Der Schwung vom Pfingstmontag ist verflogen. Am Dienstag gibt der DAX nach und notiert zur Mittagszeit rund 0,5 bis 0,7 Prozent im Minus — ein nüchterner Kontrast zur euphorischen Stimmung der Vortage, als der Index zeitweise bis auf 25.438 Punkte geklettert war und das Allzeithoch vom Januar bei 25.507 Punkten fast berührte.
Öl und Geopolitik als Bremse
Der Auslöser für die Zurückhaltung kommt aus dem Nahen Osten. Das US-Militär hat trotz bestehender Waffenruhe im Iran Raketenstellungen angegriffen und im Bereich der Straße von Hormus Boote attackiert. Der Brent-Preis reagierte prompt und stieg auf knapp 99 Dollar je Fass — ein Plus von rund 2,8 Prozent gegenüber dem Vortag. Die psychologisch wichtige Marke von 100 Dollar rückt damit in Reichweite. Notiert Brent dauerhaft darüber, dürfte der Inflationsdruck wieder zunehmen — mit entsprechenden Folgen für die Zinspolitik der EZB.
EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel hat die Erwartungen heute bereits gedämpft: Selbst eine schnelle Lösung des Konflikts würde eine Zinserhöhung im Juni nicht verhindern. „Auch wenn der Krieg heute enden würde, wurden bereits erhebliche Schäden an der Energieinfrastruktur angerichtet“, sagte sie.
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Technologiewerte und Einzelwerte unter Druck
Im laufenden Handel leiden vor allem die Werte, die in den vergangenen Wochen besonders stark gelaufen sind. Technologiewerte stehen unter Gewinnmitnahmedruck, allen voran Infineon mit einem Minus von etwa 1,4 Prozent. MWB Research hob das Kursziel für den Chiphersteller zwar von 58 auf 60 Euro an, stufte die Aktie aber auf Verkauf herunter — sie notiere deutlich oberhalb des revidierten Zielwerts.
Merck verliert rund 1,9 Prozent auf etwa 127,60 Euro. Jefferies-Analyst James Vane-Tempest stuft die Aktie neu mit „Hold“ und einem Kursziel von 129 Euro ein, während JPMorgan die Papiere weiterhin für unterbewertet hält — ein gespaltenes Analystenbild.
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Am anderen Ende der Kursliste halten sich defensive Werte besser. E.ON und Zalando gehören zu den wenigen Gewinnern im Index.
Technisches Bild noch intakt
Trotz der aktuellen Schwäche bleibt die technische Ausgangslage vorerst konstruktiv. Der DAX hält sich über der 25.000er-Marke, und der gleitende 20-Stunden-Durchschnitt bei rund 25.340 Punkten hat Rücksetzer im Tagesverlauf bislang aufgefangen. Erst ein nachhaltiger Rutsch darunter würde das kurzfristig bullische Bild eintrüben. Solange das nicht passiert, bleibt der Weg zum Allzeithoch bei 25.507 Punkten aus technischer Sicht offen — vorausgesetzt, die Lage im Nahen Osten eskaliert nicht weiter.
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