Der DAX hat es geschafft: ein neues Rekordhoch. Der Sprung kam schnell und steil — genau das lässt Chartanalysten nun aufhorchen. Denn je dynamischer ein Anstieg, desto größer meist die Gegenbewegung.
Steiler Anstieg, fällige Verschnaufpause
Technische Indikatoren zeigen bereits Divergenzen, ein klassisches Warnsignal vor Trendwenden. Historisch folgten auf solche schnellen Rallyephasen im DAX regelmäßig Rücksetzer von mehreren hundert Punkten, meist zurück in Richtung der alten Ausbruchszone. Ohne überraschende positive Nachrichten — etwa eine Entspannung im Nahost-Konflikt — dürfte sich diese Korrektur in den kommenden Tagen fortsetzen. Zum Wochenschluss stand der Index bei 26.319,45 Punkten, ein Plus von 179,32 Punkten oder 0,69 Prozent.
Auch der Dow Jones lieferte ein ähnliches Bild: Kurz vor der Marke von 55.000 Punkten bildete sich ein Shooting-Star-Muster, ein typisches Umkehrsignal. Die Parallelen zwischen beiden Indizes deuten darauf hin, dass die Konsolidierung kein rein deutsches Phänomen ist.
Strukturelle Rückenwind-Story bleibt intakt
Während die Charttechnik kurzfristig zur Vorsicht mahnt, sieht die Investmentbank BofA Global Research den DAX strukturell im Aufwind. Der Grund: Eine Rotation weg von überlaufenen Momentum-Werten hin zu lange vernachlässigten Marktsegmenten — Nebenwerte, Immobilien, Telekom und eben deutsche Aktien. Hochmomentum-Titel hatten seit Mitte Juni um 14 Prozent gegenüber Nachzüglern verloren, nachdem sie zuvor zwischen Anfang 2023 und Juni 2026 um 125 Prozent vorgelegt hatten.
Getragen wird diese Rotation von einer sich erholenden Euroraum-Konjunktur nach dem Energieschock durch den Iran-Krieg. Der Einkaufsmanagerindex der Eurozone kletterte seit April um mehr als vier Punkte auf 52, das Wirtschaftswachstum beschleunigte sich im zweiten Quartal auf annualisiert 1,8 Prozent. BofA rechnet für deutsche Aktien mit weiterem Aufholpotenzial von rund 5 Prozent, gestützt durch Infrastrukturausgaben und eine belebte Binnenkonjunktur.
Allerdings mahnt die Bank zur Vorsicht: Gewinnmargen-Prognosen liegen auf Rekordniveau, Risikoprämien nahe 25-Jahres-Tiefs — Spielraum für Enttäuschungen bleibt also kaum. Kurzfristig dürfte der DAX damit zwischen technischer Verschnaufpause und struktureller Aufholstory pendeln, bevor sich zeigt, welche Kraft überwiegt.
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