Der Freitag hätte ruhiger verlaufen können. Stattdessen sorgten neue Spannungen im Nahen Osten dafür, dass der DAX den Schwung der Wochenmitte komplett abgab — und die psychologisch wichtige Marke von 25.000 Punkten wieder in weite Ferne rückte.

Am Nachmittag notierte der Index rund 0,9 Prozent tiefer bei etwa 24.434 Punkten. Noch zur Wochenmitte hatte er diese Schwelle erstmals seit Ausbruch des Iran-Kriegs zeitweise überwunden. Das Allzeithoch bei 25.508 Punkten war fast greifbar nah.

Hormuz-Konflikt lässt Anleger nicht los

Der Auslöser für die Eintrübung ist eindeutig: Die seit rund einem Monat bestehende Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran gerät zunehmend unter Druck. Iranische Angriffe auf US-Zerstörer in der Straße von Hormus zogen amerikanische Gegenschläge nach sich. Trump forderte Teheran auf, „schnell“ eine Friedensvereinbarung zu unterzeichnen — die formale Waffenruhe gilt zwar noch, doch das Vertrauen der Märkte schwindet.

Für Jochen Stanzl von der Consorsbank liegt das eigentliche Risiko genau hier: Ein zuletzt von KI-Optimismus getragener Markt, der Geopolitik zunehmend ausgeblendet hatte, könnte durch einen ungelösten Iran-Konflikt kalt erwischt werden.

Die Ölpreise reagierten prompt und zogen wieder an — ein Signal, das Inflationsängste schürt und die Hoffnung auf baldige Zinssenkungen dämpft.

Rheinmetall trifft es besonders hart

Unter den Einzelwerten stach Rheinmetall negativ heraus. Der Rüstungstitel verlor zum Wochenschluss weitere rund 8 Prozent, nachdem er bereits am Vortag kräftig gefallen war. Auslöser war eine deutliche Kurszielsenkung durch JPMorgan: Analyst David Perry, der Rücksetzer bei Rheinmetall bislang stets als Einstiegsgelegenheit bewertet hatte, stutzte sein Ziel von 2.130 auf 1.500 Euro — und stufte die Aktie von „Overweight“ auf „Neutral“ zurück. Der seit Januar laufende Abwärtstrend beschleunigt sich damit spürbar.

Auf der Gegenseite zeigte der Waferhersteller Siltronic, dass der KI-Boom selektiv durchaus Früchte trägt: Die Aktie legte rund 5 Prozent zu und hat sich seit Anfang April fast verdoppelt.

Berichtssaison liefert gemischtes Bild

In der Quartalssaison lief es am Freitag ruhiger ab. Die Commerzbank hob ihre Prognosen an, büßte an der Börse dennoch rund 2,5 Prozent ein — RBC-Analysten sprachen von ambitionierten Zielen. Der US-Arbeitsmarktbericht für April fiel mit einem stärker als erwartet gestiegenen Stellenaufbau überraschend positiv aus, ließ die Kurse aber weitgehend kalt. Das Lohnwachstum blieb etwas hinter den Erwartungen zurück, was die Inflationssorgen zumindest leicht dämpfte.

Der strukturelle Rückenwind bleibt intakt: DAX-Gewinnerwartungen notieren laut Commerzbank auf einem Allzeithoch, gestützt von starken Exportmärkten in den USA und China. Ein formaler Friedensschluss mit dem Iran könnte den Index rasch auf neue Rekordhöhen treiben — doch genau das bleibt der entscheidende Unsicherheitsfaktor.