Der deutsche Leitindex beendete den Handel am Freitag freundlich und notiert zum Wochenausklang bei 26.432,19 Punkten. Damit verpasste das Börsenbarometer sein erst am Mittwoch markiertes 52-Wochen-Hoch von 26.573,50 Zählern nur um rund 0,5 Prozent. Die Stimmung am Markt wurde maßgeblich von einer starken Berichtssaison der Großkonzerne gestützt, während gleichzeitig düstere Nachrichten vom Arbeitsmarkt den Optimismus dämpften.
Rekordgewinne im zweiten Quartal
Die 40 DAX-Unternehmen erzielten im zweiten Quartal 2026 ein Rekord-EBIT von insgesamt 52,6 Milliarden Euro. Laut einer Untersuchung der Prüfungsgesellschaft EY stiegen die operativen Gewinne damit um 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Insgesamt konnten 29 Konzerne ihr Ergebnis verbessern, während nur elf Unternehmen Einbußen hinnehmen mussten.
An der Spitze der Gewinnrangliste standen die Deutsche Telekom und der Versicherungskonzern Allianz. Die Telekom meldete einen operativen Gewinn von 6,9 Milliarden Euro, während die Allianz ein Ergebnis von 4,9 Milliarden Euro beisteuerte.
Auch Siemens und Volkswagen verzeichneten mit jeweils rund 3,4 Milliarden Euro hohe Überschüsse. Treiber dieser Entwicklung waren vor allem das starke Auslandsgeschäft sowie ein anhaltender Boom in den Bereichen Rüstung und Künstliche Intelligenz.
Industrieller Kern unter Anpassungsdruck
Diesen Rekordwerten steht ein deutlicher Rückgang der industriellen Basis in Deutschland gegenüber. Zum Ende Juni sank die Gesamtzahl der Beschäftigten in den DAX-Konzernen auf 3,49 Millionen. Innerhalb eines Jahres strichen die Unternehmen damit rund 41.000 Stellen. Experten werten dies nicht als flächendeckende Deindustrialisierung, sondern als Zeichen eines tiefgreifenden Strukturwandels.
Besonders die Automobilindustrie befindet sich in einer Erneuerungskrise und beschäftigt so wenige Menschen wie seit zwei Jahrzehnten nicht mehr. In diesem Sektor fielen zwischen Juli 2025 und Juli 2026 etwa 42.000 Arbeitsplätze weg. Große Namen wie BMW, Bosch und ZF kündigten bereits weitere Anpassungen an. Während der Umsatz in der Autobranche leicht um 1,2 Prozent zurückging, brachen die Gewinne dort um durchschnittlich 12 Prozent ein.
Licht und Schatten bei den Einzelwerten
Bei den Einzelwerten stützten vor allem Technologietitel den Index. Die Aktie von SAP legte am Freitag um 2,7 Prozent zu, Nemetschek stieg sogar um 8,4 Prozent. Auch Rüstungswerte wie Rheinmetall setzten ihren Aufwärtstrend fort, nachdem das Unternehmen ein Umsatzplus von 69 Prozent vermeldet hatte. Im Kontrast dazu verloren Eon-Papiere 4,4 Prozent, belastet durch neue Entwürfe zur staatlichen Regulierung.
Außerhalb des DAX sorgte eine massive Gewinnwarnung von Energiekontor für Aufsehen. Das Unternehmen senkte seine Ergebnisprognose für 2026 drastisch, da sich der Netzanschluss wichtiger Windparkprojekte in Schottland bis in das Jahr 2031 verzögert.
Trotz dieser Einzelrisiken bleibt die langfristige Tendenz positiv: Seit Jahresbeginn konnte der DAX bereits um 7,9 Prozent zulegen. Analysten von RBC hoben zudem das Kursziel für die Deutsche Börse auf 252 Euro an, behielten jedoch die Einstufung auf „Sector Perform“ bei.
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