Der abgelaufene Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran schickt die Anleger am Dienstag in den Verkaufsmodus. Washington lehnt eine Verlängerung der 60-tägigen Frist ab, Teheran droht mit einer „vollständig offensiven“ militärischen Haltung.

Der DAX rutschte im Vormittagshandel bis auf 26.153 Punkte ab und notierte zuletzt rund 0,5 Prozent im Minus bei etwa 26.220 Zählern — nach dem Allzeithoch von 26.573 Punkten in der Vorwoche setzt sich damit die Konsolidierung fort.

Der Ölpreis liefert den Takt für die Nervosität. Brent-Rohöl kletterte auf über 91 Dollar je Barrel, nachdem sich die Lage rund um die Straße von Hormus weiter zugespitzt hat.

Parallel dazu kratzen die Anleiherenditen an mehrjährigen Höchstständen: Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen zieht spürbar an, während 30-jährige US-Staatsanleihen den höchsten Stand seit 2007 erreicht haben. Anleihen werden damit zur ernsthaften Konkurrenz für Aktien im Kampf um Anlegerkapital.

Zinssensible Werte unter Druck, Energie gefragt

Besonders hart trifft es die zinssensiblen Technologiewerte. Infineon verlor bis zu 4,2 Prozent, Siemens Energy und Siemens gaben ebenfalls nach. Auf der Gewinnerseite stehen dagegen Energietitel: BP, Shell und Totalenergies profitieren von den steigenden Ölpreisen, während Deutsche Telekom sich gegen den Trend stemmt und zulegt.

Für Bewegung bei Einzelwerten sorgten zudem Analystenurteile. Lanxess brach nach einer Abstufung durch Exane BNP Paribas auf „Underperform“ mit gesenktem Kursziel von 12 Euro deutlich ein. Sixt und Schott Pharma dagegen legten kräftig zu, nachdem Berenberg und Barclays ihre Einstufungen angehoben hatten.

Ein Lichtblick kam von der Konjunkturfront: Der ZEW-Indikator der Wirtschaftserwartungen stieg im August um 7,9 Punkte auf 34,2 und übertraf die Erwartungen der Ökonomen deutlich. Es ist der höchste Stand seit Februar — ein Hinweis darauf, dass Deutschlands Reformpaket allmählich Wirkung zeigt. Auch die Lagebeurteilung verbesserte sich merklich, während die Inflationserwartungen zurückgingen.

Die Gemengelage bleibt fragil. Solange der Ölpreis auf erhöhtem Niveau verharrt und die Anleiherenditen weiter steigen, dürfte der DAX es schwer haben, an seine jüngste Rekordjagd anzuknüpfen.