Der deutsche Aktienmarkt tritt heute auf der Stelle — und das mit gutem Grund. Das US-Ultimatum an den Iran läuft in der Nacht zu Mittwoch um 2 Uhr ab, ohne dass eine Einigung in Sicht wäre. Der DAX pendelt zwischen leichten Gewinnen und Verlusten, zuletzt bei rund 23.063 Punkten — ein Minus von 0,5 Prozent.

Zwischenzeitlich hatten Hoffnungen auf einen Last-Minute-Deal die Stimmung aufgehellt, der Index erreichte sogar den höchsten Stand seit Mitte März. Doch die Erholung hielt nicht. Mit jeder vergangenen Stunde ohne diplomatisches Signal wächst die Nervosität.

Ölpreisschock im sechsten Kriegsmonat

Der Iran-Krieg belastet die Märkte seit nunmehr sechs Wochen spürbar. Besonders der Ölpreis macht den Anlegern zu schaffen: Seit Kriegsbeginn hat die Nordseesorte Brent um mehr als die Hälfte zugelegt. Die Meerenge von Hormus — einer der meistbefahrenen Rohstoffkorridore der Welt — steht im Zentrum des Konflikts. Trump hat mit der „völligen Zerstörung“ iranischer Infrastruktur gedroht, sollte Teheran nicht einlenken. Die iranische Militärführung reagierte mit Spott.

Trotz allem zeigt sich der DAX nach Einschätzung von Marktbeobachtern erstaunlich widerstandsfähig. Offenbar klammern sich viele Investoren an ein Deeskalationsszenario — und blenden dabei die Risiken eines anderen Ausgangs zumindest teilweise aus.

Chemie als Gewinner — vorerst

Interessant ist die Sektorrotation, die sich in diesem Umfeld abzeichnet. Europäische Chemiewerte legen zu, BASF führt die DAX-Gewinnerliste mit einem Plus von fast drei Prozent an. Die Logik dahinter: Kriege in der Region dämpfen das Überangebot, reduzieren Konkurrenz und treiben Preise. Ob diese Rechnung aufgeht, hängt stark davon ab, wie lange der Konflikt andauert — denn eine schwächere Gesamtnachfrage bleibt das Gegenargument.

Die Stunden bis zur Frist dürften die Kurse in Bewegung halten. Was nach Mitternacht passiert, ist offen — und genau das ist das Problem für alle, die aktuell investiert sind.