Der September hat dem deutschen Leitindex einiges abverlangt. Rund vier Prozent Minus stehen für den Monat zu Buche, und doch bleibt für das dritte Quartal ein Plus von etwa 0,8 Prozent. Die Gründe liegen bei Zinsen und Inflation.
Inflation und Renditen drücken
Treiber der Schwäche war der Anstieg der Anleiherenditen. Die Rendite der 30-jährigen US-Staatsanleihe erreichte den höchsten Stand seit 2002. Hinzu kamen steigende Ölpreise: Brent kostete zeitweise rund 100 Dollar je Barrel, während Gespräche zwischen den USA und dem Iran die Märkte beschäftigten.
Die Teuerung zog an. In Deutschland lag die Inflationsrate im September bei etwa 3,3 Prozent, nach 2,9 Prozent im August. Für die Eurozone meldeten die Statistiker rund 3,8 Prozent. Das nährt die Aussicht auf höhere Zinsen.
Der DAX startete mit anfänglichen Gewinnen in die Woche, geriet aber ab Mittwoch unter Druck. Am Donnerstag fiel er unter die Marke von 25.000 Punkten und schloss gut ein Prozent tiefer. Am Freitagvormittag erholte er sich um etwa 0,9 Prozent.
Charttechnik und Bewertung
Marktbeobachter blicken nun auf die 200-Tage-Linie bei rund 24.825 Punkten. Der Index notiert nur knapp darüber. Fällt er darunter, liegt die nächste Marke bei etwa 24.000 Punkten. Aus technischer Sicht sind sogar die März-Tiefs bei 22.000 Punkten denkbar.
Die Bewegung ist laut Einschätzung von Börsenbrief-Autoren derzeit stark stimmungsgetrieben. Hohe Risikoaufschläge für französische Staatspapiere verstärken die Nervosität. Fundamental stützt dagegen die Bewertung: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt auf Basis der Schätzungen für 2027 bei 13 bis 14.
Einzelwerte lieferten einen Gegenpol. BMW senkte seine Ziele und peilt im Automobilgeschäft bis 2028 nur noch drei bis fünf Prozent operative Marge an. Das mittelfristige Ziel von acht bis zehn Prozent rückt nach hinten. Bei Evonik sorgte ein abgelehntes, unverbindliches Übernahmeangebot von BASF für Bewegung. Gesprochen wurde von rund 22,15 Euro je Aktie, die Evonik-Papiere legten über die Woche mehr als zehn Prozent zu.
Jahresendrally möglich
Für das Schlussquartal halten Beobachter eine Rally für möglich, aber nicht für gesichert. Nachlassender Inflationsdruck, stabile Renditen und solide Unternehmenszahlen würden stützen. Anhaltend hohe Teuerung oder weiter steigende Zinsen wären eine Belastung.
Kurzfristig entscheidet die 200-Tage-Linie bei 24.825 Punkten: Hält sie, bleibt die Rückeroberung der 25.000er-Marke realistisch. Bricht sie, rückt die Zone um 24.000 Punkte in den Blick.
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