Der DAX zeigt sich am Dienstagmorgen erstaunlich gelassen – während anderswo die Nerven blank liegen. Steigende Ölpreise und ein anhaltender Ausverkauf an den Anleihemärkten drücken die Stimmung an den Weltbörsen, doch der deutsche Leitindex trotzt der Schwäche zumindest im vorbörslichen Handel.
Wenig Technologie schützt vor Ansteckung
Der Grund für die relative Robustheit liegt in der Zusammensetzung des Index. Mit einem vergleichsweise geringen Technologie-Anteil kann sich der DAX der internationalen Schwäche in dieser Branche teilweise entziehen.
Genau diese Branche hatte an der Wall Street für den größten Schaden gesorgt: Der Nasdaq 100 verlor deutlich, nachdem OpenAI wegen Sicherheitsbedenken das Training seiner leistungsstärksten Modelle ausgesetzt hatte. Zusätzlich wachsen Sorgen um die Finanzierung gewaltiger Rechenzentrumsinvestitionen bei Cloud-Anbietern – ein Thema, das vor allem Chipwerte belastet.
Der Broker IG taxierte den DAX rund zwei Stunden vor Handelsstart bei etwa 25.410 Punkten, leicht im Plus. Zuvor hatte der Index bei 25.374 Punkten geschlossen, ein moderates Minus zum Vortag. Die Wall Street tat sich da schwerer: Dow Jones und S&P 500 gaben nach, der Nasdaq 100 verlor über einen Prozentpunkt.
Öl und Zinsen bleiben die Bremsklötze
Im Zentrum der Nervosität steht weiterhin der Ölpreis. Nachdem der Optimismus über einen diplomatischen Durchbruch im Konflikt zwischen den USA und dem Iran zuletzt nachgelassen hatte, zog Brent wieder an. Steigende Energiepreise befeuern Inflationssorgen und damit Spekulationen auf weitere Zinsschritte der US-Notenbank – die Renditen amerikanischer Staatsanleihen kletterten zuletzt auf Mehrjahreshochs.
Charttechnisch bleibt die Lage unentschieden. Die Unterstützungszone um das Vorwochentief bei 25.164 Punkten hat zwar erneut gehalten, für eine belastbare Bodenbildung reicht das aber nicht.
Erst ein Sprung über die Vorwochenhochs zwischen 25.729 und 25.783 Punkten würde den Weg in Richtung der offenen Kurslücke bei rund 26.000 Punkten freimachen. Auf der Unterseite würde ein Tagesschluss unter der Zone zwischen 25.164 und 25.173 Punkten das Bild deutlich eintrüben, mit Abgaben bis in den Bereich um 24.831 Punkte als Folge.
In Asien fiel die Reaktion auf den Zinsdruck deutlicher aus: Der Nikkei 225 verlor zeitweise über ein Prozent, auch Hang Seng und südkoreanische Börsen gaben nach. Der Fear & Greed Index für den DAX signalisiert mit einem Wert um 35 bereits leichte Furcht, während die Volatilitätskennzahl VDAX-New über die 17-Prozent-Marke gestiegen ist – ein Signal, das erfahrungsgemäß eher für steigendes als für sinkendes Risiko steht.
Der Nachmittag bringt mit dem US-Verbrauchervertrauen und den JOLTS-Stellenangeboten neue Datenpunkte, die die Zinsdebatte weiter befeuern könnten. Am Freitag folgt dann der US-Arbeitsmarktbericht – für den DAX dürfte bis dahin die Frage entscheidend bleiben, ob die Marke von 25.164 Punkten ein weiteres Mal standhält.
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