Rheinmetall verliert an einem einzigen Handelstag fast ein Fünftel seines Wertes. Das zog den gesamten deutschen Leitindex mit in die Tiefe — obwohl der Ölpreis gleichzeitig auf den tiefsten Stand seit Kriegsbeginn im Nahen Osten fiel.
Rüstungssektor bricht ein
Der Auslöser war eine Meldung aus Berlin: Die Bundesregierung plant, das Programm für die F126-Fregatten zu beenden. Damit stünde der Bau des größten deutschen Kriegsschiffs seit dem Zweiten Weltkrieg vor dem Aus. Rheinmetall brach in der Spitze um 20,3 Prozent ein und schloss 18,7 Prozent tiefer. Hensoldt verlor 3,3 Prozent, Renk büßte 8,1 Prozent ein.
Der DAX schloss 0,6 Prozent schwächer bei 24.740 Punkten. Seit Jahresbeginn steht damit ein mageres Plus von unter einem Prozent zu Buche. Die psychologisch wichtige 25.000-Punkte-Marke rückt damit weiter in die Ferne.
Öl fällt, Wall Street steigt — DAX profitiert nicht
Ausgerechnet an diesem Tag lieferte der Rohstoffmarkt eigentlich gute Nachrichten. Fortschritte bei den Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran schickten den Ölpreis auf Talfahrt. Brent fiel um rund 3,5 Prozent auf 77,59 Dollar je Barrel. Noch vor wenigen Wochen hatte die Sorte die 120-Dollar-Marke geknackt.
Fallende Energiepreise entlasten Unternehmen bei den Produktionskosten. Dieser Effekt verpuffte am Mittwoch jedoch vollständig. Der Rüstungsschock überwog.
Wall Street zog derweil an: Der Dow stieg um 0,9 Prozent, S&P 500 und Nasdaq legten je 0,6 Prozent zu. Die Divergenz zwischen festem US-Markt und schwachem DAX war unübersehbar.
Rückenwind kam auch vom Ifo-Institut: Der Geschäftsklimaindex stieg im Juni leicht. Für eine Trendwende reichte das nicht.
Micron als nächster Stresstest
„Die Angst vor einem jähen Ende der Rally ist da“, sagte Thomas Altmann von QC Partners. „Viele haben aber auch Angst, die Börsenparty zu früh zu verlassen.“
Charttechnisch bewegt sich der DAX knapp über seinen gleitenden Durchschnitten der letzten 50 und 200 Handelstage. Die Kaufsignale dieser Indikatoren sind noch intakt. Der erste Widerstand liegt bei 25.181 Punkten — das Tageshoch vom 19. Juni. Nach unten bildet das Tief vom 23. Juni bei 24.723 Punkten die erste Unterstützung.
Am Mittwochabend veröffentlichte Micron seine Quartalszahlen. Der Chiphersteller steht für den klassischen Schweinezyklus der Halbleiterbranche — harte Trendwenden kommen ohne Vorankündigung. Ein mehrtägiger Ausverkauf nach den jüngsten Broadcom-Zahlen hat gezeigt: Jede Enttäuschung aus dem Chip-Sektor kann eine breitere Marktreaktion auslösen. Hält die Unterstützung bei 24.723 Punkten, ist der Weg zurück über 25.000 Punkte wieder offen. Bricht sie, rückt das Verlaufstief vom 10. Juni bei 24.038 Punkten ins Blickfeld.
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