Der DAX startet die Woche mit roten Vorzeichen. Nach der Eröffnung fiel der Index um 0,2 bis 0,3 Prozent auf rund 25.500 Punkte, nachdem er am Freitag noch mit einem Plus von 0,8 Prozent bei 25.569 Zählern aus dem Handel gegangen war. Zwei Themen bestimmen die Stimmung: der Ölpreis und die bevorstehende Zinsentscheidung der US-Notenbank.

Ölpreis als Belastungsfaktor

Brent-Rohöl kostet wieder deutlich über 100 Dollar je Barrel, nachdem mit dem Iran verbündete Huthi-Rebellen eine strategisch wichtige Insel in der Meerenge Bab al-Mandab eingenommen haben. Die Kontrolle über diesen Nadelöhr-Punkt zwischen Rotem Meer und Indischem Ozean nährt Sorgen um die globalen Warenströme. Steigende Energiepreise befeuern die Inflation — und genau das setzt Notenbanken unter Zugzwang.

Die Europäische Zentralbank hat ihre Geldpolitik bereits gestrafft. Am Mittwoch nach Börsenschluss in Europa dürfte die Fed nachziehen. Die August-Kerninflation in den USA war etwas stärker gestiegen als erwartet, was die Markterwartung einer Zinserhöhung auf rund 87 Prozent trieb — vor den Daten lag sie noch bei etwa 70 Prozent.

Auffällig: Der neue Fed-Chef Kevin Warsh hat sich von der Praxis verabschiedet, den Märkten vorab Signale zu geben. Ein Zinsschritt gilt daher als wahrscheinlich, aber nicht als ausgemachte Sache.

Bewertungsvorteil für europäische Aktien

Höhere Zinsen verteuern Finanzierungen und machen Anleihen als Alternative attraktiver — eine klassische Belastung für Aktienmärkte. Die Analysten der DZ Bank sehen europäische Börsen im internationalen Vergleich aber im Vorteil: Sie gelten als günstiger bewertet, während die Unternehmensgewinne bereits kräftig wachsen. US-Märkte seien dagegen stärker darauf angewiesen, dass die hohen Gewinnerwartungen tatsächlich eintreffen.

Auf Wochensicht zeigt sich das gemischte Bild im DAX auch bei den Einzelwerten. Infineon führte am Freitag die Gewinnerliste mit einem Plus von rund 5 Prozent an, gefolgt von Siemens und Deutscher Telekom. Am anderen Ende stand BASF mit einem Abschlag von 2,4 Prozent, während Flatexdegiro nach überraschenden Wechseln im Aufsichtsrat rund 8 Prozent verlor — Auslöser waren unterschiedliche Auffassungen über die künftige strategische Ausrichtung.

Der Index bewegt sich damit spürbar unter seinem Rekordhoch vom 28. August, als der DAX intraday bei 26.618,74 Punkten und auf Schlussbasis bei 26.569,99 Zählern notierte. Charttechnisch gilt die Marke von 25.390 bis 25.290 Punkten als nächste Unterstützung, sollte der Index seinen kurzfristigen Aufwärtstrend verlieren.

Die Woche bietet neben dem Fed-Entscheid am Mittwoch weitere Taktgeber: Einzelhandelsdaten aus den USA, chinesische Industriezahlen am Dienstag sowie Kapitalmarkttage von DHL, Bechtle, Wacker Chemie und Kontron am Donnerstag. Kontron will dabei seine Unternehmensstrategie bis 2030 vorstellen.