DAX, BASF & Bitcoin: Wenn die Straße von Hormus zur Schicksalsfrage wird – und Chemieaktien im Gassturm versinken

Der Iran-Konflikt führt zu einem starken Anstieg der Energiepreise, was die Margen deutscher Chemiekonzerne bedroht und den DAX unter Druck setzt. Bitcoin-ETFs verzeichnen hingegen starke Zuflüsse.

DAX, BASF & Bitcoin: Wenn die Straße von Hormus zur Schicksalsfrage wird – und Chemieaktien im Gassturm versinken
Kurz & knapp:
  • Europäische Erdgaspreise erreichen Dreijahreshoch
  • Deutscher Leitindex verliert Jahresperformance komplett
  • Starke institutionelle Nachfrage nach Bitcoin-ETFs
  • Europas Gasspeicherstände auf kritischem Niveau

Liebe Leserinnen und Leser,

minus 3,44 Prozent – so brutal schloss der DAX am Dienstag bei 23.790 Punkten. Doch hinter dieser Zahl verbirgt sich mehr als nur ein weiterer Verlusttag. Der Iran-Krieg hat die Märkte fest im Griff, und eine 50 Kilometer schmale Meerenge namens Straße von Hormus entscheidet plötzlich darüber, ob deutsche Chemiekonzerne ihre Margen halten können und ob die Inflation in der Eurozone wieder auf drei Prozent klettert. Gleichzeitig zeigt sich an den Kryptomärkten ein bemerkenswertes Phänomen: Während Gold nachgibt, strömen Hunderte Millionen Dollar in Bitcoin-ETFs. Willkommen in einer Welt, in der Geopolitik die Fundamentaldaten überschreibt – zumindest vorerst.

Chemieaktien im freien Fall: Wenn Erdgas zum Kostentreiber wird

BASF verlor 4,92 Prozent, Lanxess rutschte um 8,4 Prozent ab, Evonik büßte 5,6 Prozent ein. Die deutsche Chemieindustrie erlebt einen rabenschwarzen Tag, und der Grund liegt nicht in enttäuschenden Quartalszahlen oder schwachen Prognosen. Es ist der europäische Erdgaspreis, der am Dienstagmorgen zeitweise um 30 Prozent über dem Vortag lag und damit den höchsten Stand seit über drei Jahren erreichte. Katar hat seine Flüssigerdgas-Exporte gestoppt, die Straße von Hormus ist faktisch geschlossen – und Europa spürt die Folgen unmittelbar.

Für Chemiekonzerne wie BASF, deren Ludwigshafener Standort laut Berenberg-Analyst Sebastian Bray rund 30 Terawattstunden Gas pro Jahr verbraucht, wird die Lage kritisch. Analyst James Hooper von Bernstein Research bringt das Dilemma auf den Punkt: Steigende Energiepreise fressen die Margen auf. Sollte die Situation länger anhalten, droht zudem ein Nachfrageeinbruch, weil auch die Konsumlaune leidet. Die Chemieindustrie, die ohnehin in der Krise steckt, braucht eine Nachfrageerholung – doch genau die könnte nun ausbleiben.

Interessant: Nicht alle leiden gleichermaßen. Unternehmen aus dem Gasebereich wie Air Liquide (minus 1,6 Prozent) und der Düngemittelhersteller K+S (minus 1,6 Prozent) kommen deutlich glimpflicher davon. Bernstein zählt sie wegen ihres defensiveren Charakters weiter zu den Branchenfavoriten. Und dann gibt es da noch die stillen Profiteure: Produzenten von Harnstoff und Ammoniak, die normalerweise mit iranischer Konkurrenz zu kämpfen haben, könnten von einem längeren Konflikt sogar profitieren.

DAX unter Druck: Wenn technische Marken fallen und die Jahresperformance kippt

Der deutsche Leitindex hat nicht nur 3,44 Prozent verloren – er ist auch deutlich unter die 100- und 200-Tage-Durchschnittslinien gerutscht. Aus charttechnischer Sicht ein klares Warnsignal. Noch gravierender: Die Kursgewinne seit Jahresbeginn sind komplett aufgezehrt. Der DAX notiert nun im Minus für 2026. Zum Vergleich: Am 13. Januar hatte der Index noch bei einem Allzeithoch von 25.507 Punkten gestanden. Davon ist er nun fast 7 Prozent entfernt.

Die europäischen Nachbarbörsen erging es ähnlich. Der EuroStoxx 50 verlor 3,6 Prozent, London und Zürich mussten ebenfalls Abschläge verkraften. Selbst die US-Börsen, die sich am Montag noch vergleichsweise robust gezeigt hatten, gaben am Dienstag nach – wenn auch nicht ganz so heftig wie Europa. Der S&P 500 verlor rund 2 Prozent, der Nasdaq Composite ebenfalls etwa 2 Prozent. Die Volatilität ist zurück: Das CBOE Volatility Index (VIX) kletterte auf den höchsten Stand seit drei Monaten.

