Der DAX tritt auf der Stelle – und das ausgerechnet in einer Woche, die eigentlich Bewegung bringen sollte. Zwischen aufkeimender Hoffnung auf eine Entspannung im Nahost-Konflikt und der Sorge vor steigenden Energiepreisen findet der Index einfach keinen Weg zurück über die 25.000-Punkte-Marke.

Zum Wochenauftakt schloss der deutsche Leitindex mit einem Plus von 0,1 Prozent bei 24.846 Punkten, nachdem er im Tagestief bereits bei 24.751 Zählern gestanden hatte. Die Marktbreite fehlte trotz Käufen bei Schwergewichten wie Siemens, SAP und einigen Versicherungstiteln. Zur Erinnerung: Erst Anfang Juli hatte der DAX mit einem Schlusskurs von 25.817,89 Punkten sein bisheriges Allzeithoch markiert – davon ist der Index aktuell weit entfernt.

Nahost bestimmt die Risikostimmung

Der Iran-Konflikt bleibt der Taktgeber an den Börsen. Zwar nährten Meldungen über eine mögliche neue Waffenruhe zeitweise Hoffnung, gleichzeitig drohten die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen im Jemen mit Angriffen auf den Ölhandel über den Seeweg. Der Ölpreis der Sorte Brent pendelte entsprechend auf hohem Niveau um 88 Dollar, nachdem er zwischenzeitlich über 90 Dollar geklettert war.

Genau diese Gemengelage bringt die Europäische Zentralbank in eine unangenehme Position vor ihrer Zinsentscheidung am Donnerstag. Die deutschen Erzeugerpreise zogen im Juni um 1,8 Prozent zum Vorjahr an, während sie im Monatsvergleich leicht nachgaben. Steigende Energiekosten treiben die Inflation, schwächen aber gleichzeitig die Konjunktur – eine Zinspause gilt als wahrscheinlichstes Szenario, Spielraum für weitere Erhöhungen im September bleibt aber im Gespräch.

Siemens Energy und Friedrich Vorwerk stechen heraus

Unter den Einzelwerten setzte sich Siemens Energy mit einem Kurssprung von 3,4 Prozent an die DAX-Spitze. Auslöser war eine Kurszielanhebung der UBS von 175 auf 210 Euro, begründet mit möglichen Auftragszusagen von rund 100 Gigawatt bis Ende 2026, die die Produktionskapazitäten bis 2030 weitgehend auslasten könnten. Fresenius profitierte von einem optimistischen Analystenausblick der Deutschen Bank auf die anstehenden Quartalszahlen und legte um drei Prozent zu.

Im Nebenwerteindex sprang die Aktie von Friedrich Vorwerk um knapp zehn Prozent nach oben. Ein positiver Kommentar von Berenberg zerstreute Sorgen über eine geplante Gesetzesänderung beim Erdkabelausbau. Auf der Verliererseite belastete die angespannte Nahost-Lage die Lufthansa-Aktie, die um 1,8 Prozent nachgab – verstärkt durch einen überraschenden Gewinneinbruch beim irischen Wettbewerber Ryanair. Bayer, Brenntag und MTU verloren bis zu 2,4 Prozent.

Die Woche der Zahlen steht bevor

Die eigentliche Bewährungsprobe kommt erst noch. Zur Wochenmitte legen mit Alphabet und Tesla zwei US-Schwergewichte ihre Quartalszahlen vor, hierzulande folgen Deutsche Börse, SAP und Volkswagen. Am Dienstag richten sich die Blicke auf die ZEW-Konjunkturerwartungen, am Freitag auf vorläufige Einkaufsmanagerindizes und das deutsche Konsumklima. Ob der DAX die 25.000-Punkte-Marke in dieser Woche zurückerobert, dürfte maßgeblich davon abhängen, wie die Berichtssaison die hohen Bewertungserwartungen rund um KI-Investitionen einlöst.