Nach zwei Verlustwochen in Folge kommt der deutsche Leitindex nicht recht vom Fleck. Zum Wochenauftakt notiert der DAX knapp unter der Marke von 24.800 Punkten — ein Niveau, das gemessen am Allzeithoch vom 6. Juli bei 25.900,10 Punkten deutlich Abstand hält. Zwischen einem schwelenden Nahost-Konflikt und dem Startschuss der Berichtssaison bleibt für klare Kursimpulse wenig Raum.

Nahost-Konflikt bremst die Stimmung

Der Krieg zwischen den USA und dem Iran bleibt der dominierende Belastungsfaktor. Die USA bombardierten in der vergangenen Nacht bereits zum achten Mal in Folge Ziele im Iran, während iranische Streitkräfte Vergeltungsschläge gegen US-Stützpunkte in Jordanien, Kuwait und Bahrain flogen. Am Wochenende kamen bei einem Angriff auf einen Luftwaffenstützpunkt in Jordanien erstmals seit Monaten wieder US-Soldaten ums Leben — ein Ereignis, das die Eskalationsgefahr spürbar erhöht.

Die Ölpreise haben die Marke von 90 Dollar überschritten und nähren Inflationssorgen. Für die Europäische Zentralbank verschärft das ein ohnehin schwieriges Umfeld: Sie muss am Donnerstag über die Leitzinsen entscheiden und dabei zwischen Preisdruck und schwacher Konjunktur balancieren. Eine Zinspause gilt als wahrscheinlich, offen bleibt jedoch, wie klar Notenbankchefin Christine Lagarde die Aussicht auf eine weitere Zinserhöhung im September formuliert.

Berichtssaison wird zum Prüfstein

Parallel zur geopolitischen Lage rückt die Unternehmensberichterstattung in den Fokus. Nach der jüngsten Korrektur bei hoch bewerteten KI-Aktien wächst der Druck auf die großen Technologiekonzerne, ihre Bewertungen mit Zahlen zu untermauern. Enttäuschende Ergebnisse könnten weitere Kurskorrekturen auslösen — auch mit Ausstrahleffekten auf andere Sektoren, da Verluste bei Tech-Werten teils durch Verkäufe in anderen Titeln kompensiert werden.

Im DAX selbst spielt das Technologiesegment gewichtsmäßig eine untergeordnete Rolle. Hierzulande dominieren stattdessen die Sorgen vor einer längeren Konjunkturschwäche durch die steigenden Energiepreise. Aus dem Index legen in dieser Woche Deutsche Börse, SAP und Volkswagen ihre Zahlen vor, dazu kommen Sartorius, Vossloh und LPKF Laser Electronics aus der zweiten Reihe.

Charttechnik zeigt Konsolidierung

Der Index notiert derzeit unter den gleitenden Durchschnitten der letzten 20 und 50 Handelstage, während der langfristige Aufwärtstrend über den 200-Tage-Durchschnitt intakt bleibt. Ein Ausbruch über das Tageshoch vom 16. Juli bei 25.049 Punkten könnte neue Kaufsignale liefern und den Weg zur offenen Kurslücke bei 25.465 Punkten öffnen. Rutscht der DAX dagegen unter die Unterstützung bei 24.038 Punkten, würde das die aktuelle Schwächephase eher bestätigen als beenden.

Richtungsweisend dürfte die Woche in mehrfacher Hinsicht werden: Am Dienstag stehen die ZEW-Konjunkturerwartungen an, am Mittwoch legen nach US-Handelsschluss Alphabet und Tesla ihre Quartalszahlen vor, und am Donnerstag folgt die Zinsentscheidung der EZB.