Nach dem Rücksetzer auf das Vorwochentief zeigt sich der Index heute von seiner freundlicheren Seite. Der DAX-Future legt am Morgen deutlich zu und signalisiert eine positive Eröffnung, nachdem der Kassa-Index gestern zwischenzeitlich bis auf 25.164 Punkte zurückgefallen war — das niedrigste Niveau seit Ende Juli. Auslöser der Erholung sind neue diplomatische Signale aus dem Nahen Osten.

Iran-Vorschlag beruhigt die Ölmärkte

Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi soll dem Weißen Haus einen neuen Plan zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus vorgelegt haben, orientiert am Memorandum von Juni. Die Ölpreise reagierten prompt und gaben nach dem starken Anstieg vom Vortag wieder nach. Brent-Rohöl fiel unter 106 US-Dollar je Barrel zurück. Für den DAX ist das eine spürbare Entlastung, denn steigende Energiepreise hatten die Stimmung zuletzt belastet.

Ganz frei von Risiken ist die Lage trotzdem nicht. Das Gipfeltreffen zwischen Donald Trump und Xi Jinping brachte laut übereinstimmenden Einschätzungen keine neuen Impulse für die Märkte — die Zollpause zwischen den USA und China wurde lediglich bis Mitte Januar verlängert. Hinzu kommt ein Belastungsfaktor aus den USA: Die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen kletterte in der Nacht auf 5,20 Prozent, ein Niveau, das seit Juli 2007 nicht mehr erreicht wurde. Steigende Anleiherenditen konkurrieren mit Aktien um Anlagekapital und dürften die Erholung des DAX begrenzen.

Charttechnik bleibt zweigeteilt

Der Index bewegt sich weiterhin in der Spanne zwischen 25.172 und 25.800 Punkten, ohne eine klare Richtung vorzugeben. Ein nachhaltiger Befreiungsversuch nach oben würde erst mit der Rückeroberung des 50-Tage-Durchschnitts bei rund 25.653 Punkten glaubwürdig — dann rückten die Marken bei 25.900 und 26.080 Punkten in Reichweite. Fällt der Index dagegen erneut unter das Vorwochentief von 25.172 Punkten, droht ein Test der Region um 24.480 Punkte.

Der VDAX-New, das Angstbarometer des deutschen Marktes, notiert bei 16,84 Prozent und damit noch im als „normal“ geltenden Bereich unterhalb der 17-Prozent-Marke — allerdings mit steigender Tendenz gegenüber dem Vortag. Der Fear-&-Greed-Index steht bei 35 Punkten und signalisiert damit weiterhin Furcht statt Gier unter den Marktteilnehmern.

Bis zum Nachmittag dürfte sich zeigen, ob die Erholungsversuche aus dem Nahost-Umfeld tragfähig genug sind, um den DAX über die 50-Tage-Linie zu heben. Scheitert der Versuch, bleibt die Marke bei 25.172 Punkten die entscheidende Verteidigungslinie für die Bullen.