Vier Gewinnwochen in Folge, ein Allzeithoch nur wenige Punkte entfernt — eigentlich müsste der DAX zum Wochenstart Party feiern. Stattdessen bewegt er sich am Montagmorgen kaum von der Stelle. Die Rekordjagd ist noch nicht vorbei, aber sie hat merklich an Tempo verloren.

Der Index startete bei rund 26.465 Punkten in den Handel, nur knapp über dem Freitagsschluss von 26.440 Punkten. Damit bleibt er in Reichweite seines Allzeithochs von 26.574 Punkten, das er am vergangenen Mittwoch markiert hatte. Auf Wochensicht steht nach vier positiven Wochen in Serie ein Plus von sechseinhalb Prozent, das Jahresplus liegt bei knapp acht Prozent.

Der Iran-Krieg verliert seinen Schrecken

Bemerkenswert ist, wie wenig der ungelöste Nahost-Konflikt die Anleger noch beeindruckt. Das Rahmenabkommen zur Klärung des iranischen Atomprogramms läuft aus, ohne dass Fortschritte erzielt wurden. US-Präsident Donald Trump kündigte am Wochenende zudem an, nach Kriegsende die Kontrolle über die Straße von Hormus übernehmen zu wollen — der Iran wies das zurück und stellte Gespräche mit den USA offen infrage.

Marktbeobachter sprechen von einer gewissen Schlagzeilen-Müdigkeit. Ähnlich wie beim Russland-Ukraine-Krieg reagiere der Markt nicht mehr auf jede Nachricht mit heftigen Ausschlägen. Das dürfte tatsächlich ein gesundes Zeichen sein — es zeigt, dass Anleger geopolitisches Risiko inzwischen einpreisen, statt in Panik zu verkaufen.

Fundamentaldaten stützen die Rekordlaune

Hinter der Robustheit stecken handfeste Gründe. JPMorgan-Stratege Mislav Matejka verweist auf steigende Unternehmensgewinne und eine Marktbreite, die zunehme — die Rally trage sich also nicht nur auf wenigen Schultern. Baader-Bank-Analyst Robert Halver spricht von einer „sonnigen Börsenstimmung“, getragen von wachsender Weltkonjunktur, nachlassender Inflation und einer zurückhaltenden US-Notenbank.

Seit dem Jahrestief im März, als der Index wegen des Iran-Kriegs und explodierender Ölpreise unter 22.000 Punkte gefallen war, hat der DAX über ein Fünftel zugelegt. Der Ölpreis selbst gibt sich derzeit erstaunlich gelassen: Brent notiert bei rund 88 Dollar je Barrel, kaum verändert zur Vorwoche.

Auf Einzeltitelebene bleibt die Nachrichtenlage dünn, da die Berichtssaison sich dem Ende zuneigt. Infineon zählte zuletzt zu den Favoriten im Index, nachdem Goldman Sachs die Aktie optimistischer einschätzte. Vonovia gab dagegen nach, seit Exane BNP die Einstufung „Underperform“ erneuerte.

Der Blick richtet sich nun auf die Woche voraus: Am Mittwoch veröffentlicht die US-Notenbank ihr Sitzungsprotokoll, am Donnerstag folgt mit Walmart ein wichtiger Indikator für die US-Konsumlaune. Am Freitag stehen die vorläufigen Einkaufsmanagerindizes für Europa und die USA an — Impulse, die zeigen könnten, ob der DAX seine Rekordmarke von 26.574 Punkten in dieser Woche endlich knackt.