Fünf DAX-Titel mit zweistelligem Monatsplus — und alle aus unterschiedlichen Branchen. Was Industrie, Energie, Banken, Sportartikel und Baustoffe gerade verbindet: ein kräftiger Kapitalzufluss, der weit über die übliche Marktdynamik hinausgeht. Der Blick auf die fünf stärksten Momentum-Werte im DAX zeigt, wo Anleger aktuell zugreifen.
| Rang | Unternehmen | 30-Tage-Rendite |
|---|---|---|
| 1 | Siemens | 27,10 % |
| 2 | Siemens Energy | 23,78 % |
| 3 | Commerzbank | 17,22 % |
| 4 | Adidas | 13,59 % |
| 5 | Heidelberg Materials | 12,86 % |
Siemens: Neues Allzeithoch zum Wochenstart
Siemens hat heute die Marke von 266,90 € erreicht — ein frisches 52-Wochen-Hoch, das zugleich das bisherige Jahreshoch markiert. Innerhalb von nur 30 Tagen hat die Aktie über 27 % zugelegt. Für einen Titel mit dreistelliger Milliardenbewertung ist das ein außergewöhnliches Tempo.
Die Kaufwelle speist sich vor allem aus der starken Nachfrage nach Automatisierungslösungen. Unternehmen weltweit investieren massiv in die Digitalisierung ihrer Fabriken — nicht zuletzt, um den Fachkräftemangel aufzufangen. Software für Fabrikplanung und effiziente Steuerungssysteme treiben die Auftragseingänge in der Sparte Digital Industries. Gleichzeitig liefert Smart Infrastructure stabile Erträge, getragen von der globalen Elektrifizierungswelle.
Der RSI von 73,5 signalisiert allerdings eine zunehmend überkaufte Lage. Ein Kurs, der mehr als 15 % über dem 50-Tage-Durchschnitt notiert, birgt das Risiko kurzfristiger Gewinnmitnahmen. Wer jetzt einsteigt, setzt darauf, dass die operative Exzellenz das erhöhte Bewertungsniveau rechtfertigt.
Siemens Energy: Netzausbau füllt die Auftragsbücher
Kaum weniger beeindruckend präsentiert sich Siemens Energy. Die Aktie notiert bei 184,98 € — nur knapp unter dem 52-Wochen-Hoch. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von über 50 % zu Buche, auf Zwölfmonatssicht hat sich der Kurs sogar mehr als verdoppelt.
Der Haupttreiber: der weltweite Ausbau der Stromnetze. Transformatoren und Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungssysteme werden dringend gebraucht, um erneuerbare Energien in die Verbrauchszentren zu leiten. Die Auftragsbücher in der Sparte Grid Technologies reichen teilweise bis weit ins nächste Jahrzehnt. Auch die Sanierung der Windkrafttochter Gamesa scheint Fortschritte zu machen, was die Risikoprämie auf die Aktie deutlich gesenkt hat.
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Trotz des Aufwärtstrends bleibt die Volatilität hoch — annualisiert liegt sie bei über 53 %. Die Profitabilität im Windsektor ist weiterhin eine Baustelle, auch wenn der Markt die Chancen der Energiewende derzeit klar höher gewichtet als die operativen Altlasten.
Commerzbank: Bankentitel mit dem heißesten RSI im DAX
Die Commerzbank legte heute um 3,68 % auf 36,90 € zu und rückt damit in Schlagdistanz zum 52-Wochen-Hoch. Was auffällt: Der RSI von 88,8 ist extrem überkauft — ein Wert, den man bei einem DAX-Titel selten sieht. Das Monatsplus von gut 17 % unterstreicht die Dynamik.
Zwei Faktoren treiben die Rally:
- Stabile Zinserträge: Das aktuelle Zinsniveau hält die Nettozinseinkommen deutlich über dem historischen Schnitt der vergangenen Dekade.
- Effizienzgewinne: Kostensenkungen der letzten Jahre schlagen voll auf die Eigenkapitalrendite durch. Aktienrückkäufe und attraktive Dividenden verstärken den Kaufdruck.
