Der deutsche Leitindex hat am Dienstag den massiven Verwerfungen im globalen Technologiesektor getrotzt und den Handel mit Gewinnen beendet. Während die asiatischen Märkte, angeführt von zweistelligen Kursverlusten bei Samsung und SK Hynix, einbrachen und auch an der Wall Street insbesondere Halbleiterwerte unter Druck gerieten, stützte sich der DAX auf Kursgewinne in der klassischen Industrie und im Softwarebereich. Zum Handelsende am Dienstag notierte der Index bei 25.464,01 Punkten, was einem Plus von 0,41 Prozent entspricht.

Mercedes-Bilanz stützt trotz China-Schwäche

Ein wesentlicher Impulsgeber für die positive Entwicklung im deutschen Handel war die Mercedes-Benz Group. Trotz eines schwierigen Umfelds im wichtigen chinesischen Markt, wo der Pkw-Absatz um 30 Prozent einbrach, konnte der Konzern sein operatives Ergebnis (EBIT) im zweiten Quartal um 21,5 Prozent auf 1,55 Milliarden Euro steigern. Der Konzernumsatz sank zwar leicht um 3,3 Prozent auf 32,1 Milliarden Euro, doch die bereinigte Umsatzrendite in der Pkw-Sparte lag mit 4,0 Prozent am oberen Ende der Erwartungen.

Medienberichten zufolge profitierte das Unternehmen vor allem von einem starken Ergebnis bei den Vans und den Finanzdienstleistungen sowie einem disziplinierten Fixkostenmanagement. Analysten bewerteten die Zahlen unterschiedlich: Während die Experten von Jefferies ihre Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 52 Euro bestätigten, bleibt die UBS neutral eingestellt und sieht den fairen Wert bei 50 Euro. Die Mercedes-Aktie reagierte mit deutlichen Kursaufschlägen auf den Bericht, obwohl das Management die Umsatzprognose für das Gesamtjahr leicht senkte.

Chipsektor unter massivem Druck

Im Gegensatz zur relativen Stärke des Gesamtmarktes erlebten Halbleiterwerte einen schwarzen Handelstag. Auslöser waren Berichte über technologische Fortschritte in der chinesischen Chipproduktion, die Sorgen vor einem verschärften Wettbewerb und Überkapazitäten befeuerten. Zudem belasteten Warnungen vor einer möglichen Korrektur im KI-Sektor, da die massiven Investitionen der großen Tech-Konzerne zunehmend kritisch hinterfragt werden.

Im DAX spiegelte sich diese Entwicklung vor allem bei Infineon wider, die Aktie verlor am Dienstag 6,1 Prozent und markierte ein Drei-Monats-Tief. Auch im TecDAX kam es zu zweistelligen Kursabschlägen bei Werten wie Aixtron und SMA Solar. Dem stand jedoch eine anhaltende Stärke bei SAP gegenüber. Der Softwarekonzern setzte seinen Aufwärtstrend fort und legte am dritten Tag in Folge deutlich zu, was den Abwärtssog der Chipwerte für den Leitindex abfederte.

Blick auf Fed und weitere Quartalszahlen

Für den heutigen Mittwoch richtet sich die Aufmerksamkeit der Anleger primär auf die US-Notenbank Federal Reserve. Am Abend wird die Entscheidung über die Leitzinsen erwartet. Obwohl eine Mehrheit der Marktteilnehmer laut CME FedWatch von einer Zinspause ausgeht, haben Spekulationen über eine mögliche Überraschung in Form einer Anhebung zuletzt zugenommen. Dies hält die Volatilität an den Märkten hoch.

Auf der Unternehmensseite steht die Berichtssaison vor weiteren Höhepunkten. Mit der Deutschen Bank und BASF legen heute zwei Schwergewichte ihre Zahlen für das zweite Quartal vor. Die Deutsche Bank wird Analystenschätzungen zufolge einen Vorsteuergewinn von rund 2,3 Milliarden Euro ausweisen. BASF-Anleger erhoffen sich indes konkrete Details zum Geschäftsverlauf, nachdem das Unternehmen für das Gesamtjahr 2026 bisher einen Umsatz von über 63 Milliarden Euro anpeilt. Durch die positive Tendenz seit Jahresbeginn weist der DAX aktuell eine Performance von 3,98 Prozent auf und notiert damit etwa 1,92 Prozent über seinem 50-Tage-Durchschnitt.