Der DAX startet fester in den Handelstag. Die Futures deuten auf ein Plus hin, nachdem der Leitindex gestern trotz steigender Anleiherenditen 0,1 Prozent fester bei 25.399 Punkten geschlossen hatte. Im Tagesverlauf hatte der Index sogar die Marke von 25.617 Punkten erreicht. Heute liegt der Fokus auf harten Konjunkturdaten – und die könnten die freundliche Stimmung schnell wieder trüben.
Um 14:00 Uhr veröffentlicht das Statistische Bundesamt die vorläufige Inflationsrate für September. Ökonomen rechnen mit einem Anstieg auf 3,2 Prozent, nach 2,9 Prozent im August.
Eine Stunde später folgen in den USA die Konsumausgaben samt Preisindex – Zahlen, die mit Blick auf die zuletzt kräftig gestiegenen Anleiherenditen genau beobachtet werden. Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen kletterte zuletzt auf 5,60 Prozent, den höchsten Stand seit 2002.
KI-Fantasie trifft auf Zinssorgen
Rückenwind lieferte zuletzt die Technologiebranche. Ein durchgesickerter Börsenprospekt von Anthropic nennt Infrastrukturverpflichtungen von 518 Milliarden Dollar, US-Präsident Donald Trump setzt nach einem Treffen mit KI-Konzernchefs zudem auf freiwillige Selbstregulierung statt neuer Gesetze.
Infineon gewann daraufhin 4,8 Prozent, Siemens Energy legte um 3,5 Prozent zu. Die Frage, wie lange die KI-Euphorie steigende Zinsen kompensieren kann, bleibt jedoch unbeantwortet – die Kombination aus Wachstumsfantasie und Renditedruck sorgt für ein zweigeteiltes Bild im Index.
Am unteren Ende der Kursliste stand zuletzt Fresenius, nach einer Warnung der US-Arzneimittelbehörde FDA für die Kabi-Sparte. Auch Bayer geriet unter Druck, nachdem die Deutsche Bank für das dritte Quartal einen Rückgang des operativen Ergebnisses um zehn Prozent prognostizierte.
Parallel dazu halten mögliche Übernahmestorys die Marktteilnehmer in Atem: Commerzbank und Unicredit, Evonik und BASF sowie zuletzt auch Uniper und RWE stehen im Fokus der Spekulationen.
Unternehmenstermine im Blick
Neben den Preisdaten liefert der Tag auch unternehmensspezifische Impulse. Gerresheimer legt vorläufige Zahlen zum zweiten Quartal vor, BMW setzt seinen Kapitalmarkttag fort. In den USA öffnet am Abend Micron die Bücher – der Analystenkonsens liegt mit 31,35 Dollar Gewinn je Aktie bereits über der eigenen Prognose des Speicherchip-Herstellers.
Am Rohstoffmarkt setzte sich zuletzt die Entspannung fort: Brent notierte rund 103 Dollar je Barrel, nachdem Berichte über mögliche Lockerungen der Russland-Sanktionen die Preise weiter drückten. Gold kletterte dagegen auf 4.176 Dollar je Unze.
Für den DAX bleibt die Gemengelage aus Zinsdruck und KI-Fantasie das bestimmende Thema. Die Inflationszahl um 14:00 Uhr dürfte zeigen, ob sich der Preisdruck in Deutschland beschleunigt – ein Wert deutlich über den erwarteten 3,2 Prozent würde die Diskussion um die Zinspolitik neu befeuern.
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