Der DAX steuert auf eine ungemütliche Woche zu. Vor der Eröffnung am Freitag taxierte der Broker IG den deutschen Leitindex bei 25.322 Punkten, gut zweieinhalb Stunden vor Handelsstart. Damit steht am Ende der Woche ein Minus von 2,8 Prozent zu Buche — und der nächste Test wartet an der 100-Tage-Linie bei 25.203 Punkten.

Der eigentliche Treiber sitzt aber nicht im Frankfurter Handelssaal, sondern am Ölmarkt. Brent nähert sich der Marke von 110 Dollar je Fass, dem höchsten Stand seit Mai. Marktexperte Stephen Innes brachte die Lage auf den Punkt: Wenn Ölpreise und Anleiherenditen nicht zurückkommen, muss die Risikoprämie für Aktien nachziehen. Investoren stufen Aktien im Vergleich zu vermeintlich sichereren Anlagen als unattraktiver ein und bauen Positionen ab.

Notenbanken zwischen Inflation und Wachstum

Erst am Vortag hatte die EZB mit ihrer zweiten Zinserhöhung des Jahres auf den Ölpreisschock reagiert, ausgelöst durch die Zuspitzung des Iran-Kriegs. Nun blickt der Markt auf die US-Notenbank, die in der kommenden Woche einen ähnlichen Schritt erwägt.

Genau deshalb bekommen die amerikanischen Verbraucherpreisdaten am Freitagnachmittag besonderes Gewicht — Ökonomen rechnen mit einem Anstieg von 0,4 Prozent gegenüber dem Vormonat, bei einer Jahresrate von weiterhin 3,4 Prozent.

Die Gemengelage bleibt angespannt: Mit der Einnahme der Stadt Mokka durch Huthi-Truppen droht der Energieversorgung eine weitere Zuspitzung, sollten die vom Iran unterstützten Rebellen die Kontrolle über die Meerenge Bab el-Mandeb übernehmen. Zehnjährige US-Staatsanleihen kratzen bereits an der 5-Prozent-Marke — ein Niveau, das laut ING-Analyst Padhraic Garvey eher unvermeidlich als bloße Prognose sei.

Einzelwerte unter Druck

Im deutschen Leitindex zeigte sich die Nervosität zuletzt breit gestreut. Adidas verlor nach einer negativen Einschätzung von Morgan Stanley 2,6 Prozent, Puma zog mit einem Minus von 2 Prozent nach. SAP blieb volatil und gab 2,8 Prozent ab. Einzig DHL konnte sich gegen den Trend stemmen und legte nach positiven Kommentaren von JP Morgan um 0,9 Prozent zu.

Zinssensible Branchen wie Technologie und Immobilien traf es europaweit besonders hart, während Versicherer von den steigenden Renditen profitierten. Bei Minen- und Stahlwerten sorgten zusätzlich Konjunktursorgen für Druck — Aurubis verlor 5,3 Prozent, Salzgitter sogar 7,3 Prozent.

Der Nachmittag dürfte die Richtung vorgeben: Fallen die US-Inflationsdaten schwächer aus als erwartet, könnte sich der Druck auf Ölpreise und Renditen vorübergehend lösen. Bestätigt sich dagegen die Jahresrate von 3,4 Prozent, dürfte der DAX seinen Test der 100-Tage-Linie bei 25.203 Punkten noch am selben Tag bestehen müssen.