Der deutsche Aktienmarkt startete mit deutlichen Kursgewinnen in die neue Handelswoche. Eine geopolitische Atempause im Nahen Osten und überraschend positive Konjunkturdaten aus Deutschland sorgten gestern für eine freundliche Stimmung auf dem Parkett. Die Anleger nutzten die entspannte Nachrichtenlage, um den Leitindex wieder näher an seine Rekordmarken zu führen.
Konjunkturdaten übertreffen Erwartungen
Das Ifo-Geschäftsklima stieg im Juli auf 86,6 Punkte, nach revidierten 85,7 Punkten im Vormonat. Dies markiert den dritten Anstieg in Folge und übertraf die durchschnittlichen Erwartungen der Volkswirte. Während die Einschätzung der aktuellen Lage durch die befragten Unternehmen leicht sank, hellten sich die Erwartungen für die kommenden sechs Monate spürbar auf. Ifo-Präsident Clemens Fuest konstatierte, dass die deutsche Wirtschaft weniger pessimistisch in die Zukunft blicke.
In der Industrie belebte sich die Nachfrage nach einer längeren Durststrecke, und auch im Baugewerbe sowie im Handel war eine Aufhellung der Stimmung zu verzeichnen. Experten der Commerzbank merkten jedoch einschränkend an, dass die Aussagekraft des Anstiegs teilweise durch die zum Zeitpunkt der Umfrage schwankenden Energiepreise beeinflusst worden sein könnte.
Entspannung im Nahen Osten entlastet Energiemärkte
Maßgeblichen Anteil an der gestrigen Markterholung hatte die Nachricht über eine militärische Angriffspause zwischen den USA und dem Iran. Nach 13 Nächten mit gegenseitigen Angriffen hielten beide Seiten gestern inne. Diese Deeskalation löste an den Rohstoffmärkten einen unmittelbaren Preisverfall aus. Der Preis für ein Fass der Nordseesorte Brent fiel zeitweise deutlich unter die Marke von 90 US-Dollar, was einem Rückgang von über sechs Prozent entsprach.
Die sinkenden Energiekosten wirkten wie ein Konjunkturprogramm für den Aktienmarkt. Besonders profitierten Luftfahrtwerte wie die Lufthansa, deren Papiere gestern um 1,9 Prozent zulegten, da Treibstoffkosten einen erheblichen Teil der Betriebsausgaben ausmachen. Parallel dazu gaben auch die Gaspreise um rund neun Prozent nach, was die Sorgen vor einer neuen Inflationswelle vorerst dämpfte.
SAP als Zugpferd und Ausblick auf die Fed
Unter den Einzelwerten im DAX stach SAP hervor. Der Softwarekonzern präsentierte Zahlen für das zweite Quartal, die insbesondere im Cloud-Segment überzeugten. Der Cloud-Auftragsbestand kletterte um 26 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro. Trotz einer leichten Korrektur der Gewinnprognose aufgrund hoher Investitionen in Künstliche Intelligenz zeigten sich Analysten optimistisch. Die Experten der UBS bestätigten ihre Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 164 Euro und verwiesen auf die beschleunigte Dynamik im Cloud-Geschäft. Die SAP-Aktie verzeichnete gestern Kursgewinne von bis zu acht Prozent.
Der DAX beendete den gestrigen Handelstag bei 25.361,03 Punkten, was einem Plus von 1,04 Prozent entspricht. Damit liegt der Index seit Jahresbeginn mit 3,55 Prozent im Plus und reduzierte den Abstand zu seinem 52-Wochen-Hoch auf lediglich -2,08 Prozent.
Die Marktteilnehmer richten ihre Aufmerksamkeit nun auf den morgigen Mittwoch, an dem die US-Notenbank Fed über die weitere Zinspolitik entscheidet. Während eine Zinspause als wahrscheinlich gilt, erhoffen sich Anleger Signale für den weiteren Jahresverlauf. Zudem erreicht die Berichtssaison in dieser Woche ihren Höhepunkt: Mit Mercedes-Benz, BMW, der Deutschen Bank und BASF legen mehrere Schwergewichte ihre Bilanzen vor. Auch die US-Tech-Giganten Microsoft, Meta und Apple werden mit ihren Quartalsberichten in den kommenden Tagen für weitere Impulse sorgen.
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