Der deutsche Leitindex zieht sich weiter von seinen Rekordständen zurück. Noch vor zwei Wochen jubelten Anleger über ein Allzeithoch, jetzt dominiert Verkaufsdruck aus dem Technologiesektor den Handel. Der Rückschlag zeigt, wie schnell sich die Stimmung drehen kann, wenn die einstigen Gewinner der KI-Rally plötzlich zur Last werden.

Am Freitagmorgen taxierte der X-DAX den Index rund 0,8 Prozent tiefer bei etwa 24.700 Punkten. Damit summiert sich der Wochenverlust auf 1,4 Prozent. Seit dem Rekordhoch von 25.900 Punkten Anfang Juli hat der DAX bereits 4,6 Prozent eingebüßt.

Chip-Ausverkauf hält an

Der Auslöser liegt weniger in Frankfurt als in Asien und an der Nasdaq. Dort geraten Halbleiter- und KI-Aktien seit Tagen unter Druck, nachdem die Rally bis in den Juni hinein viele Anleger zu Gewinnmitnahmen verleitet hat. Selbst Zahlen von ASML und Taiwan Semiconductor Manufacturing, die klar über den Erwartungen lagen, konnten die Stimmung nicht drehen.

Marktbeobachter verweisen zudem auf eine Korrektur bei gehebelten Anlageprodukten, die KI-Investments auf Kredit ermöglicht hatten — ein Prozess, der nach Einschätzung von Marktexperten noch eine Weile andauern könnte. Verschärft wird die Lage durch den Konflikt im Nahen Osten: Steigende Ölpreise nähren die Sorge vor höherer Inflation und einer restriktiveren Geldpolitik der US-Notenbank. Analysten der Consorsbank beobachten dabei, dass zunehmend auch unbeteiligte Aktien in den Abwärtsstrudel gezogen werden, weil Anleger Verluste bei Technologiewerten durch Verkäufe in anderen Sektoren ausgleichen.

Einzelwerte trotzen dem Trend

Nicht alle Werte schwimmen mit dem Strom. SMA Solar legte vorbörslich um rund 10 Prozent zu, nachdem der Wechselrichter-Hersteller starkes Quartalswachstum meldete und seine Jahresziele erneut anhob. Jefferies bestätigte seine Kaufempfehlung und erhöhte das Kursziel.

Gegenläufig entwickelten sich die Papiere von Dermapharm. Sie verloren etwa 9 Prozent, nachdem die Finanzaufsicht BaFin eine Prüfung des Jahresabschlusses für 2025 eingeleitet hatte.

Charttechnisch bewegt sich der DAX derzeit zwischen den gleitenden Durchschnitten der vergangenen 20 und 50 Handelstage — eine Konsolidierung, die als Basis für eine Fortsetzung des langfristigen Aufwärtstrends dienen könnte. Die Analysten sehen eine erste Hürde bei rund 25.050 Punkten, sollte der Index dort scheitern, rückt die Marke von 24.550 Punkten in den Blick. Für den heutigen Handelstag erwarten Charttechniker eine Spanne zwischen 24.500 und 24.850 Punkten.

Impulse dürften am Nachmittag von US-Daten zu Baubeginnen, Industrieproduktion sowie dem Konsumentenvertrauen der Universität Michigan kommen. Sollte der DAX die Marke von 24.038 Punkten nachhaltig unterschreiten, wäre laut Charttechnikern das positive Szenario einer schnellen Trendfortsetzung vom Tisch.