Ein tiefroter Handelsstart, ein Chip-Ausverkauf in Asien mit zweistelligen Verlusten und eine weitere US-Angriffswelle gegen den Iran — und am Ende steht der DAX trotzdem im Plus. Diese Gelassenheit hat einen Namen: Schnäppchenjäger.
Der deutsche Leitindex schloss am Montag mit 25.114 Punkten, ein Plus von 0,2 Prozent. Damit behauptete er die Marke von 25.000 Punkten und blieb knapp über der für den kurzfristigen Trend wichtigen 21-Tage-Linie. Der MDAX zog um 0,2 Prozent auf knapp 31.982 Punkte an, der TecDAX legte sogar 0,8 Prozent zu.
Ölpreis steigt, Reisewerte leiden
Auslöser der Nervosität war die vierte US-Angriffswelle gegen den Iran binnen einer Woche. Das US-Militär griff in der Nacht auf Montag erneut an, US-Präsident Donald Trump kündigte zudem die Wiederaufnahme einer Seeblockade gegen iranische Häfen an. Der Ölpreis reagierte prompt: Brent verteuerte sich am Nachmittag um 4,4 Prozent auf über 79 Dollar pro Fass.
Die Reisebranche bekam das direkt zu spüren. Lufthansa verlor 4,1 Prozent, Tui gab 1,1 Prozent nach. Fraport konnte sich mit einem Plus von 1,8 Prozent gegen den Trend stemmen — hier stützten positive Analystenkommentare trotz gesenkter Passagierprognose. Frachtreeder wie Hapag-Lloyd profitierten dagegen von der Aussicht auf steigende Transportraten, sollte die Straße von Hormus erneut zum Krisenherd werden. Laut Rabobank stufen die Märkte das Risiko dort derzeit als beherrschbar ein — der Lagerabbau der vergangenen Monate und gesunkene chinesische Ölimporte hätten den unmittelbaren Preisdruck gemindert.
Chip-Schwäche erreicht Infineon nur gedämpft
Deutlich here spürbarer war der zweite Belastungsfaktor: ein Ausverkauf bei asiatischen Technologiewerten. Der südkoreanische Kospi brach um rund 9 Prozent ein, angeführt von Samsung Electronics mit minus 10 Prozent und SK Hynix mit minus 15 Prozent. Im DAX blieb der Kollateralschaden überschaubar — Infineon verlor 2,9 Prozent, Siemens Energy gab 1 Prozent nach.
Auf der Gewinnerseite dominierten defensive Namen. Brenntag legte um 3,6 Prozent zu, Siemens Healthineers um 2,8 Prozent. Die Deutsche Börse gewann 3 Prozent — Anleger positionierten sich offenbar bereits vor den anstehenden Quartalszahlen des Börsenbetreibers in der kommenden Woche. Bei Hellofresh ging der Abwärtstrend dagegen weiter: Nach einem neuen Rekordtief bei 3,63 Euro stufte Kepler Cheuvreux die Aktie auf „Reduce“ mit Kursziel 3,50 Euro ab und verwies auf gesenkte Erwartungen bis 2028.
Für die kommende Handelswoche bleibt die Frage im Raum, ob der Ölpreis seinen Anstieg fortsetzt und damit neue Inflationssorgen schürt. Die Zahlen der Deutschen Börse am Donnerstag dürften unterdessen zeigen, ob die defensive Rotation der vergangenen Tage fundamental gerechtfertigt war.
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