Zwei Tage, zwei Gesichter: Erst ein neues Allzeithoch, dann kalte Füße. Der DAX hat am Mittwoch bei 26.573 Punkten ein Rekordhoch markiert, bevor Gewinnmitnahmen den Index leicht ins Minus drückten. Am Donnerstagmorgen zeigt sich das Bild wieder freundlicher — der X-DAX signalisierte vorbörslich ein Plus von 0,3 Prozent auf rund 26.407 Punkte.
Der Rekordlauf der vergangenen Wochen speist sich vor allem aus den USA. Dort treiben Halbleiter- und KI-Werte die Kurse, und die Euphorie färbt auf deutsche Standardwerte ab. Gleichzeitig mehren sich die Zweifel, wie lange sich dieser Schwung noch fortsetzen lässt. Nach einem Anstieg auf neue Höchststände folgte am Mittwoch eine rote Tageskerze, die charttechnisch einem sogenannten Shooting Star ähnelt — ein Muster, das häufig eine kurzfristige Topbildung ankündigt.
Was die Charttechnik sagt
Die Slow Stochastik hat inzwischen ein Verkaufssignal ausgelöst, während die gleitenden Durchschnitte der letzten 20, 50 und 200 Handelstage weiterhin auf Kaufsignale stehen. Dieser Widerspruch spiegelt genau die aktuelle Marktlage: Der übergeordnete Trend bleibt intakt, kurzfristig macht sich aber Erschöpfung breit. Als nächste Hürde gilt das Allzeithoch bei 26.573 Punkten, ein Ausbruch darüber könnte den Weg zur psychologischen Marke von 27.000 Punkten öffnen. Auf der Unterseite gilt ein Bereich um 26.084 Punkte als erste Haltelinie, tiefer folgt eine Unterstützung bei 25.295 Punkten.
Konjunkturdaten und Einzelwerte im Blick
Impulse für den heutigen Handel dürften vor allem aus den USA kommen. Erzeugerpreise und Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe stehen im Fokus, nachdem die gestrigen Verbraucherpreise zwar im Rahmen der Erwartungen lagen, aber weiterhin über der Zwei-Prozent-Zielmarke der US-Notenbank liegen. Zuletzt gestiegene Ölpreise könnten sich in künftigen Daten noch stärker bemerkbar machen — aktuell stagnieren sie zumindest.
In Deutschland konzentriert sich die Berichtssaison heute auf Nebenwerte. RWE legte finale Zahlen vor und verzeichnete trotz eines erhöhten Investitionsziels ein moderates Kursplus, Thyssenkrupp zog im MDAX ähnlich nach. Im SDAX bewegten sich Werte wie Friedrich Vorwerk, Ottobock oder SMA Solar vorbörslich zwischen 2,5 und fünf Prozent im Plus, während sich bei HelloFresh und Evotec Kursverluste andeuteten. DHL Group und Lanxess gerieten nach Abstufungen durch Citigroup und Berenberg unter Druck, während TKMS nach einer Hochstufung durch Bernstein auf „Outperform“ seine Vortagesrally fortsetzte.
Für den weiteren Handelsverlauf dürfte sich der DAX zunächst in einer Spanne zwischen 26.250 und 26.550 Punkten bewegen. Fällt der Index nachhaltig unter 25.295 Punkte, wäre das Aufwärtsszenario technisch hinfällig — ein Anstieg über 27.000 Punkte hingegen würde die Rekordserie bestätigen.
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