut die Puste ausgeht, entscheidet sich in den kommenden Handelsstunden.