Der deutsche Leitindex tastet sich am Dienstag erneut an sein Allzeithoch heran, ohne den entscheidenden Schritt zu wagen. Vorbörslich signalisierte der X-DAX ein Plus von 0,1 Prozent auf 26.358 Punkte — für eine neue Bestmarke müsste der Index die Marke von 26.445 Punkten aus der vergangenen Woche überwinden. Der DAX-Future notierte im Verlauf bei 26.434 Punkten, allerdings bei unterdurchschnittlichem Handelsvolumen.

Auffällig: Am Montag bildete sich auf Tagesbasis eine sogenannte Doji-Kerze aus, ein Kursmuster, das ausgeglichene Kräfte zwischen Käufern und Verkäufern anzeigt. Solche Formationen deuten häufig auf eine bevorstehende Verschnaufpause nach starken Kursgewinnen hin. Der Volatilitätsindex VDAX liegt bei 15,4 Punkten und signalisiert damit weiterhin eine normale Marktnervosität, deutlich unterhalb der Angstzone von 27 Prozent.

Nahost-Konflikt bleibt Risikofaktor, wird aber ausgeblendet

Trotz ausbleibender Fortschritte bei einer Lösung im Nahen Osten zeigt sich der Markt bemerkenswert robust. Marktbeobachter sprechen davon, dass sich Anleger inzwischen an die wechselhafte Nachrichtenlage gewöhnt haben. Die Rohölpreise bleiben davon jedoch nicht unberührt: Brent-Öl notiert bei rund 88 Dollar pro Barrel und damit spürbar höher als in ruhigeren Marktphasen — ein Faktor, der die Inflationsdiskussion in den USA befeuern könnte.

Genau dort liegt der eigentliche Prüfstein für die laufende Woche. Die US-Verbraucherpreise stehen an, und die Frage, wie stark sich die gestiegenen Energiekosten in der Inflation niederschlagen, dürfte über die Zinserwartungen und damit auch über die Richtung an der Wall Street entscheiden. Fällt die Rally in New York vor den Daten in eine Konsolidierung, dürfte das auch den DAX ausbremsen.

Einzelwerte zwischen Übernahmefantasie und Gewinnwarnung

Neben dem Index-Geschehen sorgen einzelne Titel für Bewegung. TAG Immobilien legte vorbörslich rund 2,4 Prozent zu, nachdem das Unternehmen sein operatives Gewinnziel für das laufende Jahr an das obere Ende der Spanne von 187 bis 197 Millionen Euro konkretisiert hatte. Kontron profitierte von der Nachricht, dass ein Pflichtangebot der Foxconn-Tochter Ennoconn keine Mehrheit erreichte — die Unsicherheit rund um die Transaktion schwindet damit.

Deutlich schwächer entwickelt sich PNE: Der Windparkentwickler bestätigte zwar Berichte über die Suche nach einem Käufer, das Marktinteresse lässt aber auf Preisvorstellungen unterhalb des aktuellen Kurses schließen — die Aktie gab vorbörslich fast neun Prozent ab. Carl Zeiss Meditec verlor rund vier Prozent nach einer Verkaufsempfehlung der UBS. Im SDAX steht ab Donnerstag ein Wechsel an: OHB ersetzt Klöckner & Co, das wegen der Übernahme durch Worthington Steel aus dem Index ausscheidet.

Charttechnisch bleiben die Bereiche um 25.900 und 25.620 Punkte als Auffangzonen im Blick, sollte die erwartete Konsolidierung tatsächlich einsetzen. Oberhalb von 26.445 Punkten wäre dagegen der Weg zu neuen Rekorden frei. Die US-Inflationsdaten am Mittwoch dürften darüber entscheiden, in welche Richtung sich die Waage neigt.