Trumps abgesagte Militärschläge gegen den Iran haben dem deutschen Aktienmarkt am Freitagmorgen deutlichen Auftrieb gegeben. Der DAX stieg in der Eröffnungsphase um rund 1,6 Prozent auf etwa 24.600 Punkte — und setzte sich damit wieder oberhalb der 200-Tage-Linie fest, die er tags zuvor kurzzeitig unterschritten hatte.
Geopolitik als Kurstreiber
Trump hatte die für Donnerstagabend angekündigten Angriffe auf den Iran kurzfristig abgeblasen und ein baldiges Rahmenabkommen in Aussicht gestellt. Auch die iranische Seite sprach von einem weitgehend finalisierten Verhandlungstext. Das reichte den Märkten, um Risikofreude zu entfachen — auch wenn Beobachter darauf hinweisen, dass ähnliche Hoffnungen in den vergangenen Wochen bereits mehrfach enttäuscht wurden.
Der Reise- und Luftfahrtsektor profitierte am stärksten. Lufthansa, TUI und Fraport verbuchten Kursgewinne zwischen knapp sechs und mehr als sieben Prozent. Airbus und MTU legten bis zu vier Prozent zu. Auf der Verliererseite fiel SAP mit einem Minus von über fünf Prozent auf.
Charttechnik: Kaufsignal in Sicht, aber noch nicht ausgelöst
Das charttechnische Bild hat sich nach einer mehrwöchigen Korrektur zumindest stabilisiert. Vom lokalen Hoch bei 25.445 Punkten Ende Mai war der Index bis auf 24.038 Punkte gefallen — ein Rückgang, der den DAX vom oberen bis zum unteren Bollinger-Band führte. Der Inside-Day vom 11. Juni könnte als Ausgangspunkt einer Erholung gelten.
Ein vollständiges Kaufsignal fehlt jedoch noch. Der GD 20 bei rund 24.752 Punkten bildet den ersten Widerstand; darüber läge das nächste Ziel bei 25.058 Punkten, wo zugleich eine offene Kurslücke auf Schließung wartet. Die Slow Stochastik notiert tief im überverkauften Bereich — sobald die grüne Signallinie die rote kreuzt, würde ein weiteres Kaufsignal ausgelöst. Auf der Unterseite gilt 23.664 Punkte als entscheidende Stützzone; ein Bruch dort würde das Erholungsszenario zunichte machen.
Das Gesamtbild bleibt vorerst neutral bis leicht bärisch. Für die nächsten Handelstage wird der Ausbruch über den GD 50 zum entscheidenden Test: Gelingt er auf Schlusskursbasis, rückt die Marke von 25.000 Punkten schrittweise wieder in Reichweite — das bisherige Allzeithoch vom Januar bei 25.507 Punkten liegt dann noch etwas weiter entfernt.
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