Fallende Ölpreise geben dem deutschen Aktienmarkt am Mittwoch Rückenwind – ausgerechnet an einem Tag, an dem die Anleger eigentlich mit angehaltenem Atem auf den Abend schauen. Der DAX legte am Nachmittag um 0,48 Prozent auf 26.391 Punkte zu und rückt damit wieder näher an sein Rekordhoch von rund 26.574 Punkten heran, das der Index Mitte August erreicht hatte.
Der eigentliche Treiber sitzt nicht in Frankfurt, sondern am Ölmarkt. Die Rohölsorte Brent verbilligte sich um rund drei Prozent auf etwa 84 bis 86 Dollar je Barrel.
Auslöser waren Berichte über Gespräche zwischen Iran und Oman zur Öffnung der Straße von Hormus sowie verschärfte US-Sanktionen gegen Teheran, die Ölhändler als Signal für wirtschaftlichen statt militärischen Druck werteten. Sinkende Energiepreise dämpfen die Inflationssorgen – ein Umstand, der Aktien derzeit generell stützt.
SAP bremst, Deutsche Bank glänzt
Ohne die Schwäche bei SAP wäre der Tagesgewinn im DAX wohl deutlicher ausgefallen. Die Softwareaktie verlor 3,7 Prozent, nachdem die UBS ihre Kaufempfehlung strich und auf „Neutral“ abstufte. Analyst Michael Briest verwies auf fehlende kurzfristige KI-Kurstreiber und eine fragile Anlegerstimmung – die Titel seien inzwischen fair bewertet.
Auf der Gewinnerseite steht die Deutsche Bank, die auf das höchste Kursniveau seit 2014 kletterte und um 5,3 Prozent zulegte. Die LBBW verwies auf starke Quartalszahlen und ein günstiges Bankenumfeld.
Auch Qiagen profitierte von Berichten über mögliche Verkaufsgespräche mit den Private-Equity-Häusern EQT und KKR zu einem Preis von 50 Dollar pro Aktie. Eon gewann nach einer Hochstufung durch Berenberg auf „Buy“, die Privatbank sieht in der jüngsten Kurskorrektur eine Einstiegschance in den Netzausbau des Versorgers.
Im MDAX profitierten Fluggesellschaften wie Lufthansa und Fraport vom günstigeren Kerosinpreis. Stahl- und Kupferwerte wie Salzgitter und Aurubis zogen parallel mit dem Rohstoffsektor an, Salzgitter sogar um mehr als sieben Prozent.
Der eigentliche Test kommt am Abend
Die freundliche Stimmung am Nachmittag könnte sich rasch drehen. Nach US-Börsenschluss legt Nvidia seine Quartalszahlen vor – für viele Marktteilnehmer der entscheidende Gradmesser dafür, ob der KI-Investitionsboom sein hohes Tempo hält.
Anleger sind zuletzt kritischer an das Thema herangegangen, nachdem die Aktie nach den vergangenen vier Zahlenvorlagen jeweils nachgegeben hatte. Zusätzlich rückt der PCE-Preisindex für Juli in den Fokus, das bevorzugte Inflationsmaß der US-Notenbank vor dem Notenbankertreffen in Jackson Hole, das am Donnerstag beginnt.
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