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Chris Iggo von BNP Paribas Asset Management fasst zusammen, worauf es jetzt ankommt: „Entscheidend für die Marktstimmung ist, wie sehr sich der Konflikt ausweitet, wie lange er dauert, wie die übrigen Großmächte reagieren und wie stark die Energiepreise steigen.“ US-Präsident Trump sprach von vier bis fünf Wochen Krieg, notfalls auch länger. Die Märkte preisen zunehmend ein längeres Szenario ein – und das belastet.

Bitcoin trotzt der Panik: Wenn ETF-Zuflüsse die Krypto-Story neu schreiben

Während Aktien weltweit unter Druck stehen und Gold um 2,7 Prozent auf 5.169 Dollar je Feinunze nachgab, zeigt sich an den Kryptomärkten ein bemerkenswertes Bild. Bitcoin stieg um 2,9 Prozent auf 67.185 Dollar, Ethereum legte 1,9 Prozent auf 1.959 Dollar zu. Auf den ersten Blick paradox – doch ein Blick auf die ETF-Flows erklärt die Bewegung.

Am Montag flossen 458 Millionen Dollar netto in US-Bitcoin-Spot-ETFs, nachdem am Freitag noch 28 Millionen Dollar abgeflossen waren. Der iShares Bitcoin Trust (IBIT) führte mit Zuflüssen von 263 Millionen Dollar. Auch Ethereum- und Solana-basierte ETFs verzeichneten Zuflüsse. Offenbar sehen institutionelle Anleger Bitcoin zunehmend als Portfolio-Diversifikator in unsicheren Zeiten – eine Rolle, die traditionell Gold innehatte.

Der CMC Fear and Greed Index steht bei 20 und signalisiert „Angst“ – vor einer Woche lag er noch bei 11 („extreme Angst“). Die Stimmung hellt sich also leicht auf, obwohl Bitcoin noch immer 47 Prozent unter seinem Allzeithoch von 126.198 Dollar (Oktober 2025) notiert. Für das Gesamtjahr 2026 steht Bitcoin allerdings mit über 23 Prozent im Minus. Die Frage bleibt: Ist das eine kurzfristige technische Gegenbewegung oder der Beginn einer Neubewertung von Bitcoin als „digitales Gold“?

Europas Gasspeicher auf Tiefstand: Wenn ein kalter Winter zur strategischen Schwäche wird

Die niedrigen Füllstände der Erdgasspeicher verschärfen Europas Lage zusätzlich. Am 1. März waren die Speicher in der EU nur noch zu 30 Prozent gefüllt – weit unter dem Vorjahreswert von knapp 40 Prozent und deutlich unter dem zehnjährigen Durchschnitt von 48 Prozent. Deutschland liegt mit 20,8 Prozent besonders niedrig, die Niederlande mit 10,6 Prozent noch dramatischer.

Der Verband der Schweizerischen Gasindustrie Gazenergie erklärt: „Die Gasspeicher in mehreren Ländern – darunter insbesondere die Niederlande und Deutschland – leerten sich schneller als prognostiziert.“ Verantwortlich dafür war ein besonders kalter Winter. Nun kommt der Lieferstopp aus Katar hinzu, der rund 20 Prozent der weltweiten LNG-Exporte über die Straße von Hormus transportiert.

Die UBS warnt: Sollte die Lage in der Straße von Hormus drei bis vier Wochen angespannt bleiben, dürfte der Markt das verkraften. Bei einer länger anhaltenden Störung könnten im Sommer jedoch spürbare Auswirkungen auf die europäische Speicherbefüllung entstehen. Das würde Europa im nächsten Winter erneut verwundbar machen – ein strategisches Risiko, das die Politik nicht ignorieren kann.

Inflation und Zinsen: Wenn Energiepreise die EZB-Pläne durchkreuzen

Die steigenden Öl- und Gaspreise haben nicht nur unmittelbare Auswirkungen auf Verbraucher und Unternehmen – sie könnten auch die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) verkomplizieren. Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer skizziert zwei Szenarien: „Dauert der Krieg und die faktische Schließung der Straße von Hormus nur wenige Wochen, dann wird die Inflation wegen des gestiegenen Ölpreises nur vorübergehend ein wenig zulegen.“ Zöge sich der Krieg aber Monate hin, würde die Inflation in der Eurozone „schätzungsweise auf mindestens 3 Prozent“ steigen.

Das wäre ein herber Rückschlag für die EZB, die die Inflation gerade erst in Richtung des Zwei-Prozent-Ziels gedrückt hat. EZB-Chefvolkswirt Philip Lane warnte bereits in der Financial Times, dass ein länger andauernder Krieg die Inflation deutlich nach oben treiben und gleichzeitig das Wachstum in der Eurozone belasten könnte. Die Anleger haben reagiert: Die Erwartungen für eine Zinssenkung der US-Notenbank Fed wurden von Juli auf September verschoben. Auch die EZB dürfte ihre Pläne überdenken müssen.

