Ein Gerücht reicht für eine Kurskorrektur, aber nicht für eine Trendwende. So lässt sich der Donnerstag an der Frankfurter Börse zusammenfassen — und die Vorsicht dahinter ist berechtigt.

Nahost-Eskalation drückt Stimmung

Der DAX stand weite Teile des Handelstages unter Druck. US-Streitkräfte hatten in der Nacht den Flughafen der Hafenstadt Bandar Abbas attackiert, iranische Kräfte schlugen zurück und drohten mit weiteren Vergeltungsmaßnahmen. Brent-Rohöl kletterte zeitweise auf knapp 94 Dollar je Barrel — weit über dem Vorkriegsniveau, aber noch unter der psychologischen Marke von 100 Dollar. Für Aktienanleger bedeuten steigende Energiepreise vor allem höhere Produktionskosten und gedämpfte Wachstumsperspektiven.

Kurz vor Handelsschluss sorgte dann ein Bericht für Bewegung: US-amerikanische und iranische Unterhändler sollen sich auf eine 60-tägige Absichtserklärung zur Verlängerung des Waffenstillstands geeinigt haben — inklusive Verhandlungen über das Atomprogramm und freier Durchfahrt durch die Straße von Hormus. Der DAX, der zu diesem Zeitpunkt rund 0,7 Prozent im Minus lag, drehte kurzzeitig ins Plus. Der Erholungsimpuls verpuffte jedoch rasch: Der Index schloss 0,34 Prozent tiefer bei 25.092 Punkten.

Kurz darauf relativierte Teheran die Berichte. Eine dem Verhandlungsteam nahestehende Quelle erklärte, der Text sei weder fertiggestellt noch bestätigt. Das passt zur nüchternen Einschätzung von CMC-Markets-Analyst Andreas Lipkow: Erst wenn die Unterschrift trocken sei, könne man über eine Neupositionierung nachdenken.

Rüstung und Halbleiter als Ausreißer

Während der Leitindex nachgab, zeigten einzelne Sektoren eine bemerkenswert abweichende Dynamik. Rheinmetall legte im DAX um 4,2 Prozent zu — gestützt von einem Auftrag für mehr als 2.000 militärische Transportfahrzeuge im Wert von rund einer Milliarde Euro. Im Nebenwerte-Bereich verbuchten TKMS, RENK und Hensoldt Aufschläge zwischen 5,4 und 6,9 Prozent.

Das Auffälligste des Tages war allerdings Infineon. Die Aktie stieg um 4,4 Prozent und erreichte damit den höchsten Stand seit dem Jahr 2000. Deutsche Bank Research und Morgan Stanley schraubten ihre Kursziele deutlich nach oben — ein klares Signal, dass die KI-getriebene Halbleiternachfrage die Bewertung trägt, unabhängig vom geopolitischen Lärm.

MDAX und SDAX zeigten sich robuster als der Leitindex. Der MDAX schloss 0,70 Prozent höher, der SDAX setzte seinen Rekordkurs fort und legte 0,85 Prozent zu.

Solange die Verhandlungen zwischen Washington und Teheran keine verlässliche Grundlage gewinnen, dürfte der DAX sein Aufwärtspotenzial kaum ausschöpfen können — die kurze Reaktion auf die Axios-Meldung hat gezeigt, wie groß die latente Kaufbereitschaft ist, wenn sich ein echtes Signal zeigt.