Der DAX hat sich am Donnerstag ein Stück von seinem Rekordhoch entfernt – und der Grund dafür liegt nicht bei deutschen Unternehmen, sondern beim Rohöl.
Der deutsche Leitindex schloss mit einem Minus von 0,12 Prozent bei 26.299,74 Punkten, nachdem er sich im Handelsverlauf zeitweise seiner Bestmarke bis auf knapp 100 Punkte genähert hatte. Im Frühhandel am Freitag zeigte sich der September-Future dann wieder fester und stieg um 130 Zähler auf 26.487 Punkte.
Der Auslöser für die Bremsspur am Donnerstag: Sinkende Ölpreise hatten den Markt zunächst beflügelt, weil sie die Inflationssorgen dämpften. Im späten Handel drehte der Wind jedoch, Öl legte wieder deutlich zu und nahm dem Index seinen Schwung.
Die US-Erzeugerpreise für Juli lieferten dagegen keinen zusätzlichen Impuls mehr, nachdem bereits die Verbraucherpreise am Vortag eine moderate Inflation gezeigt hatten – ein Umstand, der der US-Notenbank Spielraum geben könnte, vorerst auf eine Zinsanhebung zu verzichten.
Berichtssaison stützt trotz Konsolidierung
Marktbeobachter werten die leichte Schwächephase eher als gesunde Verschnaufpause denn als Trendwende. Nach Einschätzung der Deutschen Bank übertrafen 70 Prozent der DAX-Unternehmen die Erwartungen – das stärkste Gewinnwachstum seit mindestens dem ersten Quartal 2024. In Kombination mit verbesserten Konjunkturdaten und dem Reformpaket der Bundesregierung dürfte dies das Stimmungsbild bei deutschen Aktien weiter stützen.
Auf Einzelwerteebene lieferte vor allem die zweite und dritte Reihe Bewegung. RWE gehörte mit einem Plus von 2,6 Prozent zu den Tagesgewinnern im Index, nachdem der Energiekonzern seine Zahlen zum dritten Quartal vorgelegt hatte. Continental legte um 3,0 Prozent zu und war damit stärkster Wert im DAX.
Thyssenkrupp sprang um 9,1 Prozent, nachdem die Umsatzerwartungen übertroffen wurden – Ergebnis und Cashflow blieben allerdings hinter den Schätzungen zurück. Hellofresh gab dagegen um 3 Prozent nach, nachdem das Umsatzziel am unteren Ende der Prognosespanne präzisiert wurde.
Belastend wirkten weiterhin die Spannungen rund um den Iran-Konflikt. Die Aussicht auf eine Öffnung der Straße von Hormus schwindet zunehmend, was die Ölpreise stützt und die Nervosität an den Märkten hochhält. Marktanalyst Timo Emden sprach von einem „schmalen Grat zwischen Friedensfantasie und geopolitischem Glatteis“, auf dem Investoren derzeit balancieren.
Die Erholung der Futures am Freitagmorgen deutet darauf hin, dass die Verkäufer bislang keine Oberhand gewinnen. Ob der Index seinen Rekordlauf aus der laufenden Konsolidierung heraus fortsetzt, dürfte maßgeblich davon abhängen, wie sich die Ölpreise und die geopolitische Lage rund um den Iran in den kommenden Tagen entwickeln.
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