Für deutsche Verbraucher bedeutet das: An der Tankstelle ist Sprit bereits um 12 bis 18 Cent pro Liter teurer geworden. Heizöl kostete am Dienstagvormittag zeitweise über 123 Euro pro 100 Liter – noch am Freitag waren es unter 100 Euro. Die Auswirkungen sind spürbar, aber überschaubar: Ein typischer Benziner-Fahrer zahlt pro Monat knapp 10 Euro mehr, ein Diesel-Fahrer knapp 20 Euro. Sollten die Preise jedoch länger hoch bleiben, dürften die indirekten Effekte über höhere Transportkosten und Produktionskosten deutlich stärker durchschlagen.

Gewinner in der Krise: Wenn Volatilität zum Geschäftsmodell wird

Nicht alle leiden unter der Marktturbulenzen. Die Aktie der Deutschen Börse legte am Dienstag 2,1 Prozent zu und war damit der einzige Gewinner im DAX. Die stark gestiegenen Schwankungen an den Finanzmärkten spielen dem Börsenbetreiber in die Karten – mehr Volatilität bedeutet mehr Handelsvolumen und damit höhere Einnahmen. Gleich zwei Investmentbanken gaben neue Kaufempfehlungen aus.

Auch im ETF-Handel zeigt sich ein klares Bild: Öl- und Gas-ETCs werden extrem viel gehandelt, oft mit Hebel. Der WisdomTree WTI Crude Oil 3x Daily Leveraged und das Pendant auf Erdgas verzeichneten laut ICF Bank „große Order“. Ivo Orlemann von der ICF Bank fasst die Stimmung zusammen: „Es herrscht große Aufregung, aber wir sehen keinen Verkaufsdruck.“ Janis Völker von Lang & Schwarz bestätigt: „Kunden reagieren sehr unterschiedlich, der Flow geht in beide Richtungen.“

Rüstungs-ETFs profitieren ebenfalls. Der WisdomTree Europe Defence und der VanEck Defense verzeichneten erneut steigende Nachfrage. Der VanEck Defense, mit über 7 Milliarden Euro Anlagevermögen der größte Rüstungs-ETF, legte zuletzt wieder zu – das Allzeithoch aus dem Januar hat er allerdings noch nicht wieder erreicht.

Ausblick: Wenn Geopolitik die Agenda bestimmt

Die kommenden Tage werden zeigen, ob die Märkte ihren Tiefpunkt gefunden haben oder ob weitere Abgaben bevorstehen. Entscheidend ist die Entwicklung im Nahen Osten. Sollte sich die Lage stabilisieren und die Straße von Hormus wieder passierbar werden, dürften Öl- und Gaspreise schnell nachgeben – und mit ihnen die Inflationssorgen. Sollte der Konflikt jedoch eskalieren oder sich in die Länge ziehen, droht ein Szenario, das sowohl Wachstum als auch Preisstabilität gefährdet.

Am Mittwoch stehen wichtige Unternehmenszahlen an: Bayer, Adidas, Symrise, Continental und Traton legen ihre Jahreszahlen vor. In den USA berichtet Broadcom nach Börsenschluss. Zudem werden zahlreiche Konjunkturdaten veröffentlicht, darunter die Erzeugerpreise in der Eurozone und der ISM Services Index in den USA. Ob diese Daten noch Beachtung finden werden, hängt davon ab, ob die Schlagzeilen aus dem Nahen Osten die Aufmerksamkeit weiter dominieren.

Eines ist klar: Die Märkte haben ihre Unschuld verloren. Die Hoffnung auf eine ruhige Aufwärtsbewegung ist vorerst verflogen. Jetzt zählt Risikomanagement, Diversifikation – und die Fähigkeit, auch in turbulenten Zeiten einen kühlen Kopf zu bewahren.

Bis morgen,
Andreas Sommer

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Als Finanzanalyst und Börsenjournalist beschäftige ich mich seit über vier Jahrzehnten intensiv mit den Finanzmärkten. Meine Spezialisierung liegt auf der Analyse wachstumsstarker Aktien und der Entwicklung von Anlagestrategien, die fundamentale Bewertung mit technischer Analyse kombinieren.

Ein zentraler Aspekt ist das Timing („Timing is Money“), denn Risikobegrenzung ist essenziell („Vermeiden ist besser als Verlieren!“). Mein Ziel ist es, Ihnen klare Orientierung in dynamischen Märkten zu bieten.

Mein Weg an die Börse: Vom Bankberater zum Analysten

Meine Faszination für die Finanzmärkte entwickelte sich schon früh. Wichtige Stationen meines Weges sind:

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  • Wendepunkt 1987: Der Börsencrash weckte mein tiefes Interesse an der technischen Analyse als wichtiges Instrument zur Risikosteuerung.
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