Der gestrige Handelstag hatte es in sich. Nach einem schwachen Start unter der 24.000-Punkte-Marke drehte der deutsche Leitindex kräftig ins Plus und schloss mit einem Zuwachs von 1,49 Prozent bei 24.307 Punkten. Der Auslöser: Berichte über einen iranischen Fünf-Punkte-Plan zur Konfliktlösung sowie Signale aus Washington, Ölsanktionen gegen Teheran vorübergehend zu lockern.

Heute Morgen setzt sich die Erholung fort. Der DAX-Future notiert im Frühhandel bei rund 24.373 Punkten – ein weiteres Indiz dafür, dass die Stimmung unter den Investoren trotz anhaltender geopolitischer Risiken konstruktiv bleibt.

Wer treibt den Index – und wer bremst

Die gestrigen Kursgewinner lesen sich wie ein Querschnitt durch die aktuellen Marktthemen. Rheinmetall legte nach einer Kaufempfehlung der Citigroup um 4,6 Prozent zu. Die US-Bank wertet den vorangegangenen Rücksetzer beim Rüstungskonzern als übertrieben – auch weil ein echter Friedensschluss im Ukraine-Konflikt aus ihrer Sicht unwahrscheinlich bleibt. Ähnlich stark zog die Deutsche Börse mit plus 4,7 Prozent an, gestützt vom volatilen Marktumfeld und der Aufstockung des britischen Hedgefonds TCI auf über fünf Prozent Anteil.

Infineon, SAP und Siemens Energy profitierten derweil vom anhaltenden KI-Interesse der Anleger. Die drei Titel zählen zu den verlässlichen Taktgebern im Index, wenn es um Technologie- und Energiethemen geht.

Auf der Verliererseite standen die Autowerte. Mercedes-Benz, BMW und Volkswagen verloren bis zu 0,8 Prozent – belastet von enttäuschenden Konjunkturdaten aus China, dem wichtigsten Absatzmarkt der deutschen Premiumhersteller. Auch die Commerzbank rutschte um 1,5 Prozent ab, nachdem Analysten von Keefe Bruyette & Woods ihre erst zwei Monate alte Kaufempfehlung zurückzogen.

Ein Gewinnsprung, der stutzig macht

Jenseits der täglichen Kursschwankungen verdient eine Zahl besondere Aufmerksamkeit: Für das dritte Quartal 2026 erwartet der Marktkonsens ein Gewinnwachstum der DAX-Mitglieder von 28 Prozent im Jahresvergleich. Das klingt nach Euphorie – und löst an den Märkten tatsächlich genau das aus, gepaart mit handfester Skepsis.

Denn die Rahmenbedingungen sollten eigentlich dagegen sprechen. Hohe Ölpreise, geopolitische Unsicherheiten und eine schwächelnde Konjunktur in China setzen den Konzernen unter normalen Umständen zu. Dass die Gewinnerwartungen dennoch so robust ausfallen, spricht entweder für eine außergewöhnliche Anpassungsfähigkeit der deutschen Großunternehmen – oder für eine Erwartungshaltung, die bei der nächsten Überraschung schnell kippen kann.

Die vorbörslichen Signale für den heutigen Dienstag deuten auf einen freundlichen Start hin. Ob die 24.400er-Marke nachhaltig zurückerobert werden kann, hängt nicht zuletzt davon ab, wie sich die Iran-Lage weiterentwickelt – und was Nvidia heute Abend nach Börsenschluss mit seinen Quartalszahlen liefert.