Der deutsche Leitindex nähert sich am heutigen Dienstag der runden 25.000-Punkte-Marke — und das Bild dahinter ist aufschlussreicher, als der bloße Indexstand vermuten lässt.

Am Nachmittag lag der DAX rund 1,4 Prozent im Plus bei knapp 24.973 Zählern. Vorübergehend fiel die 25.000er-Marke sogar kurz. Die freundliche Stimmung kam vor allem aus den USA: Die Nasdaq legte am Vortag deutlich zu, Halbleiterwerte zogen weltweit mit. Im DAX verteuerte sich Infineon um knapp vier Prozent, den größten Tagesgewinn verbuchte Siemens Energy mit einem Plus von gut fünf Prozent — Analysten von Bernstein sehen dort Auftragseingang weit über den Erwartungen.

Dividenden liefern, was Kurse bisher schuldig blieben

Interessant ist der Blick auf das erste Halbjahr insgesamt. Die DAX-Konzerne haben für das Geschäftsjahr 2025 zusammen 54,6 Milliarden Euro ausgeschüttet — ein Anstieg von 3,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der DAX-Performanceindex liegt seit Jahresbeginn nur leicht im Plus. Ohne Dividendenanrechnung stünde er sogar im Minus. Mehr als 600 Indexpunkte sind rechnerisch schlicht Ausschüttungen. Für 2027 werden die Dividenden um weitere sieben Prozent höher erwartet.

Kein Wunder, dass viele Anleger den Index in diesem Jahr eher als Einkommensquelle denn als Kursphantasie betrachten.

Makro: ein kleines Plus, eine große Unsicherheit

Unterstützung kam heute auch von der Konjunkturseite. Die Arbeitslosigkeit in Deutschland fiel im Juni unerwartet um 1.000 Personen — Ökonomen hatten einen Anstieg von 7.000 erwartet. Die Arbeitslosenquote blieb bei 6,3 Prozent stabil. Ein kleines positives Signal, das jedoch keine strukturelle Trendwende markiert.

Der Unsicherheitsfaktor bleibt geopolitischer Natur. Nach der jüngsten Eskalation in der Straße von Hormus gibt es trotz diplomatischer Aktivität in Doha vorerst keine direkten Gespräche zwischen den USA und dem Iran. Solange diese Passage — eine der wichtigsten für den globalen Öl- und Gashandel — nicht dauerhaft und reibungslos geöffnet ist, bleibt ein Risikofaktor im Markt bestehen.

Der Juli gilt historisch als starker Börsenmonat. Ob der DAX die 25.000 bis zum Wochenende nachhaltig zurückerobern kann, hängt auch davon ab, ob heute Nachmittag die US-Verbrauchervertrauen-Daten und die deutschen Inflationszahlen für Juni keine negativen Überraschungen liefern.