Die Entspannung am Öl- und Anleihemarkt hat dem DAX gestern geholfen, den weltweiten Ausverkauf bei Technologiewerten abzufedern. Hinzu kam die geringere Gewichtung von Chipwerten. Damit standen den Belastungen durch höhere US-Zinserwartungen mehrere Stützen gegenüber.
Der deutsche Leitindex gewann 0,3% – trotz des Drucks auf Infineon. Entscheidend war somit nicht das Ausbleiben schlechter Nachrichten, sondern deren unterschiedliche Wirkung auf den Index.
Unterschiedliche Kräfte im Index
Handelsblatt und Reuters berichteten über den Gegensatz zwischen dem internationalen Technologie-Ausverkauf und der widerstandsfähigeren Entwicklung des DAX. Insbesondere Infineon litt unter dem Verkaufsdruck bei Chipaktien und den Sorgen vor höheren US-Zinsen. Die geringere Bedeutung dieser Branche im Index begrenzte jedoch die Auswirkungen auf den Gesamtmarkt.
Für Anleger ist diese Unterscheidung wichtig: Ein freundlicher Indexschluss bedeutet nicht, dass die Belastungen für einzelne Mitglieder verschwunden sind. Gestern reichten die gegenläufigen Einflüsse aus, um den DAX im Plus zu halten. Daraus lässt sich aber keine allgemeine Entwarnung für Technologiewerte ableiten.
Bereits am Montag hatten sinkende Ölpreise den deutschen Aktienmarkt unterstützt. Reuters führte dies auf Hoffnungen auf eine Energie-Waffenruhe zwischen Russland und der Ukraine zurück. Auch Bankaktien zählten damals zu den Stützen. Die Entlastung am Energiemarkt war damit im Wochenverlauf wiederholt ein Gegengewicht zu anderen Risiken.
Dabei bleibt die Unterscheidung zwischen Hoffnung und bestätigtem Ereignis wesentlich. Die am Montag genannten Waffenruhe-Hoffnungen erklären einen Teil der Marktbewegung; sie belegen keine tatsächliche Vereinbarung.
US-Inflation begrenzt die Entlastung
Auf der anderen Seite stehen die US-Verbraucherpreise. Nach den am Mittwoch veröffentlichten Angaben des US-Arbeitsministeriums stiegen sie im September um 3,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Im August hatte die Rate bei 3,4 Prozent gelegen. Der stärker als erwartete Preisanstieg schürte Zinssorgen und bremste den DAX.
Der gestrige Handelstag hob diese Belastung nicht auf. Er zeigte vielmehr, dass Ölpreise, Anleihemarkt und Indexzusammensetzung zeitweise stärker wirken können als der Druck aus dem Technologiesektor.
Die Einordnung lautet deshalb: Der DAX konnte negative Impulse ausgleichen, nicht abschütteln. Für die Bewertung seiner Widerstandskraft bleibt entscheidend, ob die entlastenden Faktoren den fortbestehenden Inflations- und Zinssorgen weiterhin genügend Gewicht entgegensetzen.
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