Hinzu kommt die immer wieder aufflammende Konsolidierungsfantasie im europäischen Bankensektor, die spekulative Käufe begünstigt. Kein Wunder also, dass die Aktie auf Zwölfmonatssicht rund 51 % im Plus liegt. Die konjunkturelle Lage in Deutschland bleibt allerdings das zentrale Risiko — als Bank für den Mittelstand hängt die Kreditqualität direkt an der Investitionsbereitschaft hiesiger Unternehmen.
Adidas: Erholung vom Tiefpunkt, aber noch weit vom Hoch entfernt
Adidas zeigt ein anderes Muster als die drei Spitzenreiter. Die Aktie legte heute kräftig um 4 % auf 148,35 € zu und hat im vergangenen Monat gut 13 % gewonnen. Der entscheidende Unterschied: Auf Jahressicht steht immer noch ein Minus von fast 12 %, und das 52-Wochen-Hoch von 223,50 € liegt mehr als 33 % entfernt.
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Hier handelt es sich also weniger um einen Ausbruch nach oben als um eine Erholung von einem tiefen Niveau. Im April markierte die Aktie bei 130,60 € ihr 52-Wochen-Tief. Seitdem hat sich das Bild aufgehellt. Die Rückbesinnung auf Kernmodelle im Lifestyle-Segment zahlt sich aus. Lagerbestände konnten abgebaut, Rabattaktionen reduziert werden — das stützt die Bruttomarge.
Der Kurs notiert allerdings noch unter dem 200-Tage-Durchschnitt, was aus charttechnischer Sicht einen intakten Abwärtstrend signalisiert. Das moderate Momentum deutet eher auf eine Bodenbildung als auf den Beginn einer neuen Rallyphase hin. Das globale Konsumklima und die Entwicklung in China bleiben die entscheidenden Variablen.
Heidelberg Materials: Stiller Gewinner mit Preissetzungsmacht
Am unteren Ende des Rankings, aber keineswegs schwach: Heidelberg Materials hat im letzten Monat knapp 13 % zugelegt und notiert aktuell bei 192,25 €. Der Tagesgewinn von 4,26 % war heute der zweitstärkste unter den fünf Titeln.
Für einen Baustoffkonzern in einem als schwierig geltenden Bauumfeld ist das bemerkenswert. Die Strategie, massiv in Carbon Capture and Storage zu investieren, verschafft einen regulatorischen Wettbewerbsvorteil — gerade wenn CO₂-Emissionen immer stärker bepreist werden. Staatliche Infrastrukturprogramme in den USA und Europa stabilisieren die Nachfrage nach Zement und Zuschlagstoffen, selbst wenn der private Wohnungsbau schwächelt.
Wie bei Adidas liegt der Kurs noch deutlich unter dem 52-Wochen-Hoch — der Abstand beträgt knapp 20 %. Auch hier steht auf Jahressicht ein Minus von rund 13,5 %. Die jüngste Erholung zeigt aber, dass Investoren die Preissetzungsmacht des Konzerns anerkennen, mit der gestiegene Energiekosten an Kunden weitergegeben werden konnten.
Fünf Momentum-Titel, zwei unterschiedliche Stories
Die fünf stärksten Momentum-Werte im DAX erzählen im Grunde zwei Geschichten. Siemens, Siemens Energy und Commerzbank befinden sich in robusten Aufwärtstrends — sie notieren nahe oder auf neuen Hochs, getragen von strukturellen Treibern wie Digitalisierung, Netzausbau und stabilen Zinserträgen. Adidas und Heidelberg Materials hingegen erholen sich von markanten Tiefpunkten, wobei die übergeordneten Abwärtstrends noch nicht gebrochen sind.
Gemeinsam ist allen fünf Titeln eine überdurchschnittliche Volatilität von jeweils über 39 %. Das hohe Momentum lockt Käufer an, erhöht aber auch das Risiko schneller Rücksetzer. Besonders bei der Commerzbank mahnt der extreme RSI-Wert zur Vorsicht. Der DAX profitiert aktuell von einer breiten sektorübergreifenden Erholung — wie nachhaltig sie ausfällt, wird sich an den kommenden Quartalszahlen entscheiden